Australiens Zukunft als "Energie-Supermacht"

Weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz

Skyline Sydney
  • News 03.01.2019

In der Vergangenheit konnte Australien seine erfolgreiche Entwicklung, sein Energiesystem und einen großen Teil seiner Exporterlöse aus eigenen enormen fossilen Energieressourcen wie Kohle und Gas aufbauen. Dieser Ressourcensegen kann zum Fluch werden, wenn weltweite Strategien in Richtung Dekarbonisierung umgesetzt werden und der Wechsel vom fossilen zum erneuerbaren Energiezeitalter nicht rechtzeitig geplant ist.
Australien gilt als sogenannte "Energie-Supermacht". In Zukunft soll diese historisch aufgebaute Stärke nicht mehr wie bisher auf fossilen Brennstoffen basieren, sondern muss auf die vielfältigen Potenziale erneuerbarer Energien und der Effizienz umschwenken. Ein schneller Einsatz erneuerbarer Energien, kombiniert mit einer massiven Steigerung der Energieeffizienz kann den notwendigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz und zu andauernder Prosperität leisten. Wenige Länder haben hierfür so günstige natürliche Voraussetzungen wie Australien.

Im Rahmen einer Einladung des australischen "Energy Efficiency Council (EEC)" hat Prof. Dr. Peter Hennicke, Senior Advisor am Wuppertal Institut, vom 19. bis 23. November 2018 in Sydney und in Melbourne eine Vielzahl von Gesprächen mit hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der australischen Energiepolitik geführt.
Die deutsche Energiewende wird in Australien – trotz wachsender Skepsis – noch immer als ein Vorbild wahrgenommen. Deutschland plante zu Beginn die Umsetzung der Energiewende als ein "Gemeinschaftswerk" (Ethikkommission), das als ein Vertrag zwischen den Generationen verstanden werden kann. Inzwischen bremsten vielfältige Widerstände und die Berliner Energiepolitik die Umsetzung. Dennoch gibt es in Deutschland viele gute Beispiele, die zeigen, dass der Energiewendeprozess prinzipiell erfolgreich sein kann. Dazu gehören etwa: langfristig sehr ehrgeizige energie- und klimapolitische Ziele, die Anerkennung des Grundsatzes "Energy Efficiency First", der Atomausstieg bis 2022, die technologische Dezentralisierung und Kostenreduktion für Strom aus Wind und Sonne, Ansätze zur Bürgerbeteiligung sowie der makroökonomische Nutzen und die regionale Resilienz. Dies sind wirksame Triebkräfte der Energiewende. Laut Hennicke ließen sich am Beispiel der deutschen Energiewende die gesamtwirtschaftlichen Chancen und die mehrheitliche soziale Akzeptanz für einen historisch einmaligen Transformationsprozess des Energiesystems demonstrieren. Ist die deutsche Energiewende erfolgreich, könne sie zum Ausgangspunkt für ein globales Streben nach nachhaltiger Energie und ehrgeizigerem Klima- und Ressourcenschutz werden.

Die notwendigen Technologien erneuerbarer Energien und der Effizienzsteigerung sind in Australien bereits weitgehend verfügbar, aber sie müssen durch ein gesamtgesellschaftliches Zielsystem und eine Langfriststrategie unterstützt werden. Wie auch in anderen Ländern muss auch in Australien die technologische Transformation zur Dekarbonisierung in nachhaltigere Konsum- und Produktionsmuster eingebettet werden. Andernfalls werden viele Transformationsgewinne durch Reboundeffekte, Überkonsum und verschwenderischen Lebensstil wieder zunichte gemacht. Peter Hennicke plädiert für eine neue Effizienz- und Erneuerbare-Energien-Politik, um unerwünschte Reboundeffekte so weit wie möglich zu reduzieren. Individuelle Verhaltensänderungen, um nicht auf Kosten von Um-, Mit- und Nachwelt zu leben, dienten als wichtiges Vorbild- und Signalwirkung, müssten aber durch förderliche politische Rahmenbedingungen unterstützt werden, wenn sie verallgemeinert und flächendeckend wirksam werden sollen. Ein neues Gleichgewicht von nachhaltigeren Konsum- und Produktionsweisen und deren Förderung durch eine integrierte Effizienz- und Suffizienzpolitik sei demnach eine unabdingbare längerfristige gesellschaftspolitische Kernaufgabe für eine erfolgreiche Energiewende-Politik.

Weiterführende Informationen sind den Gastbeiträgen von Peter Hennicke in den nachfolgenden Links zu entnehmen.