Industrielle Grundstoffe wie Stahl, Zement oder Aluminium bilden die Basis zahlreicher Wertschöpfungsketten. Aktuelle industriepolitische Debatten um grüne Leitmärkte, etwa im Kontext des Industrial Accelerator Acts, konzentrieren sich vor allem auf ihre Emissionen in der Produktion und die Definition, wann sie als CO2-arm gelten. Jedoch greift dieser Ansatz zu kurz, zeigt das aktuelle Diskussionspapier "Zirkuläre Leitmärkte ermöglichen" der Initiative IN4climate.NRW. Die Autor*innen argumentieren, dass der Ansatz die Emissions- und Umweltwirkungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus nur unzureichend berücksichtige. Wer Leitmärkte wirklich transformativ gestalten will, müsse den Blick auf den gesamten Produktlebenszyklus und insbesondere auf Zirkularität richten.
Entscheidend dafür sei sowohl Klimawirkung als auch zirkuläre Eigenschaften eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus hinweg sichtbar zu machen – vom Materialeinsatz über Reparaturfähigkeit bis hin zu Wiederverwendung, Demontage und Recycling.
Das IN4climate.NRW-Papier schlägt deshalb ein Endproduktelabel vor: Etablierte und anschlussfähige Indikatoren sollen so gebündelt werden, dass neben der Klimawirkung auch zirkuläre Produktmerkmale systematisch erfasst werden. Verbrauchende könnten dadurch Produktinformationen bis zum Endprodukt nachvollziehen und Unternehmen ein Label als verlässliche Grundlage für Marktentscheidungen nutzen.
Dafür sei wichtig, die im Jahr 2024 verabschiedete Ökodesign-Verordnung schnell weiter umzusetzen und einheitliche Standards für Zirkularitätsindikatoren entlang der Wertschöpfungskette voranzutreiben. Der Digitale Produktpass (DPP) müsse auf den bereits existierenden Ansätzen aufbauen und eine effiziente Nutzung ermöglichen. So kann ein praxistauglicher und transparenter Rahmen entstehen, der Investitionssicherheit stärkt, Nachfrageimpulse setzt und verlässliche Orientierung für Wirtschaft sowie Verbrauchende bietet.
Auch wenn die produktspezifischen delegierten Rechtsakte der Ökodesign-Verordnung seitens der EU noch ausstehen, können Unternehmen bereits aktiv werden, stellen die Autor*innen im Diskussionspapier heraus. Wer also frühzeitig Transparenz über die Zirkularität seiner Produkte schafft, sichert sich Wettbewerbsvorteile in entstehenden Leitmärkten. Bestehende Normen bieten bereits heute eine solide Grundlage, um Bewertungsgrundlagen aufzubauen.
IN4climate.NRW ist eine Initiative der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Unter dem Dach der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz NRW.Energy4Climate bringt der Thinktank Wirtschaft, Wissenschaft – darunter auch das Wuppertal Institut – und Politik zusammen, um die klimaneutrale Transformation der Industrie voranzutreiben. Mehr als 80 Unternehmen und Verbände aus der Grundstoffindustrie und der weiterverarbeitenden Industrie sowie fünf Forschungseinrichtungen engagieren sich in verschiedenen Arbeitsformaten in der Bearbeitung der zentralen Transformationsthemen.
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