Nachfrage schafft Wandel

Wie die Automobilindustrie klimafreundlichem Stahl zum Durchbruch verhelfen kann

  • News 14.04.2026

Die Industrie in Deutschland und Europa steht unter hohem Druck und vor großen Herausforderungen – und damit auch die politischen Entscheidungsträger*innen, von denen zunehmend rasche und tragfähige Lösungen erwartet werden. Geprägt von hohem ökonomischem Druck, intensivem und teilweise verzerrtem internationalem Wettbewerb sowie geoökonomischen Unsicherheiten muss die Industrie zugleich die Umstellung auf klimafreundliche Technologien und Produktionsverfahren bewältigen. In vielen Fällen, etwa bei der Umstellung der besonders energie- und emissionsintensiven Stahlindustrie, ist diese Umstellung mit hohen Investitions- und langfristig unsicheren Betriebskosten verbunden.

Vor diesem Hintergrund sind politische Maßnahmen zur Stützung der Nachfrage ins Zentrum der politischen Debatte auf nationaler und Europäischer Ebene gerückt. Dabei standen zunächst unter dem Stichwort "grüne Leitmärkte" vor allem Kriterien für die klimafreundliche Produktion im Vordergrund. Hinzu kommt nun die Diskussion um "Local Content"- oder "Made in Europe"-Kriterien, also eine Stärkung der Nachfrage gezielt nach heimischen Produkten. Der Industrial Accelerator Act (IAA), der am 4. März von der Europäischen Kommission vorgelegt wurde (European Commission 2026), setzt eine Kombination dieser Kriterien um und gibt Impulse für die EU-Mitgliedstaaten, öffentliche Vergaben und Förderprogramme zur Schaffung von grünen Leitmärkten einzusetzen. Dies ist ein wichtiger erster Schritt. Für die Stahlindustrie und für viele andere Produkte ist jedoch der private Markt der viel größere Hebel. Diesen Aspekt adressieren sowohl der IAA als auch die aktuelle Debatte in Deutschland bisher nur unzureichend.

Das Policy Paper "Nachfrage schafft Wandel" zeigt am Beispiel der Stahl- und der Automobilindustrie, wie zwei Industriebranchen mit hoher Bedeutung für die deutsche Wirtschaft sich gegenseitig bei Modernisierung und Dekarbonisierung unterstützen können. In der Studie quantifizieren die Forschenden hierfür das Nachfragepotenzial nach klimafreundlichem Stahl aus der Automobilindustrie und diskutieren Möglichkeiten, dieses Potenzial zu heben. Sie argumentieren, dass nachfrageseitige Maßnahmen ergänzend zum CO2-Preis wichtig seien, um die Transformation in der energieintensiven Industrie zu unterstützen. Darüber hinaus spiele für die Umstellung der Stahlproduktion auf wasserstoffbasierte Direktreduktion die Nachfrage aus der Automobilindustrie eine entscheidende Rolle – ein Fokus auf die öffentliche Beschaffung reiche hier nicht aus. Sofern die im “Automotive Package” vorgeschlagenen Regelungen (Kompensation der verbleibenden Emissionen aus dem Betrieb der Fahrzeuge ab 2035 durch Nutzung von grünem Stahl) umgesetzt und von der Automobilindustrie genutzt werden, könnte ein erheblicher Teil der erwarteten klimafreundlichen Stahlproduktionskapazität in Europa einen Absatzmarkt finden. "Besser wäre allerdings ein Instrument, das ohne die Kopplung an abgeschwächte Flottengrenzwerte auskommt, da diese die Umstellung der Automobilindustrie auf Elektromobilität verzögern und den Klimaschutz im Verkehr schwächen", betont Dr. Anna Leipprand, Co-Leiterin des Forschungsbereichs Transformative Industriepolitik am Wuppertal Institut und Mitautorin des Policy Papers.

Um die Dekarbonisierung voranzutreiben, sollten nach ihrer Ansicht verlässliche Nachfragesignale und zusätzliche politische Instrumente geschaffen werden, damit klimafreundlicher Stahl verstärkt eingesetzt wird.


Cookie-Einstellungen

Cookies helfen uns, die Website für Sie ständig zu verbessern. Mit dem Klick auf den Button "Zustimmen" erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Für weitere Informationen über die Nutzung von Cookies oder für die Änderung Ihrer Einstellungen klicken Sie bitte auf Mehr über die Verwendung und Ablehnung von Cookies.