München soll Zero Waste City werden

Wuppertal Institut unterstützt bei Gesamtstrategie zur Müllvermeidung

Plastikabfall
  • News 24.10.2019
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (links) mit Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut. Quelle: Presseamt/Michael Nagy

Im Rahmen des "Münchner Zukunftsdialogs" traf sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter im Frühjahr dieses Jahres mit Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, um eine umfassende Strategie zur Müllvermeidung der Stadt zu diskutieren und um alle Möglichkeiten eines 'Münchner Müllminderungspfades' auszuloten. Die Ergebnisse und Zielsetzungen stellten sie am 24. Oktober 2019 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Münchner Rathaus vor.
Oberbürgermeister Dieter Reiter: "Wir alle haben die Bilder der mit Plastik vermüllten Meere im Kopf, Tiere, die sich in Plastikresten verfangen, Tonnen von Müllexporten in andere Kontinente. Aber das Problem entsteht ja nicht irgendwo. Deshalb wollte ich als Oberbürgermeister wissen, was wir, was die Stadt München ganz konkret tun kann, um Müll möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen."

München brauche eine gesamtstädtische Strategie, um Müll – vor allem den nicht recyclebaren – in der Stadt und in der Stadtverwaltung zu vermeiden. Ziel sei daher auch, wie sich gemeinsam mit der Lebensmittelbranche und Einzelhändlern Plastikmüll reduzieren ließe und die Verbraucherinnen und Verbraucher achtsamer werden. "Ob wir es schaffen können, wie Fridays for Future fordert, bis 2025 vollständig einwegplastikfrei zu sein, weiß ich nicht, ein hehres Ziel ist es aber allemal. Ich setze mich deshalb ausdrücklich dafür ein, dass München alles unternimmt, um in nicht allzu ferner Zukunft nicht nur plastikfrei, sondern generell eine Zero Waste City zu werden", ergänzt Reiter. Der Oberbürgermeister will deshalb das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) und das Kommunalreferat bitten, gemeinsam mit allen Referaten Eigenbetrieben und städtischen Gesellschaften eine Gesamtstrategie zur Reduzierung des Plastikmülls in der Stadt zu entwickeln, die auch konkrete Zwischenziele zur Reduktion von Müll definiert. Seine Vorstellung sieht vor, eine solche Gesamtstrategie möglichst noch in dieser Legislaturperiode in den Stadtrat zu bringen und vom Stadtrat verabschieden zu lassen.

Dr. Henning Wilts sagt: "Der beste Müll ist eindeutig der Müll, der nie entstanden ist, gesammelt und behandelt werden musste. Gleichzeitig erfordert Abfallvermeidung immer auch das Miteinander verschiedener Akteure, es geht um gemeinsam entwickelte Ideen und Innovationen, wie wir unsere Ressourcen effizienter nutzen können. Daher freut es mich natürlich besonders, dass sich die Stadt München an die Entwicklung einer umfassenden und langfristig ausgerichteten Strategie begeben möchte – sinnvolle Abfallvermeidung ist ein Prozess, bei dem möglichst alle mitgenommen werden sollten."

Folgende Ideen als Teil einer Gesamtstrategie wurden im Rahmen der Gespräche entwickelt:

  • 1. Nachhaltige öffentliche Beschaffung
    Die Stadtverwaltung soll einen Leitfaden mit zehn bis 20 Produkten entwickeln, anhand derer in den Ausschreibungen der Stadt vor allem Wert auf Langlebigkeit und Vermeidung von Verpackungsmüll gelegt werden soll. Da die Vergabestellen bereits stark mit diversen Vorgaben belastet sind, ist es wichtig, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hierzu klare Leitlinien an die Hand zu geben.
     
  • 2. Plastikvermeidung in städtischen Einrichtungen
    Generell setzt die Stadt auf Mehrwegsysteme schon heute, wie beispielsweise auf dem Oktoberfest. Dennoch gibt es auch in diesem Bereich noch weitere Stellschrauben, beispielsweise bei der Verpflegung an Schulen, um hier komplett auf Mehrwegsysteme umzustellen.
     
  • 3. Plastikvermeidung – was jeder Einzelne und jede Einzelne tun kann
    Jeder von uns kann letztlich beim Einkauf auch darauf achten, Müll zu vermeiden, indem wir gezielt Produkte aussuchen, die nicht unnötig verpackt sind oder indem wir die Plastikfrei-Läden unterstützen, Coffee-to-Go nicht im Einwegbecher kaufen (derzeit rund 190.000 täglich!), sondern Mehrwegbecher benutzen und ganz generell auf Plastik soweit wie möglich beim Einkauf verzichten. Hier kann jeder und jede Einzelne auch mit ihrem/seinem Konsumverhalten direkte Veränderungen herbeiführen.
     
  • 4. Zentral sind in einem solchen Fall natürlich aber auch die Händler
    Zwar kann eine einzelne Kommune diesbezüglich keine verpflichtenden Vorgaben machen, aber im Rahmen von Gesprächen mit Vertretern von großen Supermarktketten, des Einzelhandels und von Franchise-Ketten soll über konkrete Schritte zur Plastikvermeidung geredet werden. Beispielsweise wäre es ein großer Wurf, wenn es gelänge, die großen Franchise-Ketten freiwillig dafür zu gewinnen, Coffee-to-Go nur noch in Mehrwegbehältern auszuschenken. Oder zumindest, so wie es einzelne Ketten schon machen, generell den Preis für Coffee-to-Go in Mehrwegbechern im Vergleich deutlich zu senken.

Städtisches Qualitätslabel für nachhaltige Betriebe

Als Kommune könnte die Landeshauptstadt München diejenigen Betriebe, Läden oder Initiativen unterstützen, die sich besonders der Nachhaltigkeit von Produkten verschrieben haben und soweit wie möglich auf Plastik oder andere schwer bis gar nicht wiederverwertbare Stoffe verzichten. Geprüft werden solle beispielsweise die Schaffung eines stadtweiten Qualitätslabels, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Läden leicht erkennen können, die besonders ressourcensparend arbeiten und bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Eine weitere Möglichkeit werde bereits geprüft: die Unterstützung von Plastikfreiläden für ihre verstärkte Bildungsarbeit zum Thema "Nachhaltigkeit", weil sie häufig von Schulklassen im Rahmen des Unterrichts besucht werden und hier wichtige Aufklärungsarbeit leisten.

München wird zur Zero Waste City

Nicht zuletzt sollten sich alle zum Schutz der Ressourcen das Ziel setzen, früher oder später gar keinen Müll mehr zu produzieren, der nicht wiederverwendet werden kann. Zero Waste bedeutet, Prozesse so zu verbessern, dass alle Ressourcen geschont und zurückgewonnen und nicht verbrannt oder vergraben werden. Es gibt hierzu die Organisation Zero Waste Europe, in der sich schon einige europäische Städte organisiert haben und die von der EU gefördert wird.
Kiel bereitet als erste deutsche Stadt gerade die Mitgliedschaft für das Frühjahr 2020 vor. Um Mitglied zu werden, ist unter anderem ein öffentliches Müllreduzierungsziel nebst Konzept unerlässlich. Es ist ein starkes Zeichen, wenn sich München daran beteiligt und ein konkretes Ziel erarbeitet, hin zu einer Zero Waste City.