Die Hightech Agenda Deutschland mit ihrem Fokus auf sechs Schlüsseltechnologien ist der Mittelpunkt der bundesdeutschen Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik. In der heute veröffentlichten Stellungnahme spricht sich das Ecological Research Network (Ecornet) – ein Netzwerk von acht führenden Instituten der Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland –, dafür aus, die Agenda und ihre Roadmaps stärker als bisher an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Daher müsse die Agenda um Perspektiven der Resilienz- und Nachhaltigkeitsforschung ergänzt werden. Die Stellungnahme wurde als Beitrag zur derzeit laufenden Agenda-Konsultation eingereicht. Das Wuppertal Institut ist Mitglied im Ecornet und unterstützt die Empfehlungen des Netzwerks.
Konsequente Nachhaltigkeitsorientierung notwendig
Es reiche nicht aus, Nachhaltigkeit in der Agenda nur am Rande zu erwähnen, sondern sie sollte in jeder Phase von Forschung, Entwicklung und Implementierung von Technologien verankert werden. Wettbewerb und Nachhaltigkeit seien keine Gegensätze, betont Ecornet: In vielen Technologie- und Industriebranchen ist eine Nachhaltigkeitsorientierung bereits jetzt ein klarer Wettbewerbsvorteil. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken.
Das Netzwerk regt daher an, die Hightech Agenda mit Kernelementen und Erkenntnissen aus der Strategie "Forschung für Nachhaltigkeit" (FONA) des Bundesforschungsministeriums anzureichern. Die mittlerweile fünfte Auflage der FONA-Strategie wurde vergangene Woche vom Ministerium vorgestellt.
Gesellschaftlichen Nutzen von Hightech sichtbar machen
Bisher zielt die Agenda hauptsächlich auf Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität. Ecornet spricht sich dafür aus, dass sie jedoch stärker als bisher auf die Lösung gesellschaftlicher und alltagsweltlicher Probleme fokussieren muss. Die Berücksichtigung sozialer Dimensionen wie Arbeit oder Gerechtigkeitsfragen ist unerlässlich, damit Innovationen bessere gesellschaftliche Wirkung entfalten. Darüber hinaus könne der selbst gesetzte Anspruch auf eine "Mitmach-Agenda" insbesondere erst durch die Einbindung der Zivilgesellschaft erfüllt werden. Erst dann werde die Hightech Agenda zu einer gemeinsamen Anstrengung.
Zentral dafür sei auch ein erweitertes Innovationsverständnis: Der Fokus der Agenda auf technologische Innovationen müsse ergänzt werden um soziale, kulturelle und institutionelle Innovationen, die alle miteinander in Wechselwirkung stehen. Erst dieses Zusammenspiel erzeuge eine lebendige Innovationskultur, wie sie die Agenda anstrebt, so Ecornet.
Das Netzwerk betont in seiner Stellungnahme vor allem die Hebelwirkung, die die transdisziplinäre Forschung für technologische Innovationen haben kann. Der von den Ecornet-Instituten früh mitentwickelte Forschungsansatz ermöglicht eine breite Akteursbeteiligung für eine große Perspektivenvielfalt in Forschung und Innovation. Zudem sind Innovationsprozesse komplexe Gefüge, die mithilfe transdisziplinärer Methoden für verschiedene Beteiligte verständlich aufbereitet werden können.
Im Ecornet arbeiten mehr als 1.000 Mitarbeitende in acht Instituten an konkreten Vorschlägen für Wege in ökologisch tragfähige und sozial gerechte Zukünfte. Ihre Arbeit zu sozial-ökologischen Transformationen ist stets mit Vorstellungen von einer demokratischen, lebendigen Gesellschaft verbunden. Mitglieder im Ecornet sind: Ecologic Institut, ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Öko-Institut, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (UfU) sowie das Wuppertal Institut.
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