Emissionshandelssysteme erfolgreich aufbauen

UBA-Abschlussbericht analysiert Beiträge bestehender Politikinstrumente zum ETS-Aufbau und nimmt dessen Aufbauprozess in Mexiko und Indien unter die Lupe

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  • News 23.05.2019

Die Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris macht eine Verstärkung der Klimaschutzanstrengungen dringend erforderlich. "Carbon Pricing" gilt als ein effektiver und effizienter Ansatz, um die Klimaziele zu möglichst geringen Kosten zu erreichen. Sogenannte Emissionshandelssysteme (ETS) sind eine weitere Möglichkeit Treibhausgasemissionen zu bepreisen, die mithilfe eingeführter Emissionsobergrenzen Gewissheit über das künftige Emissionsniveau bieten.
Zahlreiche Länder, neben China auch die Ukraine, Mexiko und Kolumbien, wollen jetzt ein solches Emissionshandelssystems einführen. Zugleich verfügen viele dieser Länder bereits über andere Politikinstrumente, die neben weiteren Effekten, wie Energieeinsparungen, auch Treibhausgasemissionen mindern können. "Somit stellt sich die Frage, ob diese Politikinstrumente zum Aufbau eines Emissionshandelssystems beitragen können", sagt Wolfgang Obergassel, Co-Leiter im Forschungsbereich Internationale Klimapolitik in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut.

Um dieser Frage nachzugehen, beauftragte das Umweltbundesamt (UBA) das Wuppertal Institut mit dem Forschungsprojekt "Perspektiven des Linking von Emissionshandelssystemen (ETS) – Überführungsmöglichkeiten nationaler Klimaschutzprogramme in ein ETS", welches sie gemeinsam mit Perspectives Climate Change und SQ Consult umsetzte. Der nun veröffentlichte Abschlussbericht des Projekts zeigt, wie bestehende Politikinstrumente zum Aufbau eines ETS beitragen und wie sie im Anschluss mit diesem koexistieren können, um einen effektiven Politikmix zu ermöglichen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten dies in zwei Schritten: Zunächst betrachteten sie die theoretische Eignung prototypischer Politikinstrumente und bewerteten diese. Hier zeigte sich deutlich, dass erhebliche Unterschiede darin bestehen, wie andere Politikinstrumente zum ETS-Aufbauprozess beitragen können. "Instrumente, die verbindliche Verpflichtungen mit einer Handelskomponente verknüpfen, wie etwa der Handel mit grünen oder weißen Zertifikaten, weisen das größte Gesamtpotenzial auf um als Ausgangspunkt für ein Emissionshandelssystem genutzt zu werden", erläutert Nicolas Kreibich, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Internationale Klimapolitik in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut.

Anschließend führten die Forschenden Fallstudien zur Anwendungspraxis in Indien und Mexiko durch. Die Fallstudien spiegeln die Ergebnisse der allgemeinen Analyse wider und zeigen, dass abhängig vom Design des angestrebten Emissionshandelssystems zahlreiche der untersuchten Politikinstrumente bedeutende Beiträge zum ETS-Aufbau liefern könnten. Die Untersuchung mache außerdem deutlich, dass die Einführung eines ETS nicht automatisch mit der Abschaffung bereits bestehender Politikinstrumente einhergehen sollte. Ein Emissionshandelssystem kann nicht alle Ursachen beseitigen, die zu einer treibhausgasintensiven Wirtschaftsform führen. Um alle Ursachen in Angriff zu nehmen, ist mehr als ein Instrument erforderlich. Die bestehenden Instrumente mit einem ETS zu kombinieren scheint daher der weitaus vielversprechendere Ansatz, um die zahlreichen Hürden zu überwinden, die einer kohlenstoffarmen Entwicklung im Weg stehen.