Digitale Transformationnachhaltig gestalten

Digitalisierung verändert die Welt, in der wir leben: auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer Ebene. Der digitale Wandel muss aktiv gestaltet werden, damit er zum Chancentreiber für eine nachhaltige Zukunft wird und nicht soziale und ökonomische Krisen fördert.

Digitale Technologien können Nachhaltigkeit ermöglichen und eröffnen in vielen Bereichen neue Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbräuchen. Gleichzeitig zeigen sich immer deutlicher die ökologischen Spannungsfelder der Digitalisierung durch den steigenden Energie- und Umweltverbrauch von Endgeräten und Infrastrukturen.

Digitalisierung verleiht derzeit dem wachstumsgetriebenen Wirtschaftsmodell der Industriegesellschaften einen zusätzlichen Schub; durch digitale Plattformen wandeln sich die Randbedingungen und Regeln von Ökonomien. Ebenso tiefgreifend verändern sich durch die digitalen Informationsflüsse, die sozialen Unterschiede beim Zugang zu digitalen Diensten und durch einen neuen Typ von Diskussionen im Netz die Grundlagen demokratischer Gesellschaften. Die Aufgabe ist, die laufende digitale Transformation in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und Politik zu lenken.

Digitale Transformation nachhaltig gestalten
Auch die Landwirtschaft kann von der Digitalisierung profitieren.
Digitalisierung: Chancentreiber für die Nachhaltigkeitstransformation

Digitalisierung kann ihr volles ökologisches Potenzial vor allem dort ausspielen, wo sich die gegenwärtigen Lebens- und Konsumstile, Wirtschafts- und Produktionsweisen oder die Organisation von Energiesystemen, Städten und Verkehr im Grundsatz verändern und neu organisieren. Entsprechend müssen die sozio-ökonomischen Einflussfaktoren und Wirkungsbedingungen von systemverändernden digitalen Lösungen ins Zentrum des gestaltenden Handelns rücken – als Zusammenspiel verschiedener digitaler Technologien im Kontext individueller, sozialer, organisatorischer, institutionell-regulatorischer und kommerzieller Innovationen. Digitalisierung ist ein mächtiges Werkzeug der Zukunftskunst.

Digitalisierung als sozio-technische Transformation

Um die digitale Transformation zur Nachhaltigkeit aktiv zu gestalten, ist es wichtig zu verstehen, welche neuen Möglichkeiten die Zukunft bereithält. Neue Technologien sind zentrale Innovationstreiber der Digitalisierung, doch Digitalisierung ist mehr als Technik. Ihre Wirkung im Alltag entfaltet sich vor allem, wenn sich das Verhalten aller durch neue organisatorische Abläufe und Arbeitsprozesse sowie durch Geschäftsmodelle und Märkte verändern. Digitale Lösungen sind daher im Kern sozio-technische Innovationen und es sind letztlich gerade die kommunikativen, prozessualen und organisatorischen Anpassungen, die die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik radikal verändern und damit die digitale Transformation eine derartig tiefgreifende Gestaltungsmacht im 21. Jahrhunderts verleihen.

Den ökologischen Fußabdruck der Digitalisierung reduzieren

Digitalisierung bietet viele Chancen für die Senkung von Energie- und Umweltverbrauch sowie für die Vermeidung von Treibhausgasemissionen. Digitalisierung hat aber auch selbst einen ökologischen Preis: Rechenzentren, Kommunikationsinfrastrukturen und unzählige Endgeräte verbrauchen immer mehr Energie und tragen zum Klimawandel bei. Immer wichtiger wird auch der Ressourcenverbrauch der Digitalisierung durch die Herstellung der Hardware. Weltweit steigt der Einsatz von kritischen Rohstoffen in Elektronikgeräten. Die Herausforderung ist daher, Geräte und Infrastrukturen ressourcen- und energieeffizienter zu gestalten, die Versorgung schnell mit CO2-freiem Strom aus erneuerbaren Energien zu gewährleisten und die Standortplanung vor allem von Rechenzentren an einer bestmöglichen Abwärmenutzung auszurichten. Derzeit fehlen zudem noch wirkungsvolle Strategien für eine umwelt- und sozialverträgliche Gewinnung, Verarbeitung und Kreislaufführung der eingesetzten Ressourcen.

