Nach Kohleausstieg Tagebau als Pumpspeicherkraftwerk nutzen

Neues Wuppertal Paper von Johannes und Martin Thema

Kohlekraftwerk
  • News 24.01.2019

Mit fortschreitender Energiewende steigt der Anteil erneuerbarer Energien im Strommix. Deren Angebot variiert im Tagesverlauf – je nach Wetterlage und Saison. Um Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen, sind Energiespeicher notwendig, die große Kapazitäten aufnehmen können. Pumpspeicherkraftwerke sind eine Möglichkeit dafür. Pumpspeicher sind im Vergleich zu anderen bestehenden technologischen Optionen mit großer Speicherkapazität langjährig erprobt und ggf. auch wirtschaftlich. Sie speichern elektrische Energie, indem sie Wasser auf ein höher gelegenes Niveau pumpen. Dieses Wasser fließt später wieder bergab und erzeugt mithilfe von Turbinen und Generatoren elektrischen Strom. Durch die Umwandlung in potenzielle Energie von Wasser wird der Strom gespeichert und zeitversetzt bei Bedarf wieder ins Netz zurückgespeist.

Pumpspeicher ließen sich auch in Braunkohletagebauen errichten, die im Zuge der Energiewende aufgegeben werden, und im Idealfall mit nahe gelegen Erneuerbaren Energien-Anlagen speisen, wenn deren Angebot über der Nachfrage liegt. Johannes Thema, Projektleiter in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut, und Martin Thema von der Ostbayerischen Technische Hochschule Regensburg (Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher, FENES) stellten dazu eine Überschlagsrechnung auf. Im Wuppertal Paper "Pumpspeicherkraftwerke in stillgelegten Tagebauen" zeigen die beiden Autoren am Beispiel eines Pumpspeicherwerks in den heutigen Tagebauen Hambach, Garzweiler und Inden, dass diese mit bis zu 400 Gigawattstunden ein signifikantes technisches Speicherpotenzial haben. Das entspricht etwa der kontinuierlichen Maximalleistung eines Kernkraftwerks über zwei Wochen. Das Paper betrachtet auch die technische Machbarkeit und skizziert wirtschaftliche und rechtliche Aspekte. Im Kontext der Diskussion um den Braunkohleausstieg skizzieren die Autoren im Paper ein netzdienliches Nachnutzungskonzept für Braunkohletagebaue, das zumindest für einen Teil der heute in der Kohleförderung und -Verstromung Beschäftigten mögliche Zukunftsperspektiven bietet.

"Wuppertal Papers" sind Diskussionspapiere. Sie sollen frühzeitig mit bestimmten Aspekten der Arbeit des Instituts vertraut machen und zu kritischer Diskussion einladen. Das Wuppertal Institut achtet auf ihre wissenschaftliche Qualität, identifiziert sich aber nicht notwendigerweise mit ihrem Inhalt.

Das Wuppertal Paper Nr. 194 (01/2019) ist auf dem Publikationsserver im nachfolgenden Link kostenfrei abrufbar.