Gestern hat Bundesforschungsministerin Dorothee Bär in Berlin die neue Förderstrategie "Forschung für Nachhaltigkeit (FONA)" vorgestellt. Das Ecological Research Network (Ecornet), zu dem auch das Wuppertal Institut gehört, begrüßt, dass das Ministerium inter- und transdisziplinäre Forschung zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen verstärkt fördern will. Die Ecornet-Institute regen für die Umsetzung der Strategie jedoch ein erweitertes Verständnis von Innovation, Wirkung und Transfer vor. Zudem weisen sie darauf hin, dass soziale Dimensionen der Nachhaltigkeit bislang nur begrenzt berücksichtigt werden.
Gegenüber den Vorläuferprogrammen fällt die stärkere Technologieorientierung und ein neuer Fokus auf die Umsetzung technologischer Innovationen durch Unternehmen auf. „Damit der Gesellschaft möglichst gute und vielversprechende Lösungsansätze mit hohem Umsetzungspotenzial zur Verfügung gestellt werden können, ist allerdings ein breites Verständnis von Innovation und Wirkung notwendig”, sagt Thomas Korbun, Ko-Sprecher von Ecornet und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).
An dieser Stelle sehen die Nachhaltigkeitsforschungsinstitute noch Entwicklungsbedarf: Die FONA-Strategie fokussiert etwa sehr stark auf technologische Innovationen und Wertschöpfung. Dabei sind Nachhaltigkeitsprobleme jedoch selten allein technischer Natur, sondern meist eng mit sozialen Praktiken, institutionellen Rahmenbedingungen und Gerechtigkeitsfragen verbunden. Die Verwobenheit technologischer Innovationen mit sozialen Innovationen und Verhaltensänderungen sollte bei der Ausformulierung konkreter Förderinitiativen der Strategie daher von Anfang an mitgedacht werden, um nachhaltige Ergebnisse wirksam umsetzen zu können.
Darüber hinaus merken die Ecornet-Institute an, dass die FONA-Strategie bisher zu wenig Fragen der sozialen Nachhaltigkeit berücksichtigt. Jedoch sind die Themen Arbeit, Gesundheit, demografischer Wandel oder Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen sind mit den ökologischen und technologischen Fragen eng verbunden. Nachhaltiger wirtschaftlicher Wohlstand und gesellschaftliche Lebensqualität lassen sich nur erreichen, wenn Technologieentwicklung mit den ökologischen und den sozialen Nachhaltigkeitsdimensionen verknüpft werden.
Das Ecornet regt zudem an, FONA in zukunftsorientierte und verlässliche Fördermodelle zu überführen. Denn die Forschungsförderung sollte konsequent an den Erfordernissen einer sozial-ökologischen Transformation ausgerichtet werden. Dafür seien finanziell gut ausgestattete, langfristige Förderprogramme und agile und bürokratiearme Förderstrukturen unerlässlich. Um eine hohe Qualität der Forschungsergebnisse und einen hohen Umsetzungsgrad in die Praxis zu sichern, müsse die Qualität der eingereichten Projektvorschläge das wichtigste Auswahlkriterium bleiben.
Aus Sicht von Ecornet ist die Verzahnung der FONA-Strategie mit der Hightech Agenda Deutschland gelungen. Die Hightech Agenda sollte von den benannten Stärken der FONA-Strategie lernen und nachhaltig weiterentwickelt werden, empfehlen die Ecornet-Institute.
Die Pressemitteilung des Ecornet zur FONA-Strategie sowie weitere Informationen sind in den nachfolgenden Links zu finden.
Im Ecornet arbeiten mehr als 1.000 Mitarbeitende in acht Instituten an konkreten Vorschlägen für Wege in ökologisch tragfähige und sozial gerechte Zukünfte. Ihre Arbeit zu sozial-ökologischen Transformationen ist stets mit Vorstellungen von einer demokratischen, lebendigen Gesellschaft verbunden. Mit ihrer Forschung und dem transdisziplinären Forschungsansatz tragen sie aktiv zur demokratischen Gestaltung der notwendigen Transformationen bei. Mitglieder im Ecornet sind: Ecologic Institut, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Öko-Institut, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU) sowie das Wuppertal Institut.
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