Transformative Forschung

Transformative Forschung orientiert sich an konkreten gesellschaftlichen Problemen und ist gekennzeichnet durch einen expliziten Interventionsanspruch. Ziel ist es, konkrete Veränderungsprozesse zu katalysieren und dabei Stakeholder aktiv in den Forschungsprozess mit einzubeziehen.

Auf diese Weise entsteht "sozial robustes" Wissen für die Große Transformation zu einer Nachhaltigen Entwicklung. Die Forschung des Wuppertal Instituts folgt daher einem transdisziplinären Wissensverständnis: Sie schafft nicht nur "Systemwissen" (z. B. im Rahmen von technischen oder ressourcen-orientierten Systemanalysen), sondern zusammen mit Akteuren aus der Praxis auch "Zielwissen" (Visionen und Leitbilder) sowie konkretes "Transformationswissen" für nachhaltigen Wandel – z. B. in Städten und Branchen.

Transitiongrafik

Transformative Forschung muss an ihrem Ziel gemessen werden, gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu einer nachhaltigen Entwicklung zu katalysieren. Die Qualitätssicherung einer solchen Forschung muss deshalb neben akademischen Gütekriterien vor allem neue Formen gesellschaftlicher Wirkungsmessung beinhalten. Das Wuppertal Institut versteht sich als ein zentraler Ort für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung transformativer Forschungsansätze. Dafür arbeitet das Institut mit führenden Einrichtungen der transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung national und international zusammen.

Konzepte und Methoden

Im Rahmen seiner transformativen Forschung für eine nachhaltige Entwicklung setzt das Wuppertal Institut ein differenziertes Methodenspektrum – von Szenarien, Ressourcen- und Energiesystemmodellierung bis hin zu Policy-Analysen und Evaluationen – zur Gewinnung von Systemwissen, Zielwissen und Transformationswissen ein. Eine besondere Form transformativer Forschung findet dabei vor allem in Reallaboren statt. Hier wird gemeinsam mit Praxispartnern an der Lösung realweltlicher Probleme geforscht und gearbeitet. Die Anwendung und Weiterentwicklung der Methoden passiert in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern sowie in der Forschung des Wuppertal Instituts selbst – unter anderem in am Institut betreuten Promotions- und anderen wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeiten. 

Forschungspreis Transformative Wissenschaft

Erstmalig wurde 2017 der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" des Wuppertal Instituts und der Zempelin-Stiftung im Stifterverband ausgelobt.

Der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" zielt auf alle Formen von Forschung, die gesellschaftliche Impulse auslöst und fördert und dabei die Zivilgesellschaft einbezieht. Eine bedeutende Rolle spielen dabei transdisziplinäre Forschungsdesigns. Dotiert ist der Forschungspreis mit 25.000 Euro. Dieses Geld kommt Preisträgerinnen und Preisträgern für Projektideen im Bereich ihrer transformativen Wissenschaft zugute. Das Wuppertal Institut hat dieses Jahr erstmals den Forschungspreis vergeben, der von der Zempelin Stiftung im Stifterverband gefördert wird. Die durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erfolgte Beauftragung, die Preisvergabe des von der Zempelin-Stiftung geförderten Preises für eine "Transformative Wissenschaft" zu koordinieren, versteht das Wuppertal Institut als Anerkennung für seine Leistungen in diesem Feld.

Die Gewinnerin 2017

Die Gewinnerin des diesjährigen Forschungspreises "Transformative Wissenschaft" steht nun fest: Dr. Laura Woltersdorf überzeugt die Jury mit ihrem Konzept, in der sie ein integriertes Bewertungskonzept über die Nachhaltigkeit eines Wasserressourcen-Managements entwarf, umsetzte und verstetigte. Innerhalb des am Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE durchgeführten Forschungsprojektes CuveWaters entwickelte Dr. Laura Woltersdorf ein integriertes Bewertungssystem für ein nachhaltiges Wassermanagement in Namibia. "Die Nutzung nichtkonventioneller Wasserressourcen, wie von geklärtem, wiedergenutztem kommunalem (Ab-)Wasser und gesammeltem Regenwasser, trägt dazu bei, die lokal verfügbaren Wasserressourcen effizienter und produktiver zu nutzen", sagt Dr. Woltersdorf.

