Bildung im Zeitaltergroßer Umbrüche

In von Krisen geprägten Zeiten reicht es nicht mehr aus, allein Wissen weiterzugeben. Bildung sollte Menschen befähigen, mit Unsicherheiten umzugehen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Ressourcenknappheit, Klimawandel, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), sowie der demografische Wandel und eine Zunahme an geopolitischen Spannungen verändern Wirtschaft, Gesellschaft und Arbeitswelt grundlegend. Das erfordert neue Kompetenzen und eine gemeinsame Basis, um der Gestaltungsaufgabe resilienter und gerechter Gesellschaften und Wirtschaften gerecht zu werden. Die Forschenden des Wuppertal Instituts untersuchen deshalb, welche Kompetenzen Menschen, Organisationen und ganze Gesellschaften brauchen, um die Zukunft aktiv mitzugestalten und in unsicheren Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Heute braucht es mehr denn je Bildungssysteme und -räume, die gemäß der Idee der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) alle Lebensphasen begleiten, ein aktives Entdecken und Interagieren von Klima- und Umweltschutzwissen über die aktive Gestaltung unserer gebauten Welt bis hin zum Testen und Umsetzen von Maßnahmen erlauben. Ein solches Erfahrungslernen, auf Handeln und Selbstwirksamkeit basiertes Lernen, mit formeller und informeller Wissensvermittlung zu paaren, verlangt eine grundlegende Veränderung bisherigen Lernens und Lehrens. Dafür sind vielfältige Kompetenzen erforderlich, damit sich die Persönlichkeit in sozialen Kontexten entfalten kann und organisatorische, umsetzungsbezogene sowie sachlich-fachliche Fertigkeiten entwickeln können.

Zukunftskompetenzen entwickeln

Doch wie sieht Bildung in einer Welt des Umbruchs aus? Antworten auf diese Frage wollen die Forschenden des Wuppertal Instituts liefern. Dafür untersuchen sie, wie Organisationen und Kommunen Zukunftskompetenzen entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung moderner Lernräume. Sie zeigen, wie durch das Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft lebendige Innovationsnetzwerke entstehen, die eine nachhaltige Zukunft ermöglichen. Denn Zukunft ist kein Zustand – sondern eine Gestaltungsaufgabe.

Dazu verbinden die Wissenschaftler*innen BNE mit Future Literacy, Design, Innovationsforschung und transdisziplinärer Forschung. Mit Future Literacy – oder auch Zukunftskompetenz – ist die Fähigkeit gemeint, unterschiedliche Zukunftsmöglichkeiten zu erkennen, kritisch zu reflektieren und verantwortungsvoll mitzugestalten. Dazu gehören systemisches Denken, Kreativität, Gestaltungskompetenz, Kollaboration, Reflexions- und Innovationsfähigkeit sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Unsicherheiten und neuen Technologien.

Das Lernen wird in diesem Kontext als gemeinsamer Innovationsprozess verstanden. Deshalb erforscht und entwickelt das Wuppertal Institut sogenannte Lern-Innovationsökosysteme, in denen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft neue Formen des Lernens, Experimentierens und Zusammenarbeitens erproben. Reallabore, Living Labs, Design- und Innovationslabore, Experimentier- und Lernräume sowie digitale und KI-gestützte Lernumgebungen bilden hierfür zentrale Forschungs- und Entwicklungsräume.

Gemeinsam Zukunftskompetenzen gestalten
Gemeinsam Zukunftskompetenzen gestalten: Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und Future Literacy erproben Lernende in einem aktiven, kollaborativen Lernraum wissenschaftliche Themen rund um Klima- und Umweltschutz.
Forschungsmethoden, Didaktik und Qualifizierung

Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Entwicklung evidenzbasierter Methoden für Lernen, Innovation und Zukunftsgestaltung. Gemeinsam mit unseren Partner*innen entwickeln und evaluieren die Wissenschaftler*innen didaktische Ansätze, Trainings, Lehr- und Lernmodule sowie praxisnahe Werkzeuge für unterschiedliche Zielgruppen.

Dazu gehören unter anderem die vom Wuppertal Institut entwickelte Methode "Offene Didaktische Erschließung" (ODE), der Transition Design Guide sowie Co-Creation-Methoden wie Design for social Change, Kreativworkshops oder offene Lernräume für Reallabore, Unternehmen und Bildungsinstitutionen. Unsere Ansätze unterstützen Kompetenzentwicklung, Organisationales Lernen und Innovation entlang des gesamten Lebens, denn Transformation betrifft alle Menschen. Die Forschung deckt deshalb sämtliche Bildungsbereiche ab:

  • frühkindliche Bildung
  • Schule
  • Hochschule
  • Berufsschule
  • Berufliche (Weiter-)Bildung in Unternehmen (von KMU über Handwerk bis hin zu Großunternehmen)
  • außerschulische Lernorte

Thematische Schwerpunkte sind unter anderem Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung und -effizienz, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, nachhaltige Produkt-Dienstleistungssysteme, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung, Gesundheit, Mobilität, Wohnen und Bauen, Ernährung sowie nachhaltiges Wirtschaften.

Netzwerkarbeit: Gemeinsam Zukunft gestalten

Das Wuppertal Institut forscht im Rahmen von Bildungsprojekten vermehrt in ganz Europa. Zudem besteht eine zentrale Kooperation des Instituts mit Humboldtn, dem Nachhaltigkeitsnetzwerk der Universitäten der Landesrektorenkonferenz Nordrhein-Westfalen. Eine enge Zusammenarbeit besteht zudem mit dem BNE Netzwerk in der Lehrkräftebildung, um vor allem angehenden Lehrer*innen unverzichtbare Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung zu vermitteln, damit sie ihr Wissen an nachfolgende Generationen weitergeben und sie zukunftsfit machen.

Im Rahmen der bestehenden Zusammenarbeit erfolgte im Sommersemester 2024 eine Vollerhebung zum Thema Bildung für Nachhaltige Entwicklung an den nordrhein-westfälischen Universitäten. In 2026 wird spiegelbildlich dazu eine Erhebung an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften durchgeführt. Diese wird von den Themenpat*innen des Boards Bildung für Nachhaltige Entwicklung der Zukunftskonferenz.NRW umgesetzt. In der Zukunftskonferenz.NRW kooperieren erstmalig die beiden hochschulischen Nachhaltigkeitsverbünde, Humboldtn (Universitäten) und NAW.NRW (Nachhaltigkeitsallianz für angewandte Wissenschaften in NRW / Hochschulen), um gemeinsam mit Außeruniversitären Forschungseinrichtungen einen Beitrag zur beschleunigten Umsetzung der NRW Nachhaltigkeitsstrategie zu leisten.
 

Kontakt

Julia Brandt

Tel.: +49 202 2492-299

julia.brandt@wupperinst.org

Themen

Aus den vielfältigen Forschungsarbeiten zum Thema Bildung finden sich folgende Bereiche:

NewsTermine

Hier finden Sie aktuelle Hinweise auf Forschungsergebnisse und Publikationen zum Thema Bildung sowie Veranstaltungen, in denen das Wuppertal Institut aktiv ist.

Projekte

Forschung zum Thema Bildung findet im nationalen und internationalen Kontext statt. Im Folgenden sehen Sie ausgewählte Beispiele, alle Projekte finden Sie hier.

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