Wahrnehmung der Energiewende in NRW

Workingpaper der lokalen Energiewende in Nordrhein-Westfalen

Windenergie und Solarenergie
  • News 13.03.2019

Wenige Themen werden in der Gesellschaft, in den Medien und in der Politik so kontrovers diskutiert wie die Energiewende. Der Einfluss des lokalen Kontextes auf die Energiewende-Diskurse ist in einem kulturell, ökonomisch und sozial sehr heterogenem Land wie Nordrhein-Westfalen besonders spannend. Es stellt sich die Frage, mit welchen Deutungsmustern die Energiewende im öffentlichen Diskurs verknüpft wird und inwiefern sich diese in den verschiedenen Regionen und bei verschiedenen Akteurinnen und Akteuren unterscheiden. Zur Beantwortung dieser Frage werteten Forschende zwei Fallbeispiele qualitativ aus: Duisburg, als eine Großstadt im Ruhrgebiet, und der ländlich geprägte Hochsauerlandkreis. Dafür führten Dr. Alexandra Büttgen, Projektleiterin in der Abteilung Nachhaltiges Konsumieren und Produzieren am Wuppertal Institut, zusammen mit den beiden Wissenschaftlerinnen Esther Trost (Kulturwissenschaftliches Institut Essen) und Lisa Geringhoff (Fachhochschule Münster) eine Studie zum Einfluss des lokalen Kontextes auf die Energiewende in Nordrhein-Westfalen durch. Die Studie "Es gibt mehr als eine Energiewende in NRW. Eine Untersuchung von Deutungsmustern der Energiewende auf lokaler Ebene" wurde nun im Rahmen des Forschungsprojektes "Mentalitäten und Verhaltensmuster im Kontext der Energiewende in NRW" veröffentlicht.

Das Forschungsprojekt entstand in Kooperation verschiedener Projektpartner wie dem Forschungszentrum Jülich, der Hochschule Bochum, der RWTH Aachen, dem Wuppertal Institut und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und hat sich die Erforschung des Nachhaltigkeitsbewusstseins in Nordrhein-Westfalen zum Ziel gesetzt. Aus den gewonnenen Erkenntnisse leiteten die Forschenden Maßnahmen ab, die dazu beitragen können, die immer noch bestehende Kluft zwischen energiebezogenem Handeln und der Einstellung zu Klima- und Umweltschutz zu verringern.
Die Wissenschaftlerinnen werteten Interviews sowie mithilfe der Medien- und Textanalyse aus, um zu sehen, ob es Unterschiede hinsichtlich der Deutungsmuster in der jeweiligen lokalen Diskussion um die Energiewende vor Ort gibt, dem Einfluss lokaler Besonderheiten auf die Wahrnehmung der Energiewende vor Ort habe sowie den an der Diskussion teilnehmenden Akteuren gibt. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnisse konnten sie Rückschlüsse ziehen, ob eine ganzheitliche Kommunikationsstrategie für die Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen ausreicht oder ob das Thema auf lokaler Ebene unterschiedlich kommuniziert werden sollte.

Besonders bei der Analyse der Lokalpresse gibt deutliche Unterschiede. Zwar wurde die Energiewende in beiden unteruschten Fällen überwiegend negativ dotiert, jedoch sind unterschiedliche thematische Schwerpunkte zu verzeichnen. Während in Duisburg die Kosten der Energiewende für lokale Unternehmen thematisiert wurden, stehen im Hochlandsauerkreis die Windenergienutzung und dessen mögliche negative Folgen im Vordergrund. Während der Umweltschutz nur selten Grundlage der Berichterstattung ist, wird vor allem die als falsch empfundene Planungspolitik sowie Bürgerinitiativen, die sich gegen diese stellen, thematisiert. Zudem konnte interessanterweise ein Wandel der Deutungsmuster in der lokalen Berichterstattung innerhalb des Untersuchungszeitraums festgestellt werden. Während 2011 bis 2013 eine überwiegend positive Bewertung der Energiewende als Lösung für Atomenergie erfolgte, wurde sie nach 2013 zunehmend als Problem wahrgenommen. Zudem werden Vorteile der Energiewende kaum noch erwähnt und stattdessen wird sie unter anderem als Auslöser für höhere Energiekosten beschrieben.

Eine wichtige Erkenntnis der Studie: Der lokale Kontext macht durchaus einen nicht zu vernachlässigenden Unterschied. Zwischen den beiden Fällen konnten wesentliche Unterschiede hinsichtlich der vorherrschenden Deutungsmuster als auch zu den unterschiedlichen Gruppen, die sich bei der Diskussion um die Energiewende einbringen, ausgemacht werden. Es gibt nicht "die" Energiewende in Nordrhein-Westfalen. Um eine erfolgreiche Energiewende umzusetzen ist eine auf die lokalen Gegebenheiten, Mentalitäten und Verhaltensmuster zugeschnittene frühzeitige Kommunikation essenziell, denn gerade die lokale Ebene ist identitätsstiftend für die Menschen.

Der vollständige Artikel ist in den Schriften des Forschungszentrums Jülich in der Reihe "Energie & Umwelt / Energy & Environment", erschienen und steht im nachfolgenden Link auf dem Publikationsserver des Wuppertal Instituts als Download bereit.