Viele Städte sind noch stark vom Auto geprägt. Damit wir uns in Zukunft nachhaltiger, gesünder und gerechter fortbewegen können, braucht es kurze Wege und eine gute Erreichbarkeit aller wichtigen Alltagsziele. Die Idee der "15-Minuten-Stadt" etwa bedeutet, dass alle Menschen – unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund – innerhalb von 15 Minuten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln Orte des täglichen Bedarfs wie Schulen, Einkaufsmöglichkeiten oder Freizeitangebote erreichen können.
Ob dieses Konzept in der Praxis funktioniert, hängt entscheidend davon ab, wie gut es zu den tatsächlichen Bedürfnissen und Lebensrealitäten der Menschen passt. Unterschiedliche Mobilitätskulturen, Gewohnheiten und Lebenssituationen führen dabei zu verschiedenen Vorstellungen davon, was "Nähe" bedeutet. Außerdem werden bestimmte Gruppen, etwa Kinder oder sozial benachteiligte Menschen, in Planungsprozessen bisher kaum berücksichtigt, obwohl sie besonders stark von der Gestaltung ihrer Umgebung betroffen sind.
Hier setzt das Projekt CONIFER an. Es nimmt das "Mobilitätsökosystem" rund um Schule in den Blick – also die täglichen Wege von Kindern und Jugendlichen, die mit dem Schulalltag verbunden sind. Diese schulbezogene Mobilität eignet sich besonders gut, um zu verstehen, wie sich Mobilitätskulturen und -strukturen entwickeln und verstetigen, denn sie prägt schon früh das Mobilitätsverhalten. Gleichzeitig ist die eigenständige Mobilität von Kindern heute stark eingeschränkt, beispielsweise durch Autoverkehr, fehlende sichere Geh- und Radwege oder Sicherheitsbedenken der Eltern. So wird schon im Kindesalter ein 15-Minuten-Lebensstil erschwert, der eigentlich Raum für Begegnung, Spiel und soziale Teilhabe schaffen soll.
Um hier neue Wege aufzuzeigen, entwickelt CONIFER eine sogenannte partizipative Foresight-Methodik. Foresight bedeutet, systematisch über mögliche Zukünfte nachzudenken, Szenarien zu entwerfen und daraus konkrete Strategien abzuleiten. In sechs sogenannten Civic Labs – in Brüssel und Kortrijk (Belgien), Matosinhos (Portugal), Budapest (Ungarn), Köln (Deutschland) und Torun (Polen) – untersuchen Forschende im Projekt sowohl objektive Zugänglichkeit als auch subjektive Wahrnehmungen, Erfahrungen und Erzählungen der Schüler*innen, ihren Bezugspersonen und Lehrer*innen. Darauf aufbauend werden mit künstlerisch-kreativen Methoden wie Gamification oder Performances partizipative Szenarien und Visionen für die Stadt der kurzen Wege erarbeitet. Auch die Rolle von Künstlicher Intelligenz wird untersucht, etwa zur Unterstützung der Szenarienentwicklung. Anschließend evaluieren die Wissenschaftler*innen die Visionen, bündeln sie und übersetzen sie in konsistente politische Handlungsempfehlungen. Die Ergebnisse fließen abschließend in einen Leitfaden, der anderen Städten als Blaupause dienen soll.
Das Wuppertal Institut koordiniert die Planung und Operationalisierung des Civic Lab in Köln, welches gemeinsam mit dem Institute for Art and Innovation (IFAI) und der Stadt Köln umgesetzt wird. Darüber hinaus entwickelt das Institut ein Konzept zur Evaluation aller Civic Labs, um sowohl internes als auch projektübergreifendes Lernen zu ermöglichen. Das IFAI bringt Methoden aus Kunst, Design und Kultur ein und unterstützt die Visionsentwicklung und Visualisierung im Kölner Civic Lab.
Mitglieder des Konsortiums:
Vrije Universiteit Brussel (VUB), International Federation Of Pedestrians Research (IFP-r), CollectiveUP (CUP), KTI Hungarian Institute for Logistics and Transport Sciences, Non Profit Limited Liability Company (KTI), Moholy Nagy University of Art and Design (MOME), Universidade de Aveiro (UA), Institute of Geography and Spatial Organization, Polish Academy of Sciences) (IGSO PAS), Uniwersytet Mikołaja Kopernika w Toruniu (NCU), City of Matosinhos (CM)
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