Der Gebäudesektor prägt den Materialverbrauch in Deutschland wie kaum eine andere Branche. Gleichzeitig verursachen die Bau- und Abbruchabfälle das mit Abstand größte Abfallaufkommen. Gleichzeitig ist der Gebäudesektor sowohl direkt als auch indirekt für erhebliche Treibhausgasemissionen verantwortlich. Angesichts dieser gravierenden Problematiken wird deutlich: Der Gebäudesektor muss sich grundlegend wandeln, hin zu mehr Bestandserhalt und zu einer ressourcen- und klimaschonenden Bauweise. Dazu gehört auch zirkulär zu bauen und Bauteile- und Material hochwertig zu recyceln oder wieder zu verwenden. Das wirft die Frage auf: Wie kreislauffähig ist der deutsche Gebäudesektor überhaupt?
Im Projekt CirBuild gingen Forschende des Wuppertal Instituts der Frage nach, welche Informationen zu Materialflüssen und Materialbeständen im deutschen Gebäudesektor vorhanden sind und was sich daraus über die Kreislauffähigkeit des Gebäudebestands ableiten lässt. Sören Steger und Luisa Bergmann aus dem Forschungsbereich Zirkuläre Systeme am Wuppertal Institut haben die Ergebnisse in dem Abschlussbericht "Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors" zusammengefasst. Sie analysierten dafür quantitative Daten zu sieben Materialkategorien, darunter Stahl, Beton, Holz, und Kunststoffe, sowie zu den Bauelementen Wärmedämmverbundsysteme und Fenster. Der Abschlussbericht dient als Hintergrundbericht für den gleichnamigen Bericht, den das Gebäudeforum Klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena) am 24. März 2026 offiziell vorgestellt hat.
Die Autor*innen kommen zu dem Ergebnis, dass sich die eingangs gestellte Frage nicht pauschal beantworten lässt. Denn: "Neben der Auswahl des Baumaterials spielen weitere Faktoren wie das Design des Gebäudes, die Konstruktionsweise und die Form des Rückbaus eine Rolle. Bei der Errichtung des Gebäudes, der Sanierung und beim möglichen Rückbau ist auch das Know-how der beteiligten Handwerker*innen zentral", erklärt Sören Steger. Daher ließe sich meist erst anhand des konkreten Bauprojekts einordnen, wie kreislaufgerecht gebaut wurde. Hinzu komme, dass die Daten über Menge, Qualität und Art des Einbaus und der Schadstoffbelastung im Gebäudebestand zu heterogen und lückenhaft sind, ergänzen die Wissenschaftler*innen.
Die Forschenden sehen zentrale Hebel für mehr Zirkularität entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Gebäudedesign über Baustoffe und ressourceneffizientes Bauen bis zur Nutzungsphase. Wichtige Ansätze sind:
Wie gut sich Materialien im Gebäudesektor im Kreis führen lassen, hängt jedoch stark davon ab, welche Baustoffe und Bauteile eingesetzt werden. Die Autor*innen untersuchten für jedes Material zirkuläre Potenziale, Herausforderungen und Lösungsansätze. Stahl wird bereits hochwertig recycelt, Dämmmaterial dagegen kaum. Kunststoffe in Fenstern, Rohren und Profilen werden recycelt, EPS (auch als Styropor bekannt) und der Hartschaum-Dämmstoff XPS dagegen kaum. Fensterprofile aus Holz können aufgrund ihrer Imprägnierung mit Holzschutzmitteln zumeist nur energetisch verwertet werden und Flachglas wird zwar zumeist recycelt, aber nicht im Bereich Flachglas, sondern als Behälterglas oder Glaswolle. Aluminiumhersteller konkurrieren zudem mit anderen Branchen um Recyclingmaterial und setzen deshalb verstärkt auf Rücknahmesysteme. Kaum Kreislaufführung gibt es bei Wärmedämmverbundsystemen.
Das Projekt CirBuild wurde durch das Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena) finanziert und vom Wuppertal Institut umgesetzt. Der hieraus entstandene Bericht "Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors" des Gebäudeforum klimaneutral der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist über den unten stehenden Link kostenfrei zum Download verfügbar.
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