Nachhaltige Abfallwirtschaft im Libanon

Wuppertaler Studienarbeit diskutiert Möglichkeiten, um den nicht-staatlichen Sektor zu integrieren

  • News 13.07.2026

Die Abfallwirtschaft im Libanon steht vor großen Herausforderungen: fehlende Infrastruktur, schwache politische Umsetzung sowie der Ausschluss des informellen Sektors. Dieser wirtschaftliche Sektor ist meist nicht staatlich registriert, reguliert oder besteuert. Abfallsammler*innen beseitigen aktuell nur etwa 20 Prozent der Abfälle, wovon wiederum nur sechs Prozent in Recyclinganlagen landen.

Vor diesem Hintergrund hat sich Jamia Laber, wissenschaftliche Hilfskraft im Forschungsbereich Zirkuläre Systeme am Wuppertal Institut, im Rahmen ihrer Masterarbeit aktuelle Abfallwirtschaftssysteme in der Region Beirut-Mount Lebanon angeschaut und erörtert, wie der informelle Sektor darin integriert werden kann. Dazu führte sie Interviews mit verschiedenen Beteiligten der Abfallwertschöpfungskette, Besichtigungen vor Ort und eine Analyse der politischen Rahmenbedingungen durch. Als Ergebnis stellt sie vier Ansätze vor, um den informellen Sektor in die Abfallwirtschaftssysteme zu integrieren:

  • Schrittweise Verbesserung: Maßnahmen wie grundlegende Unterstützung, Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen optimieren die Umstände des informellen Sektors im bestehenden System mit minimalem Eingriff.
  • Erweiterte Herstellerverantwortung: Herstellende Unternehmen finanzieren die Sammlung sowie das Recycling oder die Entsorgung der Abfälle. In diesem System ist es notwendig, den informellen Sektor zu beteiligen und einzubeziehen, um deren reibungslosen Betrieb zu gewährleisten und die Beschäftigten im informellen Sektor zu schützen.
  • Dezentrale Abfallwirtschaft: Diese fördert eine enge Zusammenarbeit zwischen lokalen Behörden sowie dem informellen Sektor und ermöglicht dessen Angehörigen die Teilhabe an Entscheidungen mit direkten Auswirkungen auf sie.
  • Öffentlich-private Partnerschaften: Kooperationen zwischen Kommunen, privatem und informellem Sektor tragen gemeinsam Verantwortung und arbeiten mit Modellen der Kreislaufwirtschaft auf langfristige Nachhaltigkeit hin. Diese Praxis ist im Libanon gängig.

"In der Praxis sind die Ansätze miteinander verknüpft. Je nach lokalen Gegebenheiten, institutionellem Kontext und verfügbaren Ressourcen ist eine Kombination verschiedener Elemente sinnvoll – insbesondere im Libanon, wo formelle und informelle Akteur*innen in komplexer Weise miteinander koexistieren", erläutert Lamia Jaber. Diese kombinierte Strategie ermöglicht eine schrittweise Verbesserung und fördert Innovation und Inklusion in der Abfallwirtschaft.

Barrien auf dem Weg zu einer nachhaltigen Abfallwirtschaft im Libanon

Die Arbeit entstand im Rahmen des ReMaL-Projekts, ein vierjähriges Projekt zur Reduzierung von Meeresmüll im Libanon, das vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert wird. Die Arbeit befasst sich mit strukturellen und governancebezogenen Herausforderungen innerhalb des libanesischen Abfallwirtschaftssystems, insbesondere mit dem informellen Sektor. Neben finanziellen, institutionellen sowie organisatorischen Barrieren, steht die Abfallwirtschaft im Libanon auch vor technischen und operationellen Herausforderungen. Auch die Bevölkerung und ein kollektives Bewusstsein sind zentral: Beispielsweise haben bestimmte Berufe wie Abfallsammler*innen einen schlechten Ruf.

Bei den rechtlichen Rahmenbedingungen sieht die Autorin ebenfalls Verbesserungsbedarf: Zwar bieten diese eine Grundlage für die Einbeziehung des informellen Sektors, werde jedoch durch Unstimmigkeiten und Schwierigkeiten bei der Umsetzung beeinträchtigt. Darum brauche es strengere nationale und lokale politische Maßnahmen und klarere Vorschriften. Außerdem empfiehlt die Autorin vorbeugende Maßnahmen, beispielsweise Verpackungen zu reduzieren und Abfälle zu vermeiden.

In der Reihe "Wuppertaler Studienarbeiten zur nachhaltigen Entwicklung" werden herausragende wissenschaftliche Diplom-, Master- oder Staatsexamensarbeiten publiziert, die im Rahmen der Nachhaltigkeitsforschung am Wuppertal Institut entstanden sind. Burcu Gözet, Co-Leiterin des Forschungsbereichs Zirkuläre Systeme am Wuppertal Institut, betreute die Masterarbeit.

Die Wuppertaler Studienarbeit Nr. 36 ist in englischer Sprache erschienen und über den nachfolgenden Link kostenfrei abrufbar.


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