Strategien für eine klimaneutrale Grundstoffindustrie in Europa

Wuppertal Institut unterstützt Studie von Agora Energiewende: Zusammenfassung erschienen

Stahlindustrie
  • News 18.11.2020

In ihrer Folgenabschätzung für ein höheres EU-Klimaziel bis 2030 lässt die Europäische Kommission im Industriesektor den Einsatz von klimaneutralen Schlüsseltechnologien in der Stahl-, Zement- und Chemiebranche bislang praktisch vollkommen außer Acht. Der "Climate Impact Assessment" der Kommission sieht Emissionsminderungen in europäischen Fabriken fast ausschließlich durch Investitionen in Effizienzsteigerungen in konventionellen Anlagen vor. Industrieanlagen mit konventioneller Technologie nachzurüsten oder neuzubauen ist aufgrund ihrer langen Lebensdauer von durchschnittlich 40 Jahren im Hinblick auf das im European Green Deal formulierte Ziel der Klimaneutralität 2050 jedoch keine nachhaltige Strategie. Dies zeigt die neue Studie "Breakthrough Strategies for Climate-Neutral Industry in Europe" von Agora Energiewende, die in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut entstand.

"Wenn die europäische Industrie bereits im aktuellen Investitionszyklus mit dem Umstieg auf klimaneutrale Produktionsprozesse beginnen würde, wäre das Europas Chance seine Technologieführerschaft in der Entwicklung und Markteinführung klimaneutraler Produktionsprozesse auszubauen", betont Prof. Dr. Stefan Lechtenböhmer, Leiter der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut. "Gerade jetzt muss die EU die Rahmenbedingungen für das Geschäftsmodell klimaneutrale Industrie schaffen, um an diesem wachsenden Markt zu partizipieren. Denn die wichtigsten Konkurrenten wie China positionieren sich mit eigenen Klimaneutralitätszielen und wollen dieses Ziel bis 2060 erreichen, ebenso wie Südkorea, Japan und – gemäß Joe Bidens Wahlprogramm – die USA bis 2050. Es ist also absehbar, dass ein wachsender Markt für klimaneutrale Technologien und Produkte entsteht."

Dass klimaneutrale Schlüsseltechnologien in der Stahl-, Zement- und Chemiebranche bereits heute technologisch ausgereift sind, oder dies in naher Zukunft sein werden, konnte das Wuppertal Institut bereits in der mit Agora Energiewende durchgeführten Studie „Zukunft der energieintensiven Industrie“, die innerhalb des Projekts „Industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels - Wie die Transformation zu einer emissionsarmen Wirtschaft gelingen kann“ entstand, zeigen. Die aktuelle Studie von Agora Energiewende baut auf den Erkenntnissen dieser vorherigen Studie sowie zusätzlichen Recherchen des Wuppertal Instituts zu zentralen Daten zum Reinvestitionszyklus auf europäischer Ebene auf.

Die Zusammenfassung "Breakthrough Strategies for Climate-Neutral Industry in Europe" ist in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut entstanden. Innerhalb des Projekts "Klimaneutrale Grundstoffindustrie EU" unterstützte das Wuppertal Institut Agora Energiewende bei der Übertragung der Erkenntnisse zu industriellen Schlüsseltechnologien auf die europäische Ebene durch Ermittlung, Bereitstellung und Analyse von Kerndaten für die Sektoren Stahl, Chemie und Zement auf europäischer Ebene. Die Studie ist in englischer Sprache erschienen und skizziert die wesentlichen Technologiepfade für nachhaltige Emissionsminderungen in Stahl-, Zement- und Chemiefabriken. Zudem enthält sie ein Maßnahmenpaket mit Politikinstrumenten, um den klimaneutralen Umbau der europäischen Grundstoffindustrie anzustoßen. Die 36-seitige Publikation steht unter dem nachfolgenden Link zum kostenlosen Download zur Verfügung. Die Veröffentlichung der Gesamtfassung ist Anfang 2021 vorgesehen.


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