Unvermeidbare CO2-Entstehung in Nordrhein-Westfalens Grundstoffindustrie

NRW-Landesinitiative IN4climate.NRW nennt Kriterien für die nicht abwendbare industrielle CO2-Entstehung

Stahlindustrie
  • News 05.10.2020

Auch in einem klimaneutralen Nordrhein-Westfalen in 2050 werden aufgrund fehlender Alternativen voraussichtlich Produkte in industriellen Prozessen erzeugt, in denen Kohlendioxid entsteht. Dies gilt zum Beispiel für die Zementindustrie. Bislang wurde aber noch nicht eindeutig bestimmt, wie hoch diese "unvermeidbaren" CO2-Mengen sind und was sie auszeichnet. Die IN4climate.NRW-Arbeitsgruppe Kohlendioxidwirtschaft versucht vor diesem Hintergrund in dem Diskussionspapier "Unvermeidbare CO2-Entstehung in einer klimaneutralen Grundstoffindustrie NRW" eine Definition für prozessbedingt unvermeidbare CO2-Entstehung zu geben. Sie liefern damit einen Beitrag für den Dialog zur zukünftigen Rolle der Kohlendioxidwirtschaft in Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer angestrebten klimaneutralen Grundstoffindustrie.

"Die Transformation zu einer klimaneutralen Grundstoffindustrie ist eine umfassende Aufgabe und ohne Zweifel eine große Herausforderung. Aus heutiger Sicht stehen dafür viele technologische Optionen zur Verfügung", sagt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher geschäftsführer des Wuppertal Instituts und ergänzt: "Dies gilt aber nicht uneingeschränkt für alle Prozesse und Produkte. Wo die Entstehung von CO2 prozessbedingt nicht vermeidbar ist und auch keine Substitute für die Produkte zur Verfügung stehen, müssen Lösungen für den Umgang mit dem entstehenden CO2 gefunden werden. Hierfür braucht es eine transparente Erfassung, um welche Mengen es sich handelt."

Hinter der Veröffentlichung des Papieres stehen die Unternehmen Air Liquide Deutschland GmbH, Covestro AG, HeidelbergCement AG, RHM Rohstoff-Handelsgesellschaft mbH, thyssenkrupp Industrial Solutions AG, Spenner GmbH & Co. KG, der Verein Deutscher Zementwerke e. V., die Forschungsgemeinschaft Kalk und Mörtel e. V., sowie die Forschungseinrichtungen Fraunhofer UMSICHT, IW Köln, RWTH Aachen und das Wuppertal Institut.
Die Arbeitsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, die grundlegenden Schritte für die Umsetzung einer Kohlendioxidwirtschaft in Nordrhein-Westfalen wissenschaftlich unterstützt zu diskutieren und die Ergebnisse dieser Diskussion zu dokumentieren und in die politische und gesellschaftliche Diskussion einzuspeisen. Die Ergebnisse des Diskussionspapiers dienen als Grundlage, um abschätzen zu können, welche Mengen CO2 an welchen Standorten in Nordrhein-Westfalen auch künftig unvermeidbar erscheinen, welche Methoden zum Umgang mit dem CO2 vorstellbar sind – wie insbesondere die Nutzung von CO2 als Rohstoff für chemische Prozesse – und welche Maßnahmen dafür ergriffen werden beziehungsweise zumindest vorbereitet werden müssen.

IN4climate wird durch das vom Land geförderte wissenschaftliche Kompetenzzentrum SCI4climate.NRW begleitet. Die Forschenden untersuchen hier die Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten einer klimaneutralen und zukunftsfähigen Aufstellung der energieintensiven Industrie in Nordrhein-Westfalen. SCI4climate.NRW ist ein Forschungsprojekt von sechs Instituten und wird vom Wuppertal Institut koordiniert.