Wie viel Kommunikation braucht das Klima?

Podcast Zukunftswissen: Episode mit Carla Reemtsma und Dr. Vita Zimmermann

  • News 19.05.2026

Der Klimaschutz hat es nicht leicht im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs: Zwar zeigen Umfragen weiterhin eine breite Zustimmung dafür, dass die Bundesregierung mehr für den Klimaschutz tun sollte, doch auf den individuellen Prioritätenlisten rutscht das Thema angesichts multipler Krisen nach unten. Die Umweltbewusstseinsstudie 2024 des Umweltbundesamts belegt diese Entwicklung: Während 2020 noch rund zwei Drittel der Befragten Umwelt- und Klimaschutz als sehr wichtig einstuften, waren es 2024 nur noch gut die Hälfte. Gleichzeitig hat sich der Ton der Debatte verschärft: Technische Sachfragen werden kulturell aufgeladen, wie sich etwa 2023 am Streit um das Gebäudeenergiegesetz gezeigt hat.

In der neuen Episode des Podcasts Zukunftswissen diskutieren Carla Reemtsma, Sprecherin von Fridays for Future, und Dr. Vita Zimmermann, Senior Researcherin im Forschungsbereich Produkt- und Konsumsysteme am Wuppertal Institut, wie unter diesen veränderten Bedingungen über Klimaschutz gesprochen werden sollte. Reemtsma vertritt die Klimabewegung seit Jahren bundesweit in der medialen Öffentlichkeit. Zimmermann forscht zu Konsumverhalten, Verbraucherpolitik und Kommunikation.

Ein zentraler Diskussionspunkt ist, ob Klimaschutz mit weiteren Vorteilen einer Maßnahme verknüpft werden solle – etwa mit geringeren Kosten, Komfortgewinn, mehr Lebensqualität in Städten oder Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Zimmermann plädiert dafür, Menschen über ihre konkreten Bedürfnisse anzusprechen und das Klimaargument nicht zwingend an den Anfang zu stellen, um Widerstände zu vermeiden. Reemtsma teilt diesen Befund, warnt aber davor, das Klimathema ganz aus der Kommunikation zu verbannen, denn: Ohne ein geteiltes gesellschaftliches Bewusstsein für die Dringlichkeit der Klimakrise ließen sich etwa jene Maßnahmen kaum begründen, die nur langfristige Vorteile bieten.

Daneben sprechen die beiden über den Vorwurf der Moralisierung, über den Unterschied zwischen individueller und struktureller Verantwortung sowie darüber, wie politische Entscheidungen das gesellschaftliche Selbstverständnis verschieben können – wie es etwa mit dem 9-Euro-Ticket gelang. Reemtsma und Zimmermann sind sich einig, dass die Belastung aller nicht weiter steigen darf – und nicht jede Alltagsentscheidung zur moralischen Grundsatzfrage werden darf. Vielmehr müssten ökologische Optionen strukturell zur einfacheren und logischen Wahl werden. Mit Blick in die Zukunft benennen beide die wachsende Aufmerksamkeit für fossile Abhängigkeiten als ein Thema, das die Klimakommunikation in den kommenden Monaten prägen wird.

Diese Folge und alle vergangenen sind kostenfrei auf Spotify, Apple Podcasts und Podcast.de sowie über die Website des Wuppertal Instituts zu hören.


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