Kombiticket ohne Limit: Mit den Öffis kostenfrei zum Konzert fahren

Wuppertal Institut führt wissenschaftliche Begleitung einer Studie im Auftrag der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft durch

  • News 04.08.2026

Kostenfrei mit Bus und Bahn zum Konzert? Das ermöglichen sogenannte Kombitickets, die Veranstaltungsticket und ÖPNV-Fahrschein vereinen. Bis zu 90 Prozent der Veranstaltungs-Emissionen entstehen durch die Anreise des Publikums. Hier liegt einer der größten Hebel für eine nachhaltige Veranstaltungsbranche, das Kombiticket kann dabei unterstützen. Die Lösung klingt denkbar einfach, wird jedoch in Deutschland bislang kaum genutzt. Schätzungsweise sind nur 5,5 bis 12 Prozent aller Veranstaltungstickets in Deutschland Kombitickets. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Kombiticket ohne Limit", herausgegeben von der Nachhaltigkeitsagentur The Changency in Kooperation mit dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV e. V.). Das Team Mobilität und Verkehrspolitik des Wuppertal Instituts beriet die Studienautorinnen bei der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse.

Großes Potenzial trotz diverser Hürden

Die Studie macht auch die bürokratischen und finanziellen Hürden der Branche sichtbar. Dafür band die Machbarkeitsstudie erstmals alle relevanten Stakeholder ein, darunter die Verkehrsbranche, Besucher*innen und 129 Veranstalter*innen, die zusammen etwa 35 Millionen Veranstaltungstickets pro Jahr verkaufen. Die Ergebnisse zeigen ein riesiges, ungenutztes Potenzial und offenbaren eine deutliche Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Für 95 Prozent der Veranstalter*innen ist Klimaschutz die Hauptmotivation für Kombitickets; ein integriertes Nachverkehrsticket stufen auch rund zwei Drittel des Publikums als wichtig ein. Von den befragten Veranstalter*innen setzen schon heute 63 Prozent Kombitickets bei einigen oder allen Veranstaltungen um. Dieser Anteil und auch der Anteil der Veranstaltungen mit Kombitickets könnte laut Befragung weiter steigen, wenn der Preis je Kombiticket sinken und die vielen Einzelverhandlungen mit regionalen Verkehrsverbünden entfallen würden. Hinzu kommt, dass viele Besucher*innen schlichtweg nicht wissen, wenn ihre Eintrittskarte bereits als Fahrkarte gilt. Dabei birgt das Modell auch enorme wirtschaftliche Chancen: Der Absatz von Kombitickets könnte Schätzungen zufolge bis zu 18 Mal höher sein als derzeit.

Die Vision: Das Veranstaltungsticket als 24-Stunden-Deutschlandticket

Die Studie untersuchte unter anderem die Vision eines bundesweiten Kombitickets, das am Veranstaltungstag für 24 Stunden wie ein Deutschlandticket im gesamten Nahverkehr genutzt werden kann. Diese Idee finden 85 Prozent der Veranstalter*innen und eine große Mehrheit des Publikums interessant oder sehr interessant. Allerdings zeigt die Untersuchung auch Zielkonflikte auf: Der hohe Leistungsumfang eines bundesweiten 24-Stunden-Fahrscheins lässt sich nur schwer mit den von Veranstalter*innen angestrebten niedrigen Aufpreisen vereinbaren. Aktuell zahlen zwei Drittel der Veranstalter*innen eine Pauschale zwischen 0,50 Euro und 2,00 Euro pro Ticket an die Verkehrsbetriebe – höhere Kosten gelten für 67 Prozent als Haupthemmnis. Ein möglicher Kompromiss läge in einer kürzeren Gültigkeitsdauer um die Veranstaltung.

Um das Potenzial voll auszuschöpfen, plädiert die Agentur The Changency für ein Umdenken, vereinfachte Prozesse und eine flächendeckende Standardisierung. Mit rund 540 Millionen Besucher*innen pro Jahr (davon 100 Millionen im Livemusik-Sektor) besitzt die Veranstaltungswirtschaft einen gewaltigen Hebel, um die Erreichung nationaler Klimaziele aktiv voranzutreiben.

Über die Machbarkeitsstudie

Umgesetzt wurde die Untersuchung von der Nachhaltigkeitsagentur The Changency in Kooperation mit dem Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV e. V.). Paul R. Schneider und Thorsten Koska aus dem Forschungsbereich Mobilität und Verkehrspolitik am Wuppertal Institut begleiteten die Machbarkeitsstudie durch ein externes wissenschaftliches Review, in dessen Rahmen die angewandte Methodik, die verkehrswissenschaftlichen Annahmen, die entwickelten Szenarien und SWOT-Analysen sowie der Endbericht kritisch validiert wurden. Gefördert wurde das Projekt durch die Initiative Musik mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.


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