Klimapolitik gewinnt bei deutschen Unternehmen an Bedeutung

forsa-Umfrage zur Zukunft Europas aus Sicht deutscher Unternehmen im Auftrag von EY, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und des Wuppertal Instituts

Umfrage
  • News 04.11.2020

Nach Ansicht deutscher Unternehmen gehört die Bewältigung der Corona-Pandemie derzeit zu den größten Herausforderungen für die Europäische Union (EU). Gegenüber den Vorjahren hat die Bedeutung der Klimapolitik deutlich zugenommen. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen wird der Wirtschaftsstandort Deutschland von einer ambitionierten Klimapolitik profitieren: 50 Prozent der Befragten sehen eher Vorteile für die deutsche Wirtschaft – nur 27 Prozent befürchten vorwiegend Nachteile. Von denjenigen, die eher von Vorteilen für Deutschland ausgehen, rechnen die meisten (75 Prozent) damit, dass sich die Exportchancen für die deutsche Wirtschaft auf längere Sicht verbessern werden.
Das sind Ergebnisse der jetzt erschienenen repräsentativen Umfrage "Europa 2020 – Die Sicht deutscher Unternehmen" im Auftrag der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und des Wuppertal Instituts, die das Meinungsforschungsinstitut forsa zwischen dem 30. Juli und 3. September 2020 unter Führungskräften 400 deutscher Unternehmen durchgeführte. Befragt wurden Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden.

"Angesichts der enormen ökonomischen Schäden, die die Corona-Pandemie bereits verursacht hat und vermutlich noch verursachen wird, ist die überragende Bedeutung dieses Politikfelds wenig überraschend", sagt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts. "Wirklich bemerkenswert ist aber der deutliche Bedeutungszuwachs, den die Klimapolitik in den vergangenen Monaten erfahren hat. Der Klimawandel und die Möglichkeiten, diesen zu begrenzen, steht mittlerweile hoch auf der Agenda der Unternehmen und ist ein wichtiger Teil zukünftiger Krisenprävention".

Die Auswirkungen der bevorstehenden Umbaumaßnahmen auf das eigene Unternehmen werden von den Unternehmen zum Teil durchaus auch skeptisch gesehen: 23 Prozent rechnen eher mit Nachteilen für das eigene Geschäft, 37 Prozent aber mit Vorteilen – die übrigen Unternehmen sind unentschlossen. Rund 82 Prozent der Unternehmen begrüßen den Plan, mehr Geld für den Klimaschutz zu investieren und halten die Ausrichtung nationaler und europäischer Recovery-Programme hin zu mehr Investitionen in den Klimaschutz für richtig. Nur 46 Prozent der Managerinnen und Manager halten das Ziel der EU-Kommission, bis 2050 treibhausgasneutral zu werden, aus heutiger Sicht für realistisch. "Daher muss hier offensichtlich noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden, am besten durch positive Beispiele, die nicht zuletzt vermehrt auch von den Unternehmen selber kommen", bewertet Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick.

Der Anteil der Unternehmen, die die Umwelt- und Klimapolitik als eine der drei größten Herausforderungen für die EU ansehen, stieg im Vergleich zum Vorjahr von neun auf 26 Prozent. Das zeige, dass die Wirtschaft sehr wohl wahrgenommen hat, dass die EU-Kommission mit dem European Green Deal ein ehrgeiziges Klimaschutzprogramm vorgelegt hat. Auch die immer strengere Regulierung in diesem Bereich dürfte dazu beigetragen haben, dass das Thema aus Sicht der Wirtschaft enorm an Relevanz gewonnen hat und die Unternehmen sich damit beschäftigen, wie sie den Herausforderungen begegnen können, ergänzt Fischedick.

Die Studie "Europa 2020 – Die Sicht deutscher Unternehmen" ist im nachfolgenden Link verfügbar.