Social CSP

Energie und Entwicklung: Untersuchung der Auswirkungen des NOORo I CSP-Projekts auf die lokalen Lebensgrundlagen in Südmarokko

  • Projekt-Nr. 3158
  • Laufzeit 03/2013 - 07/2015

Die vorliegende Studie von Wuppertal Institut und Gemanwatch untersucht, wie solarthermische Kraftwerke (CSP, concentrated solar power) die soziale Säule der Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene stärken können. Am Beispiel des 160 MW CSP-Kraftwerks NOORo I in Ouarzazate, Marokko, werden die Auswirkungen dieser Technologie auf die lokalen Lebensgrundlagen evaluiert.

Um die zentrale Forschungsfrage "Welches sind die beobachteten und erwarteten positiven und negativen Auswirkungen eines CSP-Projekts auf die lokalen Lebensgrundlagen, und wie können die positiven Nebeneffekte auf die Lebensgrundlage maximiert und somit eine nachhaltige Entwicklung in umliegenden Gemeinden erreicht werden?" beantworten zu können, verfolgt die Studie im Wesentlichen zwei Untersuchungsrichtungen:

1. Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen analysieren und bewerten: Durch eine (teilweise ex-ante durchgeführte) empirische Analyse des Kraftwerks NOORo I wird untersucht, inwiefern die umliegende Region vom Bau des CSP-Kraftwerkes profitiert, in welchem Umfang lokale Bedürfnisse berücksichtigt und inwiefern die Lebensgrundlagen der Bevölkerung vor Ort positiv oder auch negativ beeinflusst werden.

2. Praxis und Verfahren verbessern: Die durch die Fallstudie gewonnenen Erkenntnisse werden durch Aspekte von Nachhaltigkeitsansätzen aus anderen Fachgebieten ergänzt. Dies ermöglicht, Nachhaltigkeits-Anforderungen und Best Practice-Vorgaben zu benennen, mit denen zukünftige CSP-Vorhaben in Einklang mit Entwicklungsbedürfnissen der lokalen Bevölkerung gebracht werden können.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Planung und Bau des Kraftwerkes NOORo I durch die lokale Bevölkerung sehr positiv aufgenommen wurde. Obwohl ein derartiges CSP-Projekt (ebenso wie jede andere vergleichbare Infrastrukturmaßnahme) keine allumfassende Lösung für Marokkos drängende Entwicklungserfordernisse darstellt, wurde dennoch eine Vielzahl von Zusatznutzen für die gesamte Region sichtbar. Insbesondere werden die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Stärkung lokaler Kapazitäten sowie die Verbesserung der sozialen Infrastruktur in angrenzenden Gemeinden als hoch bedeutsam für die Entwicklung vor Ort wahrgenommen. Daneben und in deren Folge gibt es zahlreiche indirekte positive Auswirkungen wie ein stärkerer Familienzusammenhalt, soziale Unterstützung für zurück gekehrte Wanderarbeiter oder ein gesteigertes öffentliches Interesse an erneuerbaren Energien.

Neben diesen positiven wurden auch negative Auswirkungen sichtbar. Diese können jedoch nur zum Teil dem eigentlichen Kraftwerksprojekt zugeordnet werden und müssen relativ zur prekären Vulnerabilität der gesamten Region gesehen werden. Relevant waren hierbei insbesondere die Auswirkungen auf den lokalen Wasser- und Landverbrauch, aber auch ein fehlendes Ausbildungsniveau lokaler Einrichtungen in Bezug auf die Anforderungen von Arbeitnehmern sowie ein steigendes Kostenniveau in der Region. Doch gegenüber den negativen Auswirkungen, die eine Förderung fossiler Rohstoffe oder der Betrieb konventioneller Kraftwerke auf die lokale und regionale Ebene hätte, können die festgestellten Wirkungen von NOORo I generell als niedrig und im Hinblick auf potenzielle Gesundheitsgefahren sowie Luft- und Wasserverschmutzung als äußerst gering eingestuft werden.

Basierend auf den Ergebnissen der empirischen Analyse und Vorschlägen verschiedenster lokaler Stakeholder wurden Empfehlungen für die Weiterentwicklung des Marokkanischen Solarplans sowie ein Set von 18 Nachhaltigkeits-Anforderungen und Best-Practice-Empfehlungen für Bau und Betrieb von CSP-Kraftwerken erarbeitet. Sie liefern einen wichtigen Input für Projektentwickler sowie Regierungen und Entwicklungsbanken, um im Zuge des zukünftigen Ausbaus der CSP-Technologie in der MENA-Region die Entwicklungsbedürfnisse der lokalen Bevölkerung miteinzubeziehen. Für die internationale Nachhaltigkeitsdebatte zeigen die Erfahrungen aus Marokko, wie scheinbar konkurrierende Ziele in den Bereichen Klimawandel, Energiesicherheit und nachhaltige Entwicklung gemeinsam und kohärent verfolgt werden können.

Die Studie wurde durch das Bonn International Center for Conversion (BICC), das marokkanische Forschungs- und Beratungsinstitut MENA Renewables and Sustainability (MENARES), die marokkanische Association Draa pour les Ènergies Renouvelables, das ägyptische Beratungsunternehmen ETHRAA sowie zahlreiche unabhängige Experten aus Marokko, Ägypten, Deutschland und den USA unterstützt.