ForschungspreisTransformativeWissenschaft

Erstmalig wurde 2017 der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" des Wuppertal Instituts und der Zempelin-Stiftung im Stifterverband ausgelobt. Nun wird der Preis zum zweiten Mal vergeben.

Der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" zielt auf alle Formen von Forschung ab, die gesellschaftliche Impulse auslösen und fördern und dabei die Zivilgesellschaft einbeziehen. Eine bedeutende Rolle spielen hier transdisziplinäre Forschungsdesigns. Dotiert ist der Forschungspreis mit 25.000 Euro. Dieses Geld kommt Preisträgerinnen und Preisträgern für Projektideen im Bereich ihrer transformativen Wissenschaft zugute. Das Wuppertal Institut vergibt 2018 zum zweiten Mal den Forschungspreis, der von der Zempelin-Stiftung im Stifterverband gefördert wird. Die durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erfolgte Beauftragung, die Preisvergabe des von der Zempelin-Stiftung geförderten Preises für eine "Transformative Wissenschaft" zu koordinieren, versteht das Wuppertal Institut als Anerkennung für seine Leistungen in diesem Feld.

Gewinnerteam 2018

Wie funktioniert nachhaltiges Leben im Quartier? Wie sollten unsere Städte von morgen aussehen? Wie muss ein zukunftsfähiger urbaner Wandel gestaltet werden? Um das herauszufinden, testet ein Forscherteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit Projektpartnern neue Ideen in der Karlsruher Oststadt. Das Reallabor "Quartier Zukunft – Labor Stadt" soll helfen, die Lebensqualität zu steigern und das Leben nachhaltiger zu gestalten. Das Team unter der Leitung von Dr. Oliver Parodi gewinnt mit ihrem innovativen Reallabor-Konzept den mit 25.000 Euro dotierten Forschungspreis "Transformative Wissenschaft". Bereits zum zweiten Mal vergeben das Wuppertal Institut und die Zempelin-Stiftung im Stifterverband den Forschungspreis.

Das Reallabor "Quartier Zukunft – Labor Stadt" – unter anderem mit dem durch das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK Baden-Württemberg) geförderten Projekt "Reallabor 131: KIT findet Stadt" – probt eine Kultur der Nachhaltigkeit. Das transdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprojekt des KIT möchte ein Stadtquartier mit seinen Bewohnerinnen und Bewohnern als enkeltaugliche Zukunft verwirklichen. Dafür gehen Projektleiter Dr. Oliver Parodi und sein multidisziplinär besetztes Team den Fragen nach, wie nachhaltiges Stadtleben gelingen kann und wie europäische Städte in nachhaltige Lebensräume transformiert werden können.

Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft
Der "Zukunftsraum für Nachhaltigkeit und Wissenschaft" ist das Projektbüro in der Karlsruher Oststadt und inzwischen die Nachhaltigkeitsadresse in Karlsruhe. Quelle: Quartier Zukunft/KIT

Das städtische Labor ist ein über etwa 130 Jahre altes Quartier in der Karlsruher Oststadt. Das Forscherteam arbeitet eng mit der Bürgerschaft, Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und weiteren lokalen Akteuren vor Ort zusammen. Sie verknüpfen so wissenschaftliches Know-how mit lokalem Wissen und schaffen einen gemeinsamen Experimentierraum: "Unsere Gesellschaft wird sich nur nachhaltig entwickeln, wenn alle Beteiligten die Entwicklung mitgestalten", ist Projektleiter Oliver Parodi überzeugt. Innerhalb des Forschungs- und Entwicklungsprojekts "Quartier Zukunft – Labor Stadt“ sollen in den kommenden Jahren erfolgversprechende, technische und gesellschaftliche Innovationen aus und mit dem KIT umgesetzt werden. Parodi ergänzt: "Die Bandbreite der Themen reicht dabei von der städtischen Energiewende über klimaverträgliches Alltagshandeln bis zur Entschleunigung unserer Lebenswelt."

