Auf den Spuren der Second-Hand-Kleidung

Burcu Gözet und Maike Demandt vom Wuppertal Institut waren im Rahmen des Projekts C4CF II zu Besuch in Ghana

  • News 21.11.2025

Das Projekt "Capacities4CircularFutures", das von der GIZ umgesetzt und von der Staatskanzlei NRW finanziert wird, zielt auf Wissenskooperationen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft in Ghana ab und geht dieses Jahr in die zweite Runde. Aufbauend auf den Erkenntnissen des Vorgänger-Projekts wurde nun der Fokus - neben Altfahrzeugen – auf Alttextilien gelegt. Denn die Nachfrage nach Textilien ist in den vergangenen Jahren weit über das Grundbedürfnis hinausgewachsen – angetrieben von der Fast-Fashion-Industrie, die kurzlebige Kleidung als Einwegware produziert. Dadurch entstehen jährlich rund 92 Millionen Tonnen Textilabfälle, von denen nur etwa ein Prozent recycelt wird. Deutschland gehört dabei zu den fünf exportstärksten Ländern der Europäischen Union, die gebrauchte Kleidung nach Asien und Afrika exportieren.

Ghana hat sich zu einem der wichtigsten globalen Zielländer für diese Secondhand-Importe entwickelt. Für die dortigen Akteur*innen wird der nachhaltige Umgang mit den stetig wachsenden (Abfall-)Mengen daher immer dringlicher. Um die Situation vor Ort besser zu verstehen und direkt mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, reisten die Wissenschaftlerinnen Maike Demandt und Burcu Gözet aus dem Forschungsbereich Zirkuläre Systeme am Wuppertal Institut im November für zwei Wochen nach Ghana.

Während ihres Aufenthalts organisierten die Forscherinnen eine Circular Economy Summer School und führten eine Veranstaltung zum nachhaltigen Umgang mit Secondhand-Textilien auf der West African Clean Energy and Environment Conference durch. Zudem besuchten sie den Kantamanto-Markt, den größten Secondhand-Bekleidungsmarkt weltweit. Wöchentlich treffen dort rund 15 Millionen Kleidungsstücke ein, von denen etwa 40 Prozent nicht wiederverwendbar sind – mit entsprechenden Folgen für die Umwelt. Denn die Abfälle überlasten Deponien, werden offen verbrannt oder gelangen in Flüsse und ins Meer.

Neben extremen Eindrücken auch Positivbeispiele

Trotz der teils extremen Eindrücke finden sich vor Ort auch positive und innovative Ansätze einer zirkulären Textilwirtschaft: Händler*innen zeigen etwa, wie aus alten Pyjamas Boxershorts oder aus T-Shirts hochwertige Trikots entstehen. Auch Organisationen wie The Revival Earth und die Or Foundation entwickeln aus nichtverkauften Textilien neue Produkte. Die Or Foundation führt zudem Umweltproben durch und organisiert wöchentliche Beach-Clean-ups.

Jedoch zeigen die Eindrücke der Reise insgesamt, dass allein lokale Maßnahmen nicht ausreichen: "Die Transformation muss global gedacht werden, um zu verhindern, dass so viele minderwertige Textilien in Ghana ankommen", betont Burcu Gözet. Zugleich stehe auch Deutschland vor Problemen: Altkleidercontainer sind überfüllt, Sammelunternehmen an ihrer Kapazitätsgrenze und die manuelle Sortierung wird wegen sinkender Textilqualität zunehmend unwirtschaftlich. Abhilfe können insbesondere regulatorische Maßnahmen wie die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) schaffen. Dadurch würden Hersteller*innen die Kosten für Sammlung, Verwertung und Entsorgung tragen – ein Schritt, der das Recycling stärkt, minderwertige Exporte reduziert und die Abfallmenge in Ghana senken könnte.

Da die Textilindustrie global vernetzt ist, lassen sich die Herausforderungen nicht von einzelnen Ländern allein bewältigen. Entsprechend seien internationale, koordinierte Lösungen erforderlich, so das Fazit der beiden Forscherinnen.


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