Wenn Klima auf Wirtschaft trifft

Artikel geht darauf ein, was das für die Legitimität internationaler Institutionen bedeutet

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  • News 06.07.2020

Die internationale Ordnung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend gewandelt. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die zwischenstaatliche Kooperation innerhalb weniger internationaler Institutionen mit klar definierten Regelungsbereichen organisiert. Heute dagegen bilden sektorenübergreifende Institutionenkomplexe das Fundament internationaler Ordnung.
Im Klima-Bereich wird internationale Kooperation beispielsweise nicht nur im Rahmen des UN-Klimaregimes organisiert. Auch internationale Handelsabkommen mit Umweltklauseln, die G20, Finanzmarktregulierungen oder Regulierungen des internationalen Flugverkehrs prägen mitunter die internationale Klimapolitik.

Die unterschiedlichen Institutionen werden dabei nicht durch eine übergeordnete Instanz koordiniert. Vielmehr überschneiden sie sich zunehmend in ihren Regelungsansprüchen und offenbaren grundlegende Zielkonflikte zwischen den Institutionen. Aber was bedeutet diese veränderte Situation für die Legitimität internationaler Institutionen und für die internationale Ordnung? Der aktuelle Artikel "Let's Justify! How Regime Complexes Enhance the Normative Legitimacy of Global Governance" von Dr. Benjamin Faude von der London School of Economics and Political Science und Felix Große-Kreul, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Strukturwandel und Innovation in der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut, schlägt eine neue Analyseperspektive auf die Legitimität internationaler Institutionen vor, die dieser veränderten Situation Rechnung trägt. Der im Journal International Studies Quarterly erschienene Artikel geht darauf ein, wie separate internationale Institutionen immer nur partielle Rechtfertigungsordnungen schaffen, die sich auf die jeweiligen sektoralen (und damit partiellen) Regelungsziele beziehen. Ihre Legitimität bezieht sich dann alleine darauf, dass sie beispielsweise zum Wachstum internationalen Handels beitragen oder dass sie die internationale Flugsicherheit erhöhen. Die Autoren betrachten die normative Legitimität internationaler Institutionen neu und zeigen auf, dass aufgrund überschneidender Regelungsansprüche von internationalen Institutionen umfassendere Rechtfertigungskontexte geschaffen werden. So ist es beispielsweise notwendig, Handelspolitik vor dem Hintergrund von Klimapolitik zu rechtfertigen. Die Autoren begreifen diesen Wandel internationaler Ordnung als Fortschritt, der die normative Legitimität des "Regierens jenseits des Nationalstaats" erhöht.

Der vollständige Artikel ist im nachfolgenden Link abrufbar.