Nachhaltige Gebäude in China finanzieren

Wuppertal Institut veranstaltete mit Partnern ein Forum zur Finanzierung nachhaltiger Gebäude

Mehrfamilienhäuser
  • News 28.11.2018
Das Bild zeigt rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Mitte November 2018 zum SusBuild Forum of Financing Sustainable Buildings kamen. Quelle: Chongqing Association of Building Energy Efficiency

In den vergangenen zehn Jahren setzte die chinesische Regierung mehrere Strategien zur Förderung nachhaltiger Gebäude um. Unter anderem bietet die öffentliche Finanzierung einen wichtigen Anreiz für verschiedene Akteure, die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern und umweltfreundliche Gebäude zu bauen. Es ist jedoch offensichtlich, dass Subventionen allein bei weitem nicht ausreichen, um nachhaltige Gebäudesanierung und -entwicklung in China zu etablieren. Grüne Finanzierungskanäle und -instrumente sind unerlässlich, um private Investitionen anzureizen und die immensen finanziellen Lücken zu schließen. Gleichzeitig wird die grüne Finanzierung zu einem Mainstream-Thema sowohl für Finanzinstitute als auch für politische Entscheidungsträger weltweit und hat sich in China rasant entwickelt. Bisher hat der Bausektor jedoch weitaus weniger Aufmerksamkeit erlangt als andere Sektoren.

Vor diesem Hintergrund veranstaltete das Wuppertal Institut am 15. November 2018 in Chongqing (China) in Zusammenarbeit mit der China Association of Building Energy Efficiency (CABEE), der Sino-German Urbanisation Partnership und zwei lokalen Partnern von SusBuild das Forum zur Finanzierung nachhaltiger Gebäude im Rahmen des EU Switch-Asia SusBuild-Projekts. An diesem Forum nahmen rund 80 Teilnehmende aus dem Bausektor und verschiedenen Finanzinstituten in China sowie europäische und andere internationale Organisationen teil, um darüber zu diskutieren, wie Green Finance in Zukunft die nachhaltige Gebäudeentwicklung in China unterstützen kann.

Das Forum unterteilte sich in drei Sitzungen. Die Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums für Wohnungswesen und Stadt-Land-Entwicklung (MoHURD) und der China Association of Building Energy Efficiency (CABEE) eröffneten die Konferenz, stellten die Relevanz von Green Buildings und Gebäude-Energieeffizienz in China vor und betonten die Bedeutung der Finanzierung. Nach den Grußworten folgten drei Impulsreferate von Expertinnen und Experten der Chongqing Association of Building Energy Efficiency (CQBEEA), der Central University of Finance and Economics und der International Partnership for Energy Efficiency Cooperation (IPEEC). Sie hoben die Bedeutung der Energieeffizienz von Gebäuden, die aktuelle Praxis in Chongqing und innovative Finanzinstrumente hervor, die die Finanzierung nachhaltiger Gebäude potenziell ermöglichen können.

In der zweiten Session tauschten sich die Teilnehmenden aus Finanzinstituten und Bauwesen Erkenntnisse aus der Praxis aus. Inländische Finanzinstitute wie die Industrial Bank, die Pudong Development Bank und lokale Banken in Chongqing stellten ihre derzeitige Praxis der grünen Finanzierung im Zusammenhang mit nachhaltigen Gebäuden und den damit verbundenen Herausforderungen vor. Die angebotenen Finanzierungsprodukte reichen von vermögensabhängigen Darlehen, grünen Anleihen, vermögensabhängigen Anleihen und Leasing bis hin zu Forfaitierung. Bauexpertinnen und -experten aus Chongqing, Shanghai, Qingdao und der Provinz Yunnan stellten Gebäudesanierungsprojekte zur Steigerung der Energieeffizienz, ihren lokalen politischen Rahmen und die Herausforderungen beim Zugang zu Finanzmitteln vor. In den vergangenen Jahrzehnten führten diese Städte und Regionen vielfältige Gebäudesanierungsprojekte durch, wodurch sie beträchtliche Energieeinsparungen erreichen konnten. Die Projekte wurden mit Eigenkapital der beauftragten Energidienstleistungsunternehmen sowie öffentlichen Subventionen finanziert.

In der dritten Sitzung stellten Expertinnen und Experten nationaler und internationaler Organisationen – wie UNEP FI, das Wuppertal Institut, das Guangzhou Carbon Emission Trading Centre, CECEP Consulting und CABEE – innovative Instrumente vor, die Finanzinstitute bei der nachhaltigen Gebäudefinanzierung unterstützen. Dazu gehören standardisierte Verfahren, grüne Hypotheken, Indizes für grüne Aktien, grüne Anleihen.
Felix Suerkemper, Projektleiter in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut, stellte drei Institutionen in Europa vor, die erfolgreich zwischen Gebäudeeigentümern, Finanzinstituten und Energiedienstleistungsunternehmen vermitteln und vielfältige Dienstleistungen (Zertifizierung, Finanzierungsberatung, Projektbündelung, etc.) anbieten, um dadurch den Zugang zu bzw. die Bereitstellung von Finanzmitteln zu ermöglichen. Diese und weitere Instrumente sind Teil des SusBuild-Handbuchs "Unlocking ESCOs' access to finance to boost building energy renovation", das Anfang 2019 veröffentlicht wird.

Die Teilnehmenden des Forums sind sich einig, dass sich die Finanzierung der nachhaltigen Gebäudeentwicklung in China noch in einem frühen Stadium befindet. Entscheidend sei nun die Skalierung, die allerdings einen Paradigmenwechsel der verschiedenen Interessengruppen erfordert sowie eine wirksame Kombination von Politiken und innovativen Mechanismen, die nicht nur Finanzprodukte, sondern auch mehr und transparentere Informationen für Investitionen in Energieeffizienz umfassen. Das Forum war einzigartig in Westchina und brachte verschiedene Schlüsselakteure aus dem Bausektor und dem Finanzsektor in den Dialog und legte damit den Grundstein für die weitere Zusammenarbeit in der Zukunft.