Die Gas- und Spritpreise steigen immer weiter - was lernen wir daraus?

Ein Statement von Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer

  • Statements 05.03.2026

Die Preiskurven von Sprit an Tankstellen und Gas auf dem Großmarkt haben in den vergangenen Tagen einen kräftigen Sprung nach oben gemacht. Allein am letzten Dienstag stieg der Erdgaspreis um mehr als die Hälfte. Menschen mit Verbrennern spüren die energiewirtschaftlichen Folgen des Krieges im Iran, die Industrie erlebt die Folgen beim Einkauf von Gas. Wieder einmal führt uns ein Konflikt deutlich vor Augen, wie verletzlich eine auf fossilen Energieträgern basierende Energieversorgung ist. Bereits 2022 mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine mussten wir diese Lektion lernen, der aktuelle Konflikt bestätigt sie.

Während wir 2022 durch die starke Abhängigkeit von Importen aus Russland direkt betroffen waren, sind die Auswirkungen der aktuellen eher indirekter Natur aber gleichwohl spürbar: Es gibt zwar kaum direkte Öl- oder Gaslieferungen aus der Konfliktregion, die global steigenden Öl- und Gaspreise sowie eine Verunsicherung des weltweiten Energiemarktes betreffen uns aber dennoch. Zudem geht es dabei nicht nur um Energie für Heizung und Mobilität, sondern auch um die wichtige Rohstoffversorgung der Industrie mit dem Potenzial, steigend auf Produktpreise zu wirken.

Was müssen wir daraus lernen?

Wir sollten den Transformationspfad weg von Öl und Gas konsequent fortsetzen und uns unabhängiger, robuster und damit resilienter aufstellen.

Was bedeutet das konkret? Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist und bleibt die treibende Kraft hin zu mehr Resilienz. Diesen Ausbau müssen wir weiter und mit großer Verlässlichkeit voranbringen. Auch die Energieeffizienz auf allen Ebenen gilt es zu steigern – und da, wo es möglich ist, müssen wir konsequent elektrifizieren.

Die aktuellen Vorgaben der Bundespolitik stimmen vor diesem Hintergrund bedenklich: Eine Rückbesinnung auf Erdgas und Heizöl im Rahmen des Gebäudemodernisierungsgesetzes ist genau der falsche Weg. Er perpetuiert Abhängigkeiten und führt die verunsicherten Verbraucher*innen in eine absehbare Kostenfalle und damit zur Verstärkung sozialer Schieflagen. Das Streichen der Einspeisevergütung für kleine Photovoltaik(PV)-Dachanlagen gefährdet die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende. Gleichzeitig schwächt sie insgesamt den Ausbau der Solarenergie, weil ein vermehrter Zubau von PV-Freiflächenanlagen den zu erwartenden Rückgang nicht auffangen kann. Das wiederum wird zu einem vermehrten Einsatz fossiler Energieträger zur Stromerzeugung führen, womit wir wieder bei den Lektionen aus den Folgen des Ukraine- und Iran-Krieges sind.

Maßnahmen, welche die Abhängigkeiten von verletzlichen fossilen Strukturen weiter verfestigen, gilt es angesichts der Erfahrungen mit den Krisenherden der Welt unbedingt zu vermeiden. Sie schaden zudem dem Klimaschutz.

Stattdessen müssen wir aus den Ereignissen lernen: Dies gilt explizit auch für den Aufbau neuer Strukturen – zum Beispiel Import-Strukturen für Wasserstoff, synthetische Rohstoffe für die Industrie. Hier gilt es, von vornherein auf diversifizierte Importe zu setzen und auf die Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Nachbarn zu setzen (sogenanntes Friendshoring).


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