Internationale Klimapolitik im Wandel: Der Globale Süden gewinnt an Bedeutung

Artikel im Journal Earth System Governance zeigt, wie Indien internationale Klimanormen mitgestaltet

  • News 08.07.2025

Bei den UN-Klimakonferenzen wird nicht nur über Emissionsziele diskutiert, sondern auch über grundsätzliche Normen: Wer soll was leisten, unter welchen Bedingungen – und wer trägt die Kosten? Die Länder des Globalen Südens galten dabei lange als reine "Norm-Nehmer", also als Staaten, die internationale Standards befolgen sollen, aber nicht aktiv mitgestalten. Aber dieses Bild wandelt sich aktuell: Länder wie Indien bringen zunehmend eigene Vorstellungen in den globalen Aushandlungsprozess ein und beeinflussen erfolgreich international vereinbarte Normauslegungen.

Das zeigt Dr. Chris Höhne, Senior Researcher im Forschungsbereich Internationale Klimapolitik am Wuppertal Institut, in seinem Artikel "Exporting norm interpretations from the Global South: Explaining India's reasons for contesting and reshaping international climate norms", der jüngst im Open Access-Journal Earth System Governance erschienen ist. Anhand von zwei Fallstudien zeigt Höhne, wie Indien 2007 auf der UN-Klimakonferenz in Bali erfolgreich Änderungsvorschläge in die internationalen Klimaverhandlungen einbrachte. Dabei lehnten die indischen Vertreter nicht nur Vorschläge anderer Staaten ab, sondern traten als sogenannte Counter-Proposer mit alternativen Normdeutungen auf.

Höhne identifiziert in seinem Artikel vier zentrale innenpolitische Faktoren, die Indiens Verhalten erklären:

  • Kulturelle Pfadabhängigkeit: Indien wollte seine Unabhängigkeit und seine bereits bestehenden inländischen Politiken bewahren.
  • Wirtschaftliche Ziele: Das Land wollte seine Möglichkeiten bewahren, sein Wirtschaftswachstum zu maximieren.
  • Finanzielle Unterstützung: Indien forderte, dass Industrieländer mehr Geld für Klimaschutz in Entwicklungsländern bereitstellen.
  • Gemeinschaftsgefühl: Indien sieht sich als unabhängiger Akteur und Sprecher des Globalen Südens.

Höhne kommt zu dem Ergebnis, dass Länder wie Indien heute nicht mehr nur passiv agieren, sondern die internationalen Klimaregeln aktiv mitgestalten. Der Artikel verdeutlicht somit, warum die Stimmen aus dem Globalen Süden in internationalen Klimaverhandlungen immer wichtiger werden.

Der Artikel "Exporting norm interpretations from the Global South: Explaining India's reasons for contesting and reshaping international climate norms" ist im Journal Earth System Governance erschienen und steht über den nachfolgenden Link kostenfrei zum Download zur Verfügung.


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