Was Debatten in sozialen Medien über die Energiewende verraten

Podcast Zukunftswissen: Episode mit Louisa Pröschel und Annika Shiri

  • News 06.05.2026

Ob Wärmepumpen, Fernwärme oder Gasheizungen – wenn über die Energiewende debattiert wird, geschieht das längst nicht mehr nur in Parlamenten oder in journalistischen Meinungsbeiträgen, sondern auch in den sozialen Medien. Dort treffen sachliche Argumente auf emotionale Reaktionen, Informationsbeiträge auf Polemik. In der aktuellen Episode des Podcasts Zukunftswissen diskutieren darüber Louisa Pröschel, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Hamburg, und Annika Shiri, Researcherin im Forschungsbereich Strukturwandel und Innovation am Wuppertal Institut, wie diese Debatten ablaufen, welche Konflikte sich zeigen und was sich daraus für den gesellschaftlichen Diskurs rund um die Energiewende lernen lässt.

Pröschel untersucht, wie in den sozialen Medien über Klimaproteste und -politik diskutiert wird. Ihre Forschung zeigt, dass der Diskurs über Klimathemen eine Kulturkampfdynamik besitzt: Politische Positionen würden bestimmten Lagern zugeschrieben, unabhängig von ihrem sachlichen Gehalt. Am Beispiel des Gebäudeenergiegesetzes ließ sich beobachten, wie ein sachpolitisches Vorhaben medial zum Symbol einer Verbotskultur umgedeutet wurde. Gleichzeitig betont sie, dass klassische Medien ihre Rolle als Impulsgeber und Gatekeeper nicht vollständig verloren hätten. Aufmacher in Tageszeitungen seien häufig Auslöser dafür, dass Themen in den sozialen Medien aufgegriffen werden. Problematisch sei andersherum, dass polarisierende Deutungen aus den sozialen Medien allein durch ihre Aufnahme in die Berichterstattung verstärkt würden, selbst wenn sie dort kritisch eingeordnet werden. Shiri nähert sich dem Thema aus der Perspektive der Energiesystemforschung. Gemeinsam mit Kolleg*innen untersucht sie etwa, wie in den sozialen Medien über die Wärmewende diskutiert wird. Dabei zeige sich, dass neben Kostenfragen auch gefühlte Gerechtigkeit und Machtfragen eine zentrale Rolle spielen – etwa beim Verhältnis zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen oder bei der als intransparent wahrgenommenen Preisgestaltung von Fernwärmeangeboten.

Es wäre jedoch ein Trugschluss, differenzierte Kommunikation in den sozialen Medien von vornherein aufzugeben – hier sind sich die beiden Forscherinnen einig. Vielmehr komme es darauf an, neue Formate zu finden, die Emotionalität nicht scheuen und den Themen dennoch gerecht werden. Mut mache beiden, dass trotz aller Polarisierung auch auf Plattformen wie X viele Menschen einen ehrlichen Austausch suchten und dass in Europa zunehmend über Plattformregulierung und digitale Souveränität diskutiert werde.

Diese Folge und alle vergangenen sind kostenfrei auf Spotify, Apple Podcasts und Podcast.de sowie über die Website des Wuppertal Instituts zu hören.


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