Grünes CO2: Warum es für die Industrie (noch) keine Option ist

Analyse zeigt, welche Rolle grünes CO2 für eine klimaneutrale Industrie spielen kann und wo die Herausforderungen liegen

  • News 02.01.2026

Grünes CO2 – also Kohlendioxid, das nicht aus fossilen Quellen stammt, sondern aus Biomasse oder aus der Luft zurückgewonnen wird – gilt als vielversprechender Baustein einer klimaneutralen Wirtschaft. Ob Kunststoffe, Medikamente, Düngemittel oder synthetische Kraftstoffe: Viele Produkte unseres Alltags kommen ohne Kohlenstoff nicht aus. Bisher stammt dieser fast immer aus Erdöl, Kohle oder Erdgas. Aber um wirklich klimaneutral zu wirtschaften, muss dieser fossile Kohlenstoff durch nachhaltige Alternativen ersetzt werden. Genau hier setzt grünes CO2 an: Es könnte fossile Quellen ersetzen und gleichzeitig helfen, CO2-Kreisläufe zu schließen.

In ihrem Beitrag "Welchen Beitrag grünes CO2 zu einer klimaneutralen Wirtschaft leisten kann", zeigen Christoph Zeiss, Alexander Scholz und Dr.-Ing. Karin Arnold aus der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut, wie aus dem Treibhausgas ein wertvoller Rohstoff werden könnte. Die Autor*innen stellen anschaulich dar, welche Potenziale grünes CO2 bietet – etwa in der Chemie- und Kunststoffindustrie dient CO2 als Baustein in Produkten, zum Beispiel in Polymeren. Aber auch in synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels), kombiniert mit grünem Wasserstoff, entstehen klimaneutrale Treibstoffe, die wichtig für Flugzeuge und Schiffe sind. In Baustoffen kann CO2 durch Mineralisierung dauerhaft in Beton gebunden werden – sogar als CO2-Speicher.

Herausforderungen: Energiebedarf und Kosten

Angesichts des großen Potenzials warnen die Autor*innen aber auch vor überzogenen Erwartungen. Denn die Rückgewinnung von CO2 aus der Luft (Direct Air Capture) ist technisch möglich, aber sehr energieintensiv. Auch biogene CO2-Quellen sind begrenzt; Biomasse wird bereits für Wärme, Strom und Kraftstoffe benötigt. Zudem sind viele Verfahren derzeit noch zu teuer, um sie im großen Maßstab einzusetzen.

Chancenreich, aber nicht automatisch ein Selbstläufer

Grünes CO2 kann ein wichtiger Bestandteil einer klimaneutralen Industrie werden – aber nur, wenn ausreichend erneuerbare Energie bereitsteht, Technologien weiterentwickelt werden und politische Rahmenbedingungen den Markthochlauf unterstützen, resümieren die Autor*innen.

Der vollständige Artikel in der Fachzeitschrift "et – Energiewirtschaftliche Tagesfragen" erschienen und auf dem Publikationsserver kostenfrei verfügbar. Die Grundidee des Beitrags entstand im Rahmen des Projekts IN4climate.RR, das den Transformationsprozess energieintensiver Industrien wissenschaftlich begleitet.


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