Eine nachhaltige Zukunft gelingt langfristig nur mit sozialer Gerechtigkeit. Dafür erforscht das Wuppertal Institut geeignete Wege. Im Fokus stehen unter anderem eine faire Wärmewende, die bezahlbares Wohnen sichert, Konzepte für eine gerechte und inklusive Mobilität sowie die Flankierung von notwendigen Strukturwandelprozessen.
Nachhaltigkeit, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind untrennbar miteinander verbunden. Ob Kohleausstieg im Rheinischen Revier, die Auswirkungen der Wärmewende auf den Mietsektor oder die CO2-Bepreisung: Die Transformation zur Klimaneutralität darf nicht zu Lasten einkommensschwacher Haushalte gehen. Die Lastenverteilung muss gerecht sein und die mit der Transformation verbundenen Chancen und Beteiligungsmöglichkeiten allen offen stehen, um für die notwendigen Veränderungsprozesse die gesellschaftliche Akzeptanz zu bekommen. Die Forschung des Wuppertal Instituts belegt, dass CO2-Preise ohne soziale Ausgleichsmechanismen wie beispielsweise ein Klima- oder Transformationsgeld zu einer sogenannten regressiven Verteilungswirkung führen. Das heißt, dass eine staatliche Maßnahme Menschen mit geringem Einkommen im Verhältnis zu ihren finanziellen Mitteln stärker belastet als Wohlhabende.
Kurzfristige Entlastungsmaßnahmen wie Energiepreisbremsen oder Tankrabatte, die zur Abfederung hoher Energiepreise gewährt werden, greifen zu kurz und entlasten häufig nicht diejenigen, die es besonders notwendig haben.
Zur nachhaltigen Bekämpfung von Mobilitäts- und Energiearmut bedarf es langfristiger, struktureller Lösungen. Daher beschäftigt sich das Wuppertal Institut beispielsweise mit der sozialverträglichen kommunalen Wärmeplanung, der Weiterentwicklung der Bundesförderung für energetische Modernisierungen und innovative Ansätze wie faire Warmmietenmodelle, einem komfortablen und günstigen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sowie soziale Tarifmodelle der Energie-Grundversorgung. Um finanziell schwache Haushalte und ärmere Quartiere nicht abzuhängen und Akzeptanz und Teilhabe zu verbessern, müssen in den kommunalen Planungen zur Energie- und Mobilitätsversorgung soziale Kriterien und gezielte akteursspezifische Maßnahmen von Anfang an verankert werden.
Aber auch hinsichtlich der Klimafolgenanpassung gibt es soziale Aspekte zu beachten, nicht zuletzt weil einkommensschwache Haushalte häufig in durch den Klimawandel besonders belasteten Bereichen wohnen. In Städten ist der gesundheitliche Schutz von Senior*innen und Kindern in Zeiten extremer Hitze von besonderer Bedeutung – notwendig ist daher eine klimaresiliente Stadtentwicklung.
Ideal ist es, wenn Maßnahmen umgesetzt werden, die auf verschiedenen Ebenen eine positive Wirkung haben. Das Wuppertal Institut versucht ganz gezielt, solche Synergieeffekte zu identifizieren und den Zusatznutzen (Co-Benefits) von Klimaschutz und Klimaanpassung herauszuarbeiten. So ist beispielsweise der bauliche Wärmeschutz an Gebäuden ein Bindeglied zwischen Klimaschutz (Vermeidung von Treibhausgasen) und Klimaanpassung, da eine gute Dämmung im Sommer vor Hitze schützt und im Winter den Energiebedarf beziehungsweise die CO2-Emissionen senkt. In Zeiten des Klimawandels sind aber auch der Schutz kritischer Infrastrukturen und besonders schützenswerter Personengruppen (beispielsweise Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen) von großer Bedeutung.

In ihren Analysen untersuchen die Forschenden die soziale Dimension der Transformation und deren Dynamiken wissenschaftlich und entwickeln konkrete Strategien für eine zukunftsgerechte Gestaltung des Wandels. Eine integrierte Politik und das kluge Zusammenspiel zwischen originären verteilungspolitischen Maßnahmen, wie etwa der Steuer-, Bildungs- und Sozialpolitik mit der Klima-und Ressourcenpolitik, spielen dabei eine besondere Rolle.
Wie Energie- und Mobilitätswende als Teile der Daseinsvorsorge verankert werden können, ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt des Wuppertal Instituts. Die Forschenden untersuchen etwa, wie sich Stromsperren vermeiden lassen – etwa durch Prepaid-Stromzähler und Energieeinpargutscheine. Ein Bürger*innen-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr wirkt beispielsweise sozial zielgenau, ist gut für gerechte Teilhabechancen am sozialen Leben von Menschen ohne Führerschein und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Daneben betrachten die Forschenden am Institut aber auch die Folgen des mit den Transformationsprozessen zusammenhängenden Strukturwandels: Eine im Sinne der Beschäftigten gelungene (gerechte) Industrietransformation (sogenannte "Just Transition"), im Rheinischen Braunkohlerevier unter anderem, erfordert eine vorausschauende politische Steuerung der Veränderungen und eine entsprechende "Governance", die neue Perspektiven für Beschäftigte und Regionen gleichermaßen schafft.
In dem gemeinsam mit dem Club of Rome geschriebenen Buch "Earth for All – Deutschland" wird auf die notwendige Beachtung sozialer Aspekte der Transformationen in vielfältiger Weise hingewiesen. Darin verdeutlichen die Forschenden, dass Fairness und das Überwinden sozialer Ungleichheiten den nötigen gesellschaftlichen Rückhalt sichert und Prozesse massiv erleichtert.
Die Transformation kann nur im Dialog gelingen. Im Rahmen der Forschung arbeitet das Wuppertal Institut eng mit einem breiten Netzwerk von Akteur*innen zusammen, die spezifische Sozialexpertise einbringen. Zu den Partnern gehören unter anderem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), das Bündnis Zukunft – KlimaSozial sowie der Sozial-Klimarat. Dieser transdisziplinäre Austausch sichert die Praxisrelevanz der wissenschaftlichen Erkenntnisse und erweitert die jeweilige Fachperspektive.
Die Wissenschaftler*innen des Wuppertal Instituts bringen ihre Expertise zudem aktiv in wichtige politische Gremien ein und sind beispielsweise im Arbeitskreis Energiearmut des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE NRW) und im Sozial-Klimarat vertreten.
Aus den vielfältigen Forschungsarbeiten zum Thema Soziale Gerechtigkeit finden sich folgende Bereiche:
Hier finden Sie aktuelle Hinweise auf Forschungsergebnisse und -aktivitäten zum Thema Soziale Gerechtigkeit sowie Veranstaltungen zum Thema, in denen das Wuppertal Institut aktiv ist.
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Forschung zum Thema Soziale Gerechtigkeit findet im nationalen und internationalen Kontext statt. Im Folgenden sehen Sie ausgewählte Beispiele, alle Projekte finden Sie hier.
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