Das Projekt wurde bereits im Jahr 2017 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit dem Qualitätssiegel "Projekt Nachhaltigkeit 2017" und als eines von bundesweit vier "Transformationsprojekten" ausgezeichnet. Das Siegel macht Initiativen aus der Gesellschaft sichtbar, die einen besonderen Beitrag für nachhaltige Entwicklung leisten.

 

Partizipationswerkzeug aus dem Reallabor mit einem Stadtplan der Karlsruher Oststadt
Das Bild zeigt ein interaktives sogenanntes Partizipationswerkzeug aus dem Reallabor mit einem Stadtplan der Karlsruher Oststadt, das sich mit Kärtchen bestücken lässt. Auf diese Weise können etwa Nachhaltigkeitsideen oder -probleme erfragt, verortet, live sichtbar gemacht und zur Diskussion gestellt werden. Quelle: Quartier Zukunft/KIT
Verwendung des Preisgeldes

Das Projektteam will 10.000 Euro als Startkapital für den Förderverein des geplanten "Karlsruher Transformationszentrum für nachhaltige Zukünfte und Kulturwandel" einsetzen und damit Nachhaltigkeitsinitiativen aus der Zivilgesellschaft stärken. Rund 7.500 Euro will das Forscherteam für Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus dem Ausland einsetzen, die das Quartier Zukunft besuchen wollen oder für Geflüchtete, die einen Bezug zur Transformationsforschung haben und sich eine Zukunftsperspektive in diesem Bereich aufbauen wollen. Das restliche Preisgeld ist für eine Mikrofinanzierung von Praxispartnern geplant, beispielsweise für eine Initiative zur Oststadt-Nachbarschaft, Wildbienen in der Stadt oder eine Plattform für lokal nachhaltigen Konsum.

Die Jury und ihre Auswahlkriterien 2018

Die Jury legt großen Wert auf die gesellschaftliche Relevanz des Themas sowie auf die Qualität und Innovativität des Forschungsdesigns. Die Preisträger sollen einen Vorbildcharakter für andere Forscherinnen und Forscher haben. Die Jury war sich einig, dass die Arbeit von Laura Woltersdorf ein herausragendes Beispiel für ein transdisziplinäres Forschungsprojekt im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit ist.

Das Reallabor überzeugte die Jury besonders mit seiner innovativen konzeptionellen Herangehensweise sowie der lokalen Verankerung und erhält in diesem Jahr den Forschungspreis "Transformative Wissenschaft".

Zur siebenköpfigen Jury gehören:

  • Prof. Dr. Claudia Hornberg
    von der Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften; AG 7 Umwelt und Gesundheit
  • Prof. Dr. Heike Köckler
    von der Hochschule für Gesundheit, Dekanin Department of Community Health, Professorin Sozialraum und Gesundheit
  • Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras
    von der Universität Hildesheim, Institut für Biologie und Chemie; AG Ökologie und Umweltbildung
  • Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt
    Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich
  • Dr. Volker Meyer-Guckel
    stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung des Stifterverbandes, Leitung des Bereiches "Programm und Förderung"
  • Prof. Dr. Roland Scholz
    Chief Senior Scientist und Gastprofessor Donau-Universität Krems
  • Dr. Steffi Ober
    Initiatorin und Leiterin "Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende"

Der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" zielt auf alle Formen der Forschung ab, die gesellschaftliche Impulse auslöst, gesellschaftlichen Wandel fördert und dabei die Zivilgesellschaft mit einbezieht. Eine bedeutende Rolle spielen dabei transdisziplinäre Forschungsdesigns. Dotiert ist der Preis mit 25.000 Euro. Dieses Geld kommt Preisträgerinnen und Preisträgern für Projektideen im Bereich ihrer transformativen Wissenschaft zugute. Neben dem Preisgeld von 25.000 Euro erhält das Gewinnerteam eine Skulptur, die aus den Stahl-Schienen der im Jahr 1898 erbauten Wuppertaler Schwebebahn geschmiedet wurde.