Geschäftsfeld

Kreislauf Wirtschaft

Deutschland und die Europäische Union haben sich das Ziel einer umfassenden Transformation in Richtung einer Kreislaufwirtschaft gesetzt, in der Abfälle so weit wie möglich vermieden, Produkte und Komponenten möglichst lange genutzt und Abfälle umfassend als potentielle Ressource betrachtet werden sollen. Die damit verbundenen Herausforderungen und Fragestellungen an die Gestaltung von Infrastrukturen, Policy Mixen und Governancestrukturen sowie notwendigen Innovationsprozessen sind der Ausgangspunkt für die Forschung im Geschäftsfeld Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut.

Profil

Forschung am Wuppertal Institut zu Fragen der Kreislaufwirtschaft zeichnet sich durch eine integrierte und interdisziplinäre Betrachtung quantitativer und qualitativer Forschungsleitfragen aus:

  • Wir betrachten die Kreislaufwirtschaft aus einer klaren Ressourceneffizienzperspektive: Wo lassen sich durch Vermeidung, Wiederverwendung und Verwertung Ressourcen einsparen? Bei welchen Stoffen, Produkten oder Abfällen sollte die Kreislaufwirtschaft prioritär ansetzen?
  • Unser Fokus liegt auf den notwendigen politischen Rahmenbedingungen der Kreislaufwirtschaft: Welche Politikansätze sind für eine solch umfassende Transformation von der lokalen bis zur globalen Ebene notwendig und geeignet? Wo liegen die entscheidenden Hemmnisse, durch welche Maßnahmen lassen sie sich überwinden?
Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz

Auch die Vision einer vollständig geschlossenen Kreislaufwirtschaft ändert nichts an der begrenzten Verfügbarkeit dem Anteil natürlicher Ressourcen, der überhaupt nur im Kreis geführt werden kann oder für die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfällen benötigt wird. Auch der Ersatz durch bio-basierte Rohstoffe ist durch die globale Verfügbarkeit von Ackerland begrenzt. Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling von Abfällen sind daher kein Ziel an sich, sondern sollen zu einem langfristig nachhaltigen und ressourceneffizienten Wirtschaftssystem beitragen.

Wir untersuchen, wie eine Kreislaufwirtschaft mit Blick auf eine optimierte Ressourceneffizienz ausgestaltet werden sollte: Welche Rohstoffe können sinnvoll im Kreis geführt werden? Wo trägt die Reparatur von Produkten zur Einsparung von Ressourcen bei? Bei welchen Produkten und Abfallströmen sollte die Vermeidung von Abfällen prioritär ansetzen?

Derzeit fokussiert die Kreislaufwirtschaft stark auf wirtschaftliche Fragen wie mögliche Kosteneinsparungen oder Arbeitsplatzpotentiale. Wenig entwickelt ist jedoch das Nachdenken über neue kreislaufwirtschaftliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise können die sich entwickelnde Sharing Economy oder Konzepte wie "Nutzen statt Besitzen" Beiträge zur Ressourceneffizienz leiste, oder je nach Ausgestaltung die Übernutzung von Ressourcen auch weiter befördern (Stichwort Rebound-Effekte). Hier entwickeln wir integrierte und interdisziplinäre Betrachtungsweisen, um ökonomische und ökologische Potenziale möglichst optimal zu verbinden.

Politikansätze für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft

Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft ist natürlich auch eine technische Herausforderung. In erster Linie wird sie aber komplett neue Governance-Ansätze erfordern, die bisher isoliert betrachtete Themen wie Produktdesign, Nachhaltiger Konsum oder ressourceneffizientes Wirtschaften mit abfallwirtschaftlichen Fragestellungen verbinden: Was ist eigentlich ein kreislauffähiges Produkt? Wie lassen sich abfallwirtschaftliche Infrastrukturen planen, die auf keinen konstanten Zufluss an Abfällen angewiesen sind?

Gleichzeitig wird die Kreislaufwirtschaft eine viel engere Verknüpfung von der lokalen bis zur globalen Ebene erfordern: Produktdesign lässt sich nur auf internationaler Ebene beeinflussen, konkrete Konsummuster erfordern dagegen an den lokalen Kontext angepasste Strategien. Und schließlich gilt es zu handeln, wenn am Ende unsere Abfälle zunehmend in Länder verschifft werden, die sich der Abfallgesetzgebung entziehen.

Für diese Fragestellungen analysieren und entwickeln wir innovative Politikansätze, die den gesamten Produkt-Lebenszyklus umfassen – von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Entsorgung. Untersucht und bewertet werden konkrete Politikinstrumente mit Blick auf ihre Effekte, ihre Umsetzbarkeit und die durch sie ausgelösten Innovationsprozesse.