Foto: Gesa Coordes

Die Wissenschaftlerin zeigt mit ihrer Nachhaltigkeitsbewertung, welche Technologieoptionen bei knappen Wasserressourcen ökologisch oder für die Armutsbekämpfung sozial und ökonomisch, sowie unter den gegebenen lokalen, institutionellen Bedingungen und technischen Möglichkeiten am wirksamsten sind. Für die Erarbeitung des Konzeptes hat sie eng mit den Akteuren vor Ort zusammengearbeitet und deren Erfahrungswissen integriert: Das Konzept trug so maßgeblich zu Entscheidungen über das Wassermanagement in der Region bei hoher Akzeptanz der Bevölkerung bei. Laura Woltersdorf arbeitet aktuell an der Goethe-Universität Frankfurt in der Arbeitsgruppe Hydrologie des Instituts für Physikalische Geographie als Post-Doktorandin. Dort vertritt sie den Schwerpunkt Methoden der transdisziplinären Forschung sowie die Verbindung von Sozial- und Naturwissenschaften.

Die Siegerin wird das Preisgeld für ihre transdisziplinäre Forschung einsetzen: "Das Preisgeld nutze ich für meine Forschung, insbesondere die Weiterentwicklung meiner integrativen Methoden. Meine Ergebnisse möchte ich zudem der internationalen Forschungscommunity näher bringen und mein Netzwerk entsprechend erweitern", sagt Dr. Woltersdorf.

Vor Ort in Namibia: Die Wissenschaftlerin Dr. Laura Woltersdorf (rechts) nahm zusammen mit dem Betreiber einer Kläranlage Wasserproben aus dem Abwasserkanal, um die Wasserqualität zu untersuchen. Foto: Laura Woltersdorf
Die Jury und ihre Auswahlkriterien

Die Jury legt großen Wert auf die gesellschaftliche Relevanz des Themas sowie auf die Qualität und Innovativität des Forschungsdesigns. Die Preisträger sollen einen Vorbildcharakter für andere Forscherinnen und Forscher haben. Die Jury war sich einig, dass die Arbeit von Laura Woltersdorf ein herausragendes Beispiel für ein transdisziplinäres Forschungsprojekt im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit ist.

Zur siebenköpfigen Jury gehören:

  • Prof. Dr. Claudia Hornberg
    von der Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften; AG 7 Umwelt und Gesundheit
  • Prof. Dr. Heike Köckler
    von der Hochschule für Gesundheit, Dekanin Department of Community Health, Professorin Sozialraum und Gesundheit
  • Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras
    von der Universität Hildesheim, Institut für Biologie und Chemie; AG Ökologie und Umweltbildung
  • Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt
    Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich
  • Dr. Volker Meyer-Guckel
    stellvertretender Generalsekretär und Mitglied der Geschäftsleitung des Stifterverbandes, Leitung des Bereiches "Programm und Förderung"
  • Prof. Dr. Roland Scholz
    Chief Senior Scientist und Gastprofessor Donau-Universität Krems
  • Dr. Steffi Ober
    Initiatorin und Leiterin "Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende"

Der Forschungspreis "Transformative Wissenschaft" wird zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren durch das Wuppertal Institut ausgeschrieben und vergeben. Die Zempelin-Stiftung stellt hierfür Fördermittel in Höhe von insgesamt 250.000 Euro zur Verfügung, die für Preisausschreibung, -auswahlverfahren und -verleihung sowie ein begleitendes Symposium verwendet werden. Mit der Vergabe der Fördermittel an das Wuppertal Institut würdigt die Zempelin-Stiftung dessen herausragendes Engagement für die Etablierung einer Transformativen Wissenschaft. Der Forschungspreis wird in einem jährlichen Turnus vergeben.

Projekte

Hier sehen Sie ausgewählte Projekte mit transformativen Forschungsansätzen.