Warum die Kältewende unser bester Hitzeschutz ist

Podcast Zukunftswissen: Episode mit Prof. Dr. Alexander Fekete und Constanze Schmidt

  • News 22.09.2026

Diesen Sommer hat Deutschland drei Hitzewellen erlebt: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gab es bis Mitte September 2026 bereits mehr als 16.300 Hitzetote. Krankenhäuser und Pflegeheime versuchten, so schnell wie möglich Klimaanlagen zu beschaffen, um besonders gefährdete Menschen zu schützen. Wie sich künftige Hitzesommer besser bewältigen lassen, wird zunehmend unter einem bislang wenig bekannten Begriff diskutiert: der Kältewende. Gemeint ist damit kein kühleres Klima. Vielmehr geht es – als Gegenstück zur Wärmewende – um einen ganzheitlichen, sozial gerechten und nachhaltigen Ausbau der Kühlung, etwa von öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen.

Was eine solche Kältewende ausmacht, besprechen in der neuen Episode von Zukunftswissen Prof. Dr. Alexander Fekete, Professor für Risiko- und Krisenmanagement am Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der Technischen Hochschule Köln, und Constanze Schmidt, wissenschaftliche Referentin für strategische Themenfeldentwicklung Klimaanpassung am Wuppertal Institut. Schmidt plädiert für ein koordiniertes Vorgehen in klaren Schritten: An erster Stelle stehe der Klimaschutz, damit Hitzewellen künftig weniger stark ausfallen. Danach folge die passive Kühlung der Städte, beispielsweise durch Entsiegelung, Bäume, Fassadenbegrünung und helle Anstriche. Erst dann komme eine effiziente, aktive Kühlung infrage, wobei Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser Vorrang haben sollten. Auch Fekete rät, vor dem Kauf einer Klimaanlage zunächst an Verschattung zu denken. Dies müsse in der Stadtplanung ebenso wie in der eigenen Wohnung geschehen.

Als effiziente Form der aktiven Kühlung nennt Schmidt Fernkältenetze, wie es sie etwa in München, Wien oder Paris bereits gibt: Eine zentrale Anlage kühlt Wasser herunter, das über unterirdische Leitungen zu Krankenhäusern, Büros oder Hotels gelangt. Dadurch ließen sich Tausende einzelner Klimaanlagen einsparen. Kritisch sieht Schmidt allerdings die Nutzung von Flusswasser, wenn die Pegel in Hitze- und Dürreperioden sinken. Zugleich regt sie an, beim Ausbau der Fernwärme auch Kältenetze zu berücksichtigen.

Fekete ordnet Hitze aus Sicht der Gefahrenabwehr ein, denn sie betreffe fast alle Bereiche der kritischen Infrastruktur: von sich verbiegenden Bahnschienen bis zu Stromnetzen, die durch zu viele gleichzeitig laufende Klimaanlagen überlastet werden können. Großen Lernbedarf sieht er auch in der Bevölkerung: Viele seiner Studierenden hätten von Rettungseinsätzen berichtet, bei denen die meisten Betroffenen schlicht zu wenig getrunken hätten. Für ihn gehören Klimaschutz und Anpassung zusammen. "Wir können so viel anpassen, wie wir wollen, doch es bringt nichts, wenn es immer heißer wird und wir uns nicht selbst verändern und anerkennen, dass Hitze tötet", betont Fekete.

Gemeinsam diskutieren die beiden mit Host Jonas Zerweck außerdem darüber, wie sich Kühlung sozial gerecht gestalten lässt. Ein Weg seien kühle öffentliche Orte wie Museen oder aufmerksame Nachbarschaften, denn zu den Hitzetoten zählen Schmidt zufolge insbesondere viele alleinstehende Menschen. Zudem sprechen sie darüber, warum das Thema politisch bislang zu wenig Priorität hat, welche Rolle kommunale Hitzeaktionspläne spielen und was ihnen Mut macht.

Diese Folge und alle vergangenen sind kostenfrei auf Spotify, Apple Podcasts und Podcast.de sowie über die Website des Wuppertal Instituts zu hören.


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