In Hülle und Fülle

Precycling schont die Ressourcen: Nachwuchsgruppe PuR entwickelt Strategien zur Verpackungsvermeidung

Plastikabfall
  • Pressemitteilungen 12.09.2019
Nirgendwo in Europa fällt so viel Verpackungsmüll an wie in Deutschland. Quelle: Sarah Otto/PuR-Projekt

Kein Land in Europa verursacht mehr Verpackungsabfall als Deutschland. Im Jahr 2016 wurde ein Spitzenwert von 18,2 Millionen Tonnen erreicht. Allein bei Kunststoffverpackungen hat sich die Menge gegenüber 1995 nahezu verdoppelt. Das Kooperationsprojekt der TU Berlin und des Wuppertal Instituts will das nun ändern: Die Nachwuchsgruppe PuR will ergründen, warum so viel Verpackungsabfall entsteht und entwirft geeignete Strategien, um ihn zu vermeiden. "PuR" steht für "Mit Precycling zu mehr Ressourceneffizienz: Systemische Lösungen der Verpackungsvermeidung".

Der enorme Anstieg von Verpackungen hängt in erster Linie damit zusammen, dass sie mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen und Anforderungen an sie weiter steigen. So dienen Verpackungen nicht mehr nur dem Schutz der Ware, sondern auch der besseren Dosierung, Aufbewahrung oder Handhabung. Dies erfordert, Verpackungen als komplexe Systeme zu betrachten, in denen die Interessen von Herstellern, Logistikern, Händlern, Verbrauchenden, Entsorgern "verpackt" sind und die zu den jetzigen verpackungsintensiven Produktions- und Konsummustern führen.

Die Nachwuchsgruppe PuR nimmt daher die gesamte Wertschöpfungskette – von der Produktidee, über die Herstellung bis zur Entsorgung – unter die Lupe, um Ansatzpunkte der Verpackungsvermeidung (Precycling) zu identifizieren. Im Gegensatz zum Recycling entsteht beim Precycling erst gar kein Verpackungsmüll. Dadurch sollen Ressourcen geschont und die Umwelt entlastet werden. Das interdisziplinäre Team unter Leitung von Dr. Elisabeth Süßbauer von der TU Berlin und Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, entwickelt Ansätze für ganzheitliche Precycling-Innovationen im Lebensmittel- und Drogeriesektor.

Dazu analysieren die jungen Forschenden das Wechselspiel zwischen individuellen Faktoren, technischen Voraussetzungen, regulativen Rahmenbedingungen und Alltagspraktiken und verknüpfen diese systematisch miteinander. Forschungsschwerpunkte sind ökonomische Anreizstrukturen, Konsummuster des Außer-Haus-Verzehrs, Nachhaltigkeitsbewertung, politische Instrumente der Vermeidung, häusliches Verpackungsverhalten sowie Stoffstrom- und Abfallmanagement. Ihre entwickelten Strategien testet die Gruppe praktisch im Lebensmitteleinzelhandel, mit einem Lieferdienst, in der Gastronomie sowie anhand eines Logistikunternehmens.

Von den Ergebnissen sollen Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft profitieren. Dafür will das PuR-Team beispielsweise ein Beratungsangebot für Start-ups im Bereich der Abfallvermeidung einrichten, Handlungsempfehlungen für den Lebensmittelhandel sowie ein Bildungskonzept zu verpackungsarmer Ernährung entwickeln.

An der TU Berlin sind an dem Projekt das Zentrum Technik und Gesellschaft sowie die Fachgebiete Sustainable Engineering und Kreislaufwirtschaft und Recyclingtechnologie beteiligt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert PuR innerhalb des Rahmenprogramms "Forschung für Nachhaltige Entwicklungen" mit einer Summe von 2,5 Millionen Euro über fünf Jahre.

 

Gemeinsame Pressemitteilung

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH
VisdP: Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident
Kontakt: Christin Hasken, Leitung Kommunikation
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