BMBF-Nachwuchsgruppe erforscht Energiesuffizienz

Forschende nehmen Projektarbeit auf und untersuchen die Potenziale von Energiesuffizienz

Heizung
  • News 04.05.2020

Energiesysteme und deren Modellierung beziehen bislang Veränderungen des gesellschaftlichen Wandels nicht mit ein. Kosten, Marktpotenziale und technische Machbarkeit stehen im Zentrum von Energiezukünften. Dabei sind bisher zwei Strategien essentiell: die Konsistenz – also, wenn erneuerbare Energien fossile Energieträger ersetzen – sowie die Effizienz – etwa, wenn Geräte oder andere Anwendungen sparsamer werden. Jedoch gehen technische Innovationen meist mit günstigeren Preisen einher und wirken sich auf das Einkommen aus. Das sorgt für eine vermehrte Nachfrage und steigenden Konsum desselben Produkts oder anderer Güter und Dienstleistungen – dann kommt es zum sogenannten Reboundeffekt.

Die Nachwuchsgruppe der "Sozial-ökologischen Forschung" (SÖF) im Projekt "EnSu – Die Rolle von Energie-Suffizienz in Energiewende und Gesellschaft" widmet sich daher nun dem gesellschaftlichen Wandel und den Suffizienz-Strategien in Energiesystem-Modellierungen. Die Nachwuchsforschenden analysieren, wie der Energieverbrauch durch soziale Innovationen, den Ausstieg aus nicht-nachhaltigen Strukturen – sogenannter Exnovation – und verändertem Verhalten von Menschen absolut sinken kann.

Energiemodellierung und Suffizienzpolitik kombinieren

Dr. Benjamin Best, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Strukturwandel und Innovationen in der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut, leitet die Nachwuchsgruppe gemeinsam mit der neu berufenen Juniorprofessorin Dr. Frauke Wiese für "Transformation der Energiesysteme" an der Universität Flensburg. "Im politischen Raum kennen wir Suffizienz fast nur in Form von Verzichtsappellen und Aufrufen zur Mäßigung oder zur individuellen Vorsorge", erklärt Benjamin Best. "In dieser Nachwuchsgruppe möchten wir dagegen erforschen, welche Suffizienzpolitik wir brauchen, um Menschen in die Lage zu versetzen, weniger Energie und Ressourcen zu verbrauchen."

Die Nachwuchsforschenden des Wuppertal Instituts, des Öko-Instituts sowie von der Europa-Universität Flensburg arbeiten bis April 2025 zu folgenden Herausforderungen:

  • Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend für Energiesuffizienz und Suffizienzpolitik und welche Wechselwirkungen führen zu Reboundeffekten?
  • Welche Co-Benefits entstehen durch suffizienzpolitische Maßnahmen und welche gesellschaftlichen Gruppen werden begünstigt oder benachteiligt?
  • Wie kann die Wirkung von Suffizienzpolitik in einem Energiesystem-Modell umgesetzt und quantifiziert werden?

Schnittstellen in die Energiemodellierung

Die Nachwuchsgruppe forscht in interdisziplinärer Kooperation zwischen ingenieurwissenschaftlicher Energiemodellierung, Politikwissenschaften und sozial-ökologischer Transformationsforschung. Am Wuppertal Institut entwickelt Johannes Thema, Projektleiter im Forschungsbereich Energiepolitik in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik, ein sogenanntes Suffizienz-Modul. Dieses wird quelloffen, also Open Source, programmiert und lässt sich in verschiedenen Energiemodellen einsetzen. Darin werden Suffizienz-Maßnahmen für Klima- und Energiezukünftige empirisch hinterlegt und ihre Auswirkungen auf die Nachfrage nach Strom, Wärme und Transport mit Daten abgebildet.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb des Rahmenprogramms "Forschung für Nachhaltige Entwicklung" (FONA) gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt "EnSu – Die Rolle von Energie-Suffizienz in Energiewende und Gesellschaft" sind auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie in der Projektbeschreibung in den nachfolgenden Links zu finden.


BMBF
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