Weg in nachhaltige Digitalisierung ebnen

Digitale Technologien verändern das tägliche Leben immer mehr. Welchen Weg muss die Digitalisierung einschlagen, damit sie zu einer global-nachhaltigen Entwicklung beiträgt? Antworten darauf liefert der In Brief "Digitalisierung in die richtige Richtung lenken – Eckpunkte für Wissenschaft und Politik" des Wuppertal Instituts. Darin fordern die Autoren insbesondere das sozio-kulturelle, organisatorische und institutionelle Umfeld der Digitalwirtschaft stärker in den Blick zu nehmen. Der In Brief verdeutlicht, dass der Megatrend Digitalisierung nicht zwingend unkontrollierbar über die Wirtschaft und die Gesellschaft hereinbricht. Seine Wirkung hänge vom menschlichen Verhalten, von der Gestaltung neuer Prozesse in Organisationen, aber auch Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen ab.

Umweltpolitische Digitalagenda des Bundesumweltministeriums

Schon in wenigen Jahren könnte die Digitalbranche weltweit mehr CO2-Emissionen verursachen als der Pkw-Verkehr. Wie lässt sich die Digitalisierung klimafreundlich und nachhaltig gestalten? Diese Frage gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und gehört auf die politische Agenda. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts, stellten dazu im März 2020 in Berlin die umweltpolitische Digitalagenda des Bundesministreiums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) vor. Sie enthält mehr als 70 konkrete Maßnahmen und ist die erste Strategie in Europa, die Digitalisierung und Umweltschutz konsequent miteinander verbindet. Das Bundesumweltministerium entwickelte die Agenda mit rund 200 Expertinnen und Experten, das Wuppertal Institut hat das Ministerium dabei intensiv begleitet und wissenschaftlich beraten.

Podcast "Zukunftswissen.fm" zum Thema "Digitalisierung und Nachhaltigkeit"

Mit "Zukunftswissen.fm" startete das Wuppertal Institut im April 2020 einen Podcast, der regelmäßig spannende Themenreihen rund um Transformationsprozesse und Innovationen für eine nachhaltige Entwicklung aufgreift. In der ersten Podcast-Reihe dreht sich thematisch passend alles um das Zukunftsthema "Digitalisierung und Nachhaltigkeit". Dr.-Ing. Stephan Ramesohl, Co-Leiter des Forschungsbereichs Digitale Transformation in der Abteilung Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts, spricht dabei mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Einerseits kann die Digitalisierung Herausforderungen der Nachhaltigkeitstransformation lösen und beispielsweise Beiträge zur Energie- und Mobilitätswende leisten, andererseits birgt sie aber auch ökologische Risiken. Das Thema wirft viele Fragen auf: Welche Chancen ergeben sich durch die Digitalisierung und welche Herausforderungen gilt es zu meistern? Wie muss mit den Spannungsfeldern, mit dem Datenschutz, dem Energie- und Ressourcenverbrauch sowie möglichen Reboundeffekten umgegangen werden? Welche staatlichen Regulierungen sind sinnvoll und erforderlich? Hören Sie rein!

Kontakt

Dr.-Ing. Stephan Ramesohl

Tel.: +49 202 2492-280

Fax: +49 202 2492-108

stephan.ramesohl@wupperinst.org

Dr. Holger Berg

Tel.: +49 202 2492-179

Fax: +49 202 2492-108

holger.berg@wupperinst.org

Holger Berg

Die Digitalisierung bietet uns eine einmalige Chance, Umweltschutz, Teilhabe und ökologisches Wirtschaften neu zu denken und zukunftsfähig zu gestalten.

Dr. Holger Berg
Co-Leiter Forschungsbereich Digitale Transformation

Themen

Aus den vielfältigen Forschungsarbeiten zum Thema Kreislaufwirtschaft finden sich folgende Bereiche:

NewsTermine

Hier finden Sie aktuelle Hinweise auf Forschungsergebnisse und -aktivitäten zum Thema Digitalisierung sowie Veranstaltungen zum Thema, in denen das Wuppertal Institut aktiv ist.

Projekte

Forschung zum Thema Digitalisierung findet im nationalen und internationalen Kontext statt. Hier sehen Sie ausgewählte Beispiele.

Eine vollständige Liste mit verschiedenen Filtern sowie einer Suchfunktion bietet unsere Projektübersicht.