Die weltweit fortschreitende Dekarbonisierung der Energiesysteme hat eine kontroverse Debatte über die Notwendigkeit von Grundlastkraftwerken ausgelöst: Vor allem hinsichtlich Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit von Energie- und vor allem Stromsystemen, die zukünftig hauptsächlich auf kostengünstigen erneuerbaren Energien basieren, herrscht weiterhin Skepsis in Teilen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund hat die Initiative "Energiesysteme der Zukunft" (ESYS) die Rolle von Grundlastkraftwerken in einem dekarbonisierten, europaweiten Energiesystem analysiert. Die Ergebnisse zeigen: Wenn erneuerbare Energien mit Flexibilitätsoptionen und Speichertechnologien kombiniert werden und die grenzüberschreitende Verknüpfung der Stromnetze gewährleistet wird, lässt sich das europäische Stromsystem nicht nur versorgungssicher und klimaneutral gestalten, sondern auch technisch robust und wirtschaftlich tragfähig – und zwar ohne den Zubau neuer Grundlast-Kapazitäten.
Um die Wirtschaftlichkeit zusätzlicher Grundlastkraftwerke zu ermitteln, haben die Forschenden den Ausbau des europäischen Energiesystems bis 2045 modelliert, mit verschiedenen Annahmen für die Kosten klassischer Grundlasttechnologien. Das Ergebnis: Ein wesentlicher Ausbau traditioneller Grundlast-Kapazitäten, der Investitionen in erneuerbare Energien verdrängen könnte, ist nur bei sehr niedrigen Grundlast-Kosten wirtschaftlich – die nach heutigem Stand unrealistisch erscheinen. In allen anderen Szenarien sind erneuerbare Energien die sinnvollere und volkswirtschaftlich bessere Option.
"Die Ergebnisse der Systemmodellierungen sind zwar kein generelles K.O.-Kriterium für neue Grundlastkraftwerke und -technologien. Sie zeigen aber, dass neue Grundlastkraftwerke für ein sicheres und klimaneutrales Stromnetz in Europa nicht notwendig sind," sagt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, einer der Autor*innen des Artikels, und ergänzt: "Sollten sich die Kosten von Grundlastkraftwerken durch technologische Entwicklungen zukünftig signifikant verringern lassen und der Strombedarf weiter deutlich ansteigen, könnten Grundlastkraftwerke – wenn sie nicht aus Risikoerwägungen heraus grundsätzlich ausgeschlossen werden – eine die erneuerbaren Energien ergänzende Option werden. Aus heutiger Sicht dürfte das aber, wenn überhaupt, nicht vor der Mitte des Jahrhunderts realistisch sein. Bis dahin sind und bleiben zusätzliche Grundlastkraftwerke ein teurer und unsicherer Umweg zur Energiewende."
Der englischsprachige Artikel "Baseload power plants are not essential for future power systems" steht über den folgenden Link kostenfrei zum Download bereit.
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