Ökonomieweite Stoffstrom-Analyse und Indikatoren

Die ökonomieweite Analyse von Stoffströmen bildet die materielle Basis eines Landes oder einer Region ab. Erfasst wird der Stoffaustausch mit der natürlichen Umwelt und – über den Handel – mit anderen Wirtschaftsregionen.

Dieser sozio-industrielle Stoffwechsel (oder Metabolismus) wird mit Indikatoren beschrieben, die Input, Output, Verbrauch, Bilanz und Produktivität messen.

Der umfassendste Input-Indikator ist der globale Materialaufwand TMR (Total Material Requirement). Er enthält die inländische und ausländische Ressourcenextraktion, die mit den Produktions- und Konsumaktivitäten eines Landes verbunden ist. Gezählt wird der gesamte Primärmaterialaufwand, unabhängig davon, ob das extrahierte Material als Rohstoff weiter genutzt wird oder als solches nicht weiter verwertet wird (z. B. Bergbauabfälle oder Bauaushub).

Die gehandelten Ressourcen mit dem höchsten Anteil mit ihnen verbundener indirekter Stoffströme sind Eisen, Steinkohle, Kupfer, Zinn, und zunehmend Palmöl. Betrachtet man die Lastenverteilung unter den Weltregionen, so zeigt sich, dass Europa der größter "Verlagerer" ist, während Australien und Latein-Amerika die größten Umweltbelastungen aufgrund von Ressourcenentnahme zu tragen haben.

Der Indikator "Rohstoffproduktivität (BIP/Rohstoffverbrauch)" in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie misst bislang nur abiotische Materialien und davon inländische genutzte Extraktionen und die Menge direkt importierter Rohstoffe (siehe Fortschrittsbericht der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen (UGR)). Damit wird die fortschreitende Verlagerung von Ressourcenaufwendungen ins Ausland über den Import von Halb- und Fertigwaren missverständlich als Fortschritt abgebildet. Denn die damit verbundenen Primärmaterialaufwendungen werden ausgeblendet.

Im Rahmen der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Rohstoffproduktivität von 1994 bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Im Deutschen Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) hat sie die Absicht bekundet, künftig sowohl die indirekten Ressourcenaufwendungen über Importe als auch genutzte und ungenutzte Extraktion von Primärmaterial zu berücksichtigen. Das Wuppertal Institut erarbeitet hierzu im Projekt PolRess Vorschläge.

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Michael Ritthoff

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Fax: +49 202 2492-138

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