Wie lässt sich der nachhaltige Wandel der Real- und Finanzwirtschaft ermöglichen und beschleunigen? Und wie können wir die Schlüsselakteur*innen dieses Wandels unterstützen? Die Antwort liegt für die Forschenden in praxisnahen und zukunftsfähigen Unternehmensstrategien, wirksamen Investitionen und starken Kompetenzen aller Beteiligten.
Der Forschungsbereich Unternehmen, Finanzierung und Bildung beschäftigt sich mit der mikro-wirtschaftlichen Handlungsebene der Real- und Finanzwirtschaft von Unternehmen, Banken und Kommunen – unter Berücksichtigung der globalen Entwicklungen. Die Wissenschaftler*innen untersuchen die von den Akteuren*innen benötigten Ressourcen – materielle wie immaterielle – und entwickeln mit den Akteur*innen zusammen Erkenntnisse darüber, wie die Motivation erzeugt werden kann, die vielschichtigen Transformationsherausforderungen aufzugreifen und welche Kompetenzen den notwendigen Wandel ermöglichen und fördern. Im Vordergrund stehen dabei Veränderungsprozesse, Investitionsbedarfe und Weiterbildung in Unternehmen und Kommunen sowie die Zusammenarbeit mit Banken, Versicherungen und Privatinvestor*innen. Zum einen unterstützen die Forschenden ganz konkret bei der Umsetzung von Maßnahmen kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie von Kommunen für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen – insbesondere im Bereich Klimaschutz, Ressourcenschonung, Biodiversität. Zum anderen untersuchen sie, wie die Integration von Zukunftstechnologien wie der KI unterstützend wirken, der Umbau zu grünen Industrien erfolgreich umgesetzt oder die Marktfähigkeit von Zukunftsbranchen wie etwa der Bioökonomie ermöglicht werden kann.
Die Forschenden begleiten bei der Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien und Transitionsplänen, quantifizieren die erwartbaren Wirkungen von Maßnahmen und überführen diese in konkrete Roadmaps und betriebliche Steuerungsinstrumente. Zudem steht die Entwicklung von Kompetenzen der Entscheidungsträger und Stakeholder bei Anpassungsmechanismen, Marktumbrüchen und der Interpretation von Daten und aus diesen hervorgehenden Erkenntnissen im Fokus. Dabei berücksichtigen die Forschenden das aktuelle regulatorische Umfeld – etwa bei Nachhaltigkeitsberichterstattung, Lieferkettensorgfalts- und Offenlegungspflichten oder der Ökodesign-Richtlinie. Sie richten dabei den Blick auf konkrete, Mehrwert stiftender Maßnahmen (unter besonderer Berücksichtigung von Co-Benefits für unterschiedliche Nachhaltigkeitsdimensionen) und Werkzeuge (zum Beispiel kausale Heuristiken für Interventionen) sowie zukunftsfähige Anpassungsstrategien und -prozesse in Organisationen - in enger Zusammenarbeit mit Beteiligten vor Ort.
Zu den typischen Forschungsfeldern und Tätigkeiten des Forschungsbereichs gehören deshalb
Die Ziele des Forschungsbereiches orientieren sich an drei übergeordneten, und miteinander verknüpften, Fragen:
Im Kern geht es den Forschenden darum, die nachhaltige Umgestaltung der Real- und Finanzwirtschaft zu unterstützen und die Beteiligten als aktive und selbstwirksame Agent*innen dieses Wandels zu begreifen.
Die drei Themen "Unternehmen", "Finanzen" und "Bildung" wirken als komplementäre Wirk- und Forschungsfelder von mikro-ökonomischen Zusammenhängen. Diese richten sich an einer Fülle von ökologischen und sozialen Zielen aus, die mit den Sustainable Development Goals, den Wirkdimensionen der European Corporate Sustainability Reporting Directive, den Vorgaben der Sustainable Finance Disclosure Regulation und EU-Taxonomie-Verordnung, den Durchführungsmaßnahmen der Ecodesign for Sustainable Products Regulation und den Anwendungsfeldern des EU-Lieferkettengesetzes (CSDDD) im Diskurs stehen.
Die Wissenschaftler*innen forschen mit Unternehmen zur Entwicklung von Strategien und Roadmaps für die Transformation, halten dabei den festen Blick auf die Wirksamkeit der definierten Maßnahmen. Neben dem Ziel, erneuerbare Energien schneller zu integrieren sowie Emissionen, Energie und Ressourcen gezielt einzusparen, fokussiert sich der Ansatz vorwiegend darauf, wie neue Geschäftsmodelle und Produkt-Dienstleistungs-Systeme entstehen können. Die Forschenden unterstützen Unternehmen bei der Strategieausrichtung und dem Change Management. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gelungener Transition erfolgt empirisch wie theoretisch, wobei Stakeholder, Anwendende und Expert*innen stets aktiv eingebunden werden.
Mittelständische Unternehmen und Kommunen nachhaltig zu transformieren, setzt zwingend voraus, sie mit Fremd- und Eigenkapital zu finanzieren – auch wenn dies allein noch nicht ausreicht, um den Wandel zu beschleunigen. Dem hohen und kurzfristigen Kapitalbedarf stehen jedoch strikte Offenlegungspflichten, das Messen von Risiken und das Mandat der Finanzierer entgegen. Allerdings bietet gerade der gegenseitige Bedarf an ESG-Daten die Chance, gezielter zu finanzieren, wirksamer zu fördern und privates Kapital zu mobilisieren.
Unter dem Oberbegriff der Finance for Sustainability konzentrieren sich die Forschenden insbesondere auf die Wirkungsorientierung und -bonifikation von Kapital. Unter Einbeziehung des klassischen Risiko- und Rendite-Verhältnisses sind ESG-Daten und Prozessdaten dabei das Vehikel, um neue Finanzinstrumente zu entwickeln. Diese operationalisieren die transitorischen und physischen Risiken und ermöglichen die robuste Messung der positiven Auswirkungen auf Umwelt- und Sozialziele durch konkrete Investitionen. Zudem nutzen die Forschenden die langjährige methodische Erfahrung im Bereich der Wirkungsanalysen von grünen und sozialen Anleihen, um die Re-Finanzierung an den Kapitalmärkten zu erleichtern und Co-Benefits für die Betroffenen zu quantifizieren, wie beispielsweise als Green Budgeting für Haushalte von Kommunen.
Obwohl neue Geschäftsmodelle, Produkte und Instrumente die nachhaltige Transformation beschleunigen können, scheitert ihre Etablierung oft an fehlender Integration in die Kultur und Prozesse des Unternehmens. Hier fehlt es mitunter an Bewusstsein und Kompetenzen, weshalb der Themenschwerpunkt Bildung genau hier ansetzt. Das dritte Standbein des Forschungsbereiches befasst sich mit der Vermittlung von Transformationswissen und der breiten Entwicklung von Kompetenzen für Mitarbeiter*innen auf allen Organisationsebenen. Nur so können Akteure der Real- und Finanzwirtschaft den analysierten Handlungsbedarf selbstständig umsetzen. Im Kern geht es hier um die Vermittlung von Inhalten der (beruflichen) Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE/BBNE), die Konzeption und Adaption von Trainings- und Lehrmodulen und die gemeinsame Realisierung von Lern- und Experimentierräumen. Im Rahmen einer Transformationsakademie bereiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsbereichs die dafür notwendigen theoretischen Inhalte so auf, dass Mitarbeiter*innen auf allen Organisationsebenen diese selbstwirksam in ihren jeweiligen Anwendungsbezug übertragen können. Dabei identifizieren die Forschenden gemeinsam mit den Zielgruppen die zentralen Inhalte und entwickeln Formate, um diesen direkten Anwendungsbezug zu gewährleisten. Die Umsetzung wird wissenschaftlich begleitet und kontinuierlich an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst.
Ein Beispiel für die Komplementarität der drei Themen, der Offenlegungspflichten und der übergeordneten Nachhaltigkeitsziele sind bankfähige Transitionspläne auf Branchenebene. Diese strategischen Instrumente nutzen ohnehin bereitzustellende Nachhaltigkeitsdaten (ESG) durch Unternehmen und verschränken sie mit dem Risikoverständnis und Offenlegungspflichten der Finanzierer. Dennoch sind sie nur dann erfolgreich, wenn kompetente Akteur*innen in den Organisationen diese in partizipativen Prozessen entwickeln und materialisieren.
Für die Verfolgung dieser Schwerpunkte nutzt das Team einen interdisziplinären Ansatz, bei dem die Forschenden Erkenntnisse und Methoden aus den Wirtschafts-, Sozial-, Bildungs- und Ingenieurwissenschaften miteinander verknüpfen. Dafür nutzen sie bereits etablierte Werkzeuge des Nachhaltigkeitsmanagements, Change Managements und der Wirkungsmodellierung, und entwickeln auch eigene, stakeholder-spezifische Instrumente. Wirksamkeit entsteht dabei entlang von plausiblen multi-dimensionalen Wirkungspfaden und -logiken, welche die Stakeholder partizipativ umsetzen. Gerade im Bereich der Realwirtschaft zeichnet sich dieser Ansatz dadurch aus, dass die Forschenden nicht nur im Auftrag über, sondern gemeinsam mit Unternehmen forschen.
Deshalb gibt es viele, notwendige, Anknüpfungspunkte mit den Schwester-Forschungsgruppen der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren im Bereich der Reallabore, sozio-technischer Innovationen und Klimawandelanpassung in Kommunen sowie im Bereich des Industriedesigns oder der Wirkungsmessung von Produkt-Dienstleistungssystemen, Lebensstilen und Verbraucherverhalten.
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