Sportliche Großereignisse und Nachhaltigkeit – das geht per se erst einmal nicht Hand in Hand. Ob und wie es gelingen kann, den Profifußball klimaschonender zu organisieren: Darüber diskutierten Carsten Cramer, Sprecher der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, der RWE-Vorstandsvorsitzende Dr. Markus Krebber und Dr. Imke Schmidt, Co-Leiterin des Forschungsbereichs Zirkuläre Gesellschaft am Wuppertal Institut, am 3. März 2026 beim 21-Talk "Die 4. Halbzeit" im Deutschen Fußballmuseum. Es wurde ein Abend, der neben ambitionierten und kontroversen auch unterhaltsame und sogar launige Momente hatte. Moderator Gregor Schnittker leitete mit einer aus BVB-Sicht durchaus provokanten Feststellung ein: "Dem Klima ist es egal, wer Deutscher Meister wird!"
Dass der BVB es 2026 nicht sein wird, musste Carsten Cramer nach dem jüngsten 2:3 gegen den FC Bayern München wohl akzeptieren. Gäbe es eine Meisterschale für die Bemühungen um Nachhaltigkeit, hatten die Schwarzgelben wahrscheinlich bessere Chancen. Auch wenn der ver.di-Streik im ÖPNV am vergangenen Samstag "natürlich alles konterkariert hat, was wir an Spieltagen gemeinsam mit unserem Nachhaltigkeitspartner DSW21 eigentlich anstreben" – nämlich möglichst viele Fans mit öffentlichen Verkehrsmitteln klimaschonend zum Stadion hin- und zurückzubringen.
Mobilität ist der Hebel schlechthin bei Sport-Events wie Bundesligaspielen, Welt- und Europameisterschaften, Olympischen Spielen, aber auch anderen Großveranstaltungen außerhalb des Sports. Sie lösen Massenbewegungen überhaupt erst aus, die es sonst gar nicht gäbe. Auch Lieferketten, etwa für Merchandise-Artikel, verursachten erhebliche Emissionen. Dazu die Reiseaktivitäten der Mannschaften selbst, zumeist per Flugzeug. Kritikpunkte, die Imke Schmidt in die Diskussion einspeiste – und Carsten Cramers Widerspruch provozierte: "Wenn man das konsequent zu Ende denkt, stellt es unser Geschäftsmodell an sich in Frage." Der klimaneutrale Heimspieltag, bezogen auf die Emissionen vor Ort, sei ein Ziel und konterte: "Auf die Frage, wie wir professionellen Fußball spielen und alle Emissionen auf null fahren sollen, habe ich aber keine Antwort."
"Niemand will den Fans ihren Fußball wegnehmen", beruhigte die Wissenschaftlerin und ergänzte, dass es in der Tat bemerkenswert sei, was der BVB alles unternimmt. Dennoch stelle sich die Frage, wie sich erreichen lässt, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder in den Genuss emotionaler Fußballerlebnisse kommen.
Dr. Markus Krebber warb dafür, in der Diskussion über Klimaschutz und Nachhaltigkeit "nicht immer über den Verzicht" zu kommen, sondern "die vielen positiven Beispiele und Geschichten" zu erzählen, um Lust auf weitere Innovationen zu machen. Als Beispiel nannte er etwa, dass RWE 2025 die größte Photovoltaikanlage auf einem Stadiondach im Signal Iduna Park des BVB installierte. DSW21 und der BVB sehen die Energiewende als langfristigen Prozess und planen weitere Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie mehr Fahrradstellplätze am Stadion.
Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann die aufgezeichnete Veranstaltung auf Youtube im nachfolgenden Link anschauen.
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