Die Kunststoff-Recyclingbranche in Deutschland steckt in einer schweren Krise. Weltweit werden jährlich rund 431 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Bundesweit liegt der Anteil recycelter Materialien unter 20 Prozent, obwohl technisch mit in Deutschland entwickelten innovativen Recyclingtechnologien ein deutlich höherer Anteil möglich wäre.
Für zusätzlichen Druck sorgt die neue Verordnung der Europäischen Union (EU) für Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR), die ab August 2026 greift. Sie schreibt steigende Mindestquoten für recycelte Kunststoffe vor – etwa 30 Prozent für bestimmte Verpackungen ab 2030. Da aktuell aber eher Recyclingkapazitäten wegfallen, drohe ohne rasche Gegenmaßnahmen eine Versorgungslücke bei Rezyklaten, was auch zu steigenden Importen führen würde. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Wuppertal Instituts, die im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) erstellt wurde.
Es brauche daher geeignete Rahmenbedingungen für einen funktionsfähigen Markt für Kunststoffrezyklate, wie Prof. Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, erläutert. Ziel müsse sein, den Einsatz fossiler Rohstoffe zu senken und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.
In seinem Positionspapier "Optionen für einen funktionsfähigen Markt für Kunststoffrezyklate", das er im Rahmen der diesjährigen Umwelttechnologie-Messe IFAT vorstellte, betont er den dringenden Handlungsbedarf, damit die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und der drohende Verlust von Know-how verhindert werde. Abgesehen von den nach seiner Ansicht "zu spät" geltenden EU-Regelungen weist Wilts auf eine akute Bredouille der Branche hin: Grund dafür ist insbesondere die schwache Nachfrage nach Rezyklaten. Die Folge: Wegen fehlender Investitionssicherheit geben immer mehr Kunststoffrecycling-Betriebe auf. Dadurch drohe eine Rezyklatlücke, ergänzt der Forscher. Das führe dazu, dass wegen der PPWR-Vorgaben auf Rezyklat-Importe aus dem Ausland zurückgegriffen werden müsse. Wilts schlägt im Positionspapier daher sechs Maßnahmen vor – darunter eine globale Plastikabgabe, eine stärkere Nachfrage durch öffentliche Beschaffung sowie die Förderung zirkulärer Geschäftsmodelle. Auch die Reduzierung der Materialvielfalt gilt als entscheidend, um Recycling effizienter zu machen.
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