Pfade zur Dekarbonisierung

"Wir wissen, dass wir im Laufe des Jahrhunderts eine Dekarbonisierung brauchen," sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer 2015 zum Abschluss des G7-Gipfels. Welche Wege zu dem Ziel einer kohlenstoffarmen Wirtschaft bis 2050 führen können, das untersuchten Wissenschaftler(innen) aus den 16 Ländern, die zusammen für 70 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, darunter USA, Brasilien, Südafrika, Indien, China und Russland, im "Deep Decarbonization Pathways Project" (DDPP).

Eine "deep decarbonization", also die radikale Absenkung vor allem des Kohlendioxidausstoßes, bedeutet vor allem eine tiefgreifende Veränderung der Energiesysteme und dies bereits bis Mitte des Jahrhunderts. Die deutsche Länderstudie wurde vom Wuppertal Institut erstellt. Das Wuppertal Institut nutzte dafür seine langjährige Expertise in der Erstellung und Metanalyse langfristig orientierter Szenarien des Energiesystems.

Pfade zur Dekarbonisierung
Das Wuppertal Institut Wege auf, wie die die Dekarbonisierung der energieintensiven Grundstoffindustrie vollzogen werden kann.

Bereits 1990 propagierte die Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" des deutschen Bundestags eine Verringerung des Treibhausgasausstoßes in Deutschland um 80 Prozent bis 2050. Auf dieser Zielvorgabe begründet, hat das Wuppertal Institut bereits weit vor der Energiewende verschiedene Langfrist-Szenarien für das deutsche Energiesystem entwickelt. Diese Szenarien zeigen, dass vor allem eine bedeutend effizientere Energienutzung sowie ein vermehrter Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung und der Erneuerbaren Energien zu einem CO2-armen Energiesystem beitragen können. Auch eine verminderte Nachfrage durch verändertes Verhalten bei der Energienutzung ("Energiesuffizienz") ist ein bedeutender Faktor für die radikale Absenkung der CO2-Emissionen.

Beim Ausstieg aus einem fossilen Energiesystem spielen drei Akteursebenen eine zentrale Rolle:

Für die Wirtschaft besteht die Aufgabe, Produktionsweisen, Produkte und Dienstleistungen zu dekarbonisieren und neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Hier zeigt das Wuppertal Institut Wege auf, wie die Industrie diesen Wandel vollziehen kann, wie ein zukunftsfähiger Kraftwerkspark aussehen oder die Dekarbonisierung der energieintensiven Grundstoffindustrie vollzogen werden kann.

Auch die Klimaschutzpolitik von Städten und Kommunen sollte sich strategisch am langfristigen Ziel der kohlenstoffarmen Gesellschaft orientieren. Wie dies aussehen kann, hat das Wuppertal Institut beispielsweise mit der Studie "Sustainable Urban Infrastructure: München – Wege in eine CO2-freie Zukunft" im Auftrag der Siemens AG gezeigt: München kann die CO2-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts um bis zu 90 Prozent reduzieren. Sie demonstriert zugleich, dass die Wandlung einer Metropole in einen annähernd CO2-freien Ballungsraum eine große Aufgabe ist, die nur bewältigt werden kann, wenn das Ziel von allen Beteiligten mit hoher Priorität verfolgt wird.

Insbesondere werden Energiesysteme aber auch auf nationaler und internationaler Ebene gestaltet. Mit Studien für Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Energielands Nordrhein-Westfalen, die in einem breiten partizipativen Prozess gemeinsam mit mehr als 400 Stakeholdern aus allen Bereichen in NRW entwickelt wurden, aber auch Studien für Länder wie Tunesien, den Iran, Tschechien und Ungarn trägt das Wuppertal Institut dazu bei, die jeweiligen politischen Diskurse zum Umbau der Energiesysteme vor allem unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu unterstützen.

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick

Tel.: +49 202 2492-121

Fax: +49 202 2492-198

manfred.fischedick@wupperinst.org

Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer

Tel.: +49 202 2492-216

Fax: +49 202 2492-198

stefan.lechtenboehmer@wupperinst.org

Publi- kationen

Hier finden Sie Veröffentlichungen zum Thema Dekarbonisierung.

Veröffentlichungen zum Thema

Pfade zur globalen Dekarbonisierung

Synthesebericht des Deep Decarbonization Pathways Project (DDPP)


Eine Vision für ein ressourceneffizientes Europa

Online-Artikel im "European Journal of Futures Research"


Technische Analyse und Vergleich der Szenarien, die dem angekündigten White Paper zur Klima- und Energiepolitik 2030 der Europäischen Kommission zugrundeliegen

Working Paper basierend auf den vorläufigen Dokumenten


Den Umbau des Energiesystems risikoarm und richtungssicher voranbringen

Thesenpapier des Wuppertal Instituts nach dem Reaktorunfall in Japan


CO2-freies München

Studie zur Entwicklung nachhaltiger urbaner Infrastrukturen veröffentlicht


Perspektiven dezentraler Infrastrukturen im Spannungsfeld von Wettbewerb, Klimaschutz und Qualität

Endbericht der Forschungspartnerschaft "Infrafutur"


Mut zur Nachhaltigkeit

Vom Wissen zum Handeln - Didaktische Module


The Blessings of Energy Efficiency in an Enhanced EU Sustainability Scenario

Beitrag zur eceee 2007 Summer Study


Spartenberichte der Forschungspartnerschaft INFRAFUTUR

Ergebnisse in den Bereichen Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft


Der unnötige Atomkonflikt in Iran

Größere Chancen durch alternativen Energiepfad


Abschlussbroschüre des Projektes "Holzwende 2020plus"

Erschließung nachhaltiger Märkte für das Bauen mit Holz


CO2-Abtrennung und Speicherung in Deutschland

Kosten, Ökobilanzen und Szenarien im Rahmen einer integrativen Bewertung


Climate Policy Post-2012 - a Roadmap

Welches sind die Herausforderungen für die globale Klimapolitik?


Internationale Klimapolitik 2020

Herausforderung für die deutsche (Umwelt-) Außenpolitik


Endbericht zeigt: CCS - kein Königsweg für den Klimaschutz

Eine groß angelegte Studie untersucht erstmalig systemische Auswirkungen von Carbon Capture and Storage (CCS) bei der Strom- und Wasserstoffproduktion und vergleicht diese mit erneuerbaren Energien


Projekte

Hier finden Sie Forschungsaktivitäten im Bereich Dekarbonisierung.