Dezentrale Anlagen halten das Netz stabil

Arjuna Nebel nimmt Übertragungsnetz in seiner Dissertation unter die Lupe

Strommasten
  • News 09.08.2019

Dezentrale Anlagen können perspektivisch für Stabilität im Übertragungsnetz sorgen. In seiner kürzlich publizierten Dissertation konnte Dr.-Ing. Arjuna Nebel, Projektleiter im Forschungsbereich Systeme und Infrastrukturen in der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut, zeigen, dass Netzüberlastungen im Übertragungsnetz auch mithilfe von dezentralen flexiblen Anlagen behoben werden könnten. Dabei kann insbesondere eine Flexibilisierung von bestehenden Biogasanlagen, die Ladung und Entladung der Fahrzeugbatterien in Elektromobilen sowie die Nutzung von industriellen Lastmanagementpotenzialen signifikant zur Netzstabilität beitragen. Ein weiterer Aspekt ist die Flexibilisierung und Nutzbarmachung dezentraler Blockheizkraftwerke, allerdings ist dies auch im Betrieb mit einer deutlichen Kostensteigerung verbunden.

Unterstützen dezentrale Anlagen das Netz, können sie bis zu 99 Prozent der benötigten Redispatch-Erhöhung aus konventionellen Kraftwerken ersetzten. "Redispatch" bezeichnet die Anpassung der Leistungseinspeisung von Kraftwerken auf Grund von Netzüberlastungen. Allerdings steigen die Kosten deutlich, wenn dezentrale Anlagen diese Redispatch-Aufgaben übernehmen.
Arjuna Nebel betont: "Bei einem Netzengpass muss die Kraftwerksleistung regional angepasst werden, um das Netz zu entlasten. Das passiert heute über die konventionellen Kraftwerke. Wenn dies dezentrale Anlagen übernehmen können, ist eine Voraussetzung dafür geschaffen, dass konventionelle Kraftwerke bei einem hohen Angebot von erneuerbaren Energien vom Netz genommen werden können. Ohne eine solche flexible Fahrweise müssten in Zukunft statt der konventionellen Kraftwerke die erneuerbare Energien gedrosselt werden, um die Netzstabilität zu sichern."

Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek vom Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik der Bergischen Universität Wuppertal und von Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, betreuten die Dissertation "Auswirkung einer übergeordneten Steuerung dezentraler elektrischer Anlagen auf die Höhe des konventionellen positiven Redispatcheinsatzes in Deutschland". Sie steht im nachfolgenden Link auf dem Publikationsserver des Wuppertal Instituts kostenfrei zum Download bereit.