GesundeLebensweltengestalten

Gesundheit begleitet uns überall: wo wir leben, lernen, arbeiten und uns bewegen. Das Wuppertal Institut erforscht, wie gesundheitsfördernde Lebensräume und Versorgungssysteme gestaltet werden können – Hand in Hand mit Chancengleichheit sowie Klima- und Ressourcenschutz.

Klimawandel, Umweltbelastungen, Ressourcenverbrauch, Biodiversitätsverlust und soziale Ungleichheiten verändern unsere Lebensbedingungen grundlegend und stellen Gesundheitssysteme vor neue Herausforderungen. Kommunen, Unternehmen und die Gesellschaft sind davon gleichermaßen betroffen.

Wer die menschliche Gesundheit schützen will, muss auch den Planeten schützen. Die Konzepte "Planetary Health" (mit der Zielsetzung der universellen Gesundheit von Mensch und Erde) und "One Health" bringen das sehr deutlich zum Ausdruck. Die Gesundheit von Menschen und der Erde sind im Sinne eines umfassenden Nachhaltigkeitsverständnis eng miteinander verflochten und können nicht isoliert voneinander betrachtet werden: Nachhaltige Entwicklung bedeutet daher, Lebenswelten so zu gestalten, dass sie Gesundheit fördern, Klima wie Umwelt schützen und die Umsetzung sozial gerecht erfolgt. Diese Ziele sind untrennbar miteinander verknüpft – und keines davon lässt sich ohne die anderen erreichen.

Die Forschung des Wuppertal Instituts beschäftigt sich daher mit der Frage, wie zentrale Bedarfsfelder – wie beispielsweise Ernährung, Mobilität, Wohnen, Freizeit