BikeTransit: Mehr Bahnfahrten durch bessere Fahrrad-Infrastruktur?

Internationaler Benchmarkbericht: Besserer Zubringerverkehr kann Fahrgastaufkommen im Schienenpersonenverkehr deutlich steigern

  • News 29.06.2026

Im Projekt "BikeTransit" erarbeiten Forschende des Wuppertal Instituts, der Technische Hochschule Wildau und des SINUS-Instituts gemeinsam mit der Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen verkehrspolitische und verkehrswirtschaftliche Entscheidungsgrundlagen zur Kombination von Rad- und Bahnverkehr.

Als BikeTransit bezeichnen die Forschenden ein Mobilitätskonzept, das die Nutzung von Fahrrad und Bahn kombiniert. Das Ziel ist, die sogenannte "erste und letzte Meile" effizient, umweltfreundlich und staufrei zu bewältigen – und dadurch zusätzliche Fahrgäste für die Bahn zu gewinnen.

Nun haben die Forschenden den ersten Ergebnisbericht der Marktforschungs- und Potenzialstudie veröffentlicht: ein internationales Benchmark, das den Status des BikeTransits in Deutschland mit dem in Dänemark, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz vergleicht. Dazu analysierte das Projektteam vor allem Parkmöglichkeiten für Fahrräder an Bahnhöfen, Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme in Zügen, Bikesharing-Angebote, digitale Lösungen, Nutzungsbedingungen und Vertriebsansätze.

Deutliches Wachstum der Personenfahrten durch bessere Angebote fürs Fahrrad

Der Benchmarkanalyse liegt die Annahme zugrunde, dass die Anteile an BikeTransit-Verkehren, die in den betrachteten Ländern und Regionen bereits realisiert sind, auch in strukturell vergleichbaren Regionen in Deutschland erreichbar sind. Und die Zahlen sind beeindruckend: So lassen sich in den Niederlanden 69 Prozent des Zuwachses an Bahnfahrten zwischen 2000 und 2020 auf BikeTransit-Fahrten zurückführen. In Vorarlberg waren es 59 Prozent im Zeitraum von 2017 bis 2023. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR, Compound Annual Growth Rate) der Personenfahrten mit der Bahn von jeweils rund 2 Prozent.

Umsatz, Fahrgäste, Personenkilometer: Hohes Wachstumspotenzial in Deutschland

Die internationale Benchmarkanalyse zeigt, dass der BikeTransit in den Vergleichsregionen (Niederlande, Vorarlberg und Kopenhagen) einen dreifach höheren Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen aufweist als in Deutschland. "Gezielte infrastrukturelle Förderung von BikeTransit stärkt die Verknüpfung von Fahrrad und Bahn, was zu deutlich mehr Fahrradfahrten im Zu- und Abbringerverkehr führen kann – und in der Folge dann auch zu deutlich mehr Bahnfahrten," erklärt Thorsten Koska, Co-Leiter des Forschungsbereichs Mobilität und Verkehrspolitik am Wuppertal Institut. Um diese Potenzial auch in Deutschland zu heben, empfehlen die Forschenden vier Maßnahmenpakete:

  • Ausbau von Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen – angesichts des Benchmarks mit den Niederlanden, die pro Kopf eine sechsmal höhere Anzahl an Stellplätzen und eine 17-mal höhere Kapazität an zugangsgesicherten Anlagen vorhalten.
  • Ausweitung von Sharing-Angeboten, etwa für Fahrräder oder E-Tretroller – insbesondere an Bahnhöfen mittelgroßer und kleiner Städte, um die Erreichbarkeit auf der ersten und letzten Meile zu verbessern.
  • Verbesserung der Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme – zum Beispiel durch geeignete Fahrzeugkonzepte wie dem "Kopenhagener Modell" mit speziellen Fahrrad-Abteilen, ergänzt um eine gezielte Nachfragesteuerung über Tarife und Zeitfenster.
  • Verbesserung der digitalen Integration – um die Plan- und Nutzbarkeit intermodaler Wege zu vereinfachen, etwa durch die Bereitstellung digitaler Anwendungen, einheitlicher Buchungsplattformen und integrierter Tarife.

Der internationale Benchmarkbericht steht über den folgenden Link kostenfrei zum Download bereit.


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