Die Auswirkungen der Plastikverschmutzung reichen weit über Umwelt- und Gesundheitsfragen hinaus und betreffen grundlegende Menschenrechte. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht "A Circular Plastics Economy and Human Rights" des Wuppertal Instituts. Giacomo Sebis, Researcher im Forschungsbereich Zirkuläre Gesellschaft, und Charlotte Hullmann, Researcherin im Forschungsbereich Transformative Industriepolitik, vergleichen darin die sozialen und ökologischen Folgen linearer Kunststofflieferketten mit den Potenzialen zirkulärer Systeme.
Heutige Kunststofflieferketten sind überwiegend linear organisiert: Kunststoffe werden produziert, genutzt und anschließend entsorgt. In allen Phasen dieses Prozesses entstehen soziale Risiken, die verschiedene Personengruppen betreffen, zum Beispiel Arbeitnehmer*innen, die lokale Bevölkerung oder informelle Abfallsammler*innen. "Besonders anfällig sind formelle und informelle Arbeitskräfte. Direkt betroffen sind lokale Gemeinschaften, Kinder, Frauen, Minderheitengruppen einschließlich indigener Gemeinschaften sowie Gesellschaften im Globalen Süden", stellt Giacomo Sebis heraus. Insbesondere seien die Rechte auf Leben, Gesundheit, Wasser, Nahrung und Nichtdiskriminierung gefährdet. Daneben seien ebenso das Recht auf menschenwürdige Arbeit und Arbeitnehmerrechte sowie das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt betroffen.
Als mögliche Lösung verweisen sie im Bericht auf zirkuläre Kunststofflieferketten: Diese könnten dazu beitragen, die Gesamtproduktion und den Verbrauch von Neukunststoffen zu senken und damit die Belastung durch Kunststoffabfälle sowie damit verbundene Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Darüber hinaus könnten neue Kreislaufsysteme zusätzliche Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten schaffen. Gleichzeitig warnen Sebis und Hullmann vor einer pauschalen Bewertung. Denn die positiven Effekte einer Kreislaufwirtschaft hängen laut der Forschenden stark vom jeweiligen Kontext ab und treten nicht automatisch ein. Ein Übergang zu zirkulären Kunststofflieferketten müsse sorgfältig gestaltet werden, um Zielkonflikte zu vermeiden. Dazu zählen etwa Spannungen zwischen dem Ziel eines geringeren Kunststoffverbrauchs und den Vorteilen von Kunststoffen in Bereichen wie Gesundheitsversorgung oder Lebensmittelsystemen. Im Bericht weisen sie auch darauf hin, dass soziale Risiken, die bislang mit linearen Kunststofflieferketten verbunden sind, insbesondere in den späteren Phasen des Produktlebenszyklus auch innerhalb einer Kreislaufwirtschaft fortbestehen können. Menschenrechte könnten daher auch in zirkulären Lieferketten weiterhin gefährdet sein.
Der Bericht "A Circular Plastics Economy and Human Rights" ist auf der OHCHR-Website in englischer Sprache unter "Academia/Research community" kostenfrei verfügbar.
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