Forschungsbereich

Ressourcen, Design und Verbraucherverhalten

Die Wissenschaftler*innen des Forschungsbereichs untersuchen und gestalten Produkt-Dienstleistungssysteme, um ressourcenleichte und zirkuläre Wirtschafts- und Lebensweisen zu fördern.

Um innerhalb planetarer Grenzen leben und wirtschaften zu können, muss sich die gesamte Wertschöpfungskette grundlegend verändern: vom Abbau von Ressourcen über die Produktgestaltung und industrielle Fertigung bis hin zu Konsum, Wieder- und Weiterverwendung und Abfallwirtschaft. Globale Krisen und geopolitische Risiken legen offen, wie verwundbar unsere Rohstoffwirtschaft ist. Gefragt sind daher Wirtschafts- und Lebensweisen, die auch in Krisenzeiten verlässlich und resilient funktionieren, die Umwelt schonen und ein gutes Leben für alle ermöglichen.

Gemeinsam mit Beteiligten aus Praxis und Gesellschaft entwickeln und bewerten die Wissenschaftler*innen Produkt-Dienstleistungssysteme, um das Zusammenspiel von Produktgestaltung, Produktion und Konsum zukunftsfähiger zu gestalten. 

Drei zentrale Leitfragen sind dabei für die Forschung bestimmend:

  • Was kann in der Praxis auf den verschiedenen Ebenen heute schon umgesetzt werden und wo muss Politik ansetzen, damit Ressourcennutzung nachhaltig und krisenfest wird?
  • Wie kann Design als Gestaltungsdisziplin zirkuläres und ressourcenleichtes Konsumieren und Produzieren fördern?
  • Was braucht es, damit nachhaltiger Konsum in vielfältigen Lebensrealitäten funktioniert? 

Die Beantwortung dieser Leitfragen erfolgt mit einem interdisziplinären, evidenzbasierten und praxisorientierten Ansatz. Grundlage ist ein differenziertes, an realen Bedingungen orientiertes Verständnis des Zusammenspiels menschlichen Verhaltens, der Gestaltung von Produkt-Dienstleistungssystemen. Dazu zählen beispielsweise die Außer-Haus-Verpflegung oder Mobilitäts-, Wärme- und Energiedienstleistungen sowie wirtschaftliche, gesellschaftliche, technologische und politisch-rechtliche Rahmenbedingungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden mit Zukunftsperspektiven verknüpft und in experimenteller Forschung, Living Labs und Reallaboren in konkrete Lösungen überführt. Dabei bilden Designansätze für Zirkularität und Nachhaltigkeit eine zentrale Grundlage. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Innovationen zu entwickeln, ihre vielschichtigen Wirkungen im System zu evaluieren und die erfolgreiche Umsetzung und Skalierung über verschiedene Akteurs- und Handlungsebenen zu unterstützen.

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Ziele

Das übergeordnete Ziel des Forschungsbereichs ist die Entwicklung und Skalierung umsetzungsfähiger, zirkulärer Produkt-Dienstleistungssysteme, die einen Beitrag dazu leisten können, den Ressourcenverbrauch absolut zu reduzieren, um eine 8-Tonnen-Gesellschaft im Einklang mit dem 1,5-Grad-Klimaziel zu etablieren. Im Sinne eines Transition Designs setzt der Forschungsbereich auf der Mikroebene an und adressiert Veränderungen von individuellen sowie sozialen Handlungen und Interaktionen über die Gestaltung von Produkten und ganzen Produkt-Dienstleistungssystemen. Diese führen – so der Ansatz – letztlich zu veränderten Produktions-Konsum-Systemen auf der gesellschaftlichen und damit wirtschaftlichen Ebene. Im Einzelnen verfolgen die Forschenden folgende Kernziele:

  • Rohstoffsicherheit als wichtige Zielsetzung verstehen: Entwicklung von Ansätzen und Strategien für eine resiliente Rohstoffversorgung und -sicherung im Wirtschaftszyklus unter Berücksichtigung geopolitischer Risiken, Biodiversität und metallischer Daseinsvorsorge.
  • Ressourcenleichte Gesellschaft ermöglichen: Verankerung von ressourcenleichten Produktionsweisen und sozialen Praktiken in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sowie Schaffung dazu passender Rahmenbedingungen.
  • Nachhaltige Leitmärkte mit Unternehmen etablieren: Entwicklung, Erprobung und Skalierung von nachhaltigen, zirkulären Produkt-Service-Systemen als Treiber.
  • Evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen liefern: Bereitstellung empirischer Beiträge und Detailanalysen auf der Mikroebene (z. B. von Lebensstilen und Produktlebenszyklen) als verlässliche Grundlage für Wirtschaft und Politik.
  • Verbraucher*innen als Akteur*innen der Transformation stärken: Stärkung der Handlungsmöglichkeiten von Konsumierenden in unterschiedlichen Lebensrealitäten, Sicherstellung von Verbraucherschutz und Ermöglichung ressourcenleichter 1,5-Grad-Lebensstile in einer 8-Tonnen-Gesellschaft.
  • Entwicklung und Gestaltung realistischer Zukunftsbilder: Entwicklung von Transformationspfaden und Roadmaps für nachhaltiges Produzieren und Konsumieren sowie Quantifizierung von Beiträgen zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (engl. Sustainable Development Goals, SDGs).

Thematischer Schwerpunkt

Der Forschungsbereich widmet sich zentralen Konsumbereichen und Bedarfsfeldern – insbesondere Wohnen, Ernährung, Bekleidung, Gesundheit und Mobilität – sowie der Digitalisierung als Querschnittsthema über folgende Zugänge:

Ausgehend von der Mikroebene steht die ganzheitliche Ressourcen- und Systembewertung von Produkt-Dienstleistungssystemen im Fokus. Mittels Ökobilanzierungen (LCA), dynamischer Modelle und systematischer Analysen werden Stoffströme bewertet. Um zukunftssichere Erkenntnisse zu generieren, werden die Analysen prospektiv durchgeführt. Zudem werden die Rohstoffkritikalität und -sicherheit, die Resilienz globaler Lieferketten und sektorenübergreifende Wechselwirkungen bezüglich der Materialnachfrage analysiert, um Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen.

Über Design für Zirkularität und Nachhaltigkeit (Design for Circularity and Sustainability) werden innovative Produkt-Service-Systeme unter Einbeziehung technologischer und sozialer Innovationen entwickelt und in Living Labs erprobt. Dabei kommen Gestaltungsprinzipien wie antidissipatives Design, das dafür sorgt, irreversible Materialverluste zu minimieren, sowie modulares, reparatur- und recyclinggerechtes Design zum Einsatz. Erforscht werden in dem Zuge auch die Schnittstellen zwischen Nutzer*innen, Produkten sowie physischen und digitalen Infrastrukturen. Hieraus entstehen politische Handlungsempfehlungen, wie etwa zur Weiterentwicklung der EU-Ökodesign-Richtlinie.

Mittels verhaltenswissenschaftlicher Forschung wird das Verhalten von Menschen untersucht, insbesondere in ihrer Rolle als Konsumierende. Im Fokus stehen sowohl die konkret beobachtbaren Verhaltensweisen als auch die ihnen zugrunde liegenden Einstellungen, Wahrnehmungen, Emotionen und Entscheidungsprozesse. Auf Grundlage von Ansätzen, insbesondere aus der Verhaltensökonomik (Behavioural Economics), Psychologie und Soziologie, kommen qualitative und quantitative sowie explizite, implizite und experimentelle Forschungsmethoden zum Einsatz, um Prototypen für Produkt-Dienstleistungssysteme und Interventionen gemeinsam mit Nutzerinnen zu entwickeln und zu erproben. Die Forschenden berücksichtigen dabei die Vielfalt individueller Präferenzen, Bedürfnisse, Handlungsspielräume und Dissonanzen und analysieren die Wechselwirkungen zwischen individuellem Verhalten und strukturellen Rahmenbedingungen, um evidenzbasierte Ansätze für die Transformation von Lebensstilen und Konsumpraktiken zu entwickeln.

Der Forschungsbereich arbeitet eng mit den weiteren Forschungsbereichen der Abteilungen des Wuppertal Institutes zusammen. Innerhalb der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren besteht eine Verzahnung mit dem Forschungsbereich Unternehmen, Finanzierung und Bildung, welcher Unternehmensstrategien und -maßnahmen, wirkungsorientierte Finanzierung und die Zukunftskompetenzen vielfältiger Akteur*innen in den Blick nimmt. Ebenso besteht in der Abteilung eine Verbindung mit dem Forschungsbereich Innovationslabore, der soziale Innovationen in kommunalen Reallaboren sowie unternehmerische Innovationen in Living Labs untersucht. Zudem besteht eine enge Kooperation mit dem Forschungsbereich Zirkuläre Gesellschaft in der Abteilung Kreislaufwirtschaft an der Schnittstelle von Konsum und dem individuellen Übergang zu zirkulären Lebensweisen.

Projekte

Hier finden Sie Projekte des Forschungsbereichs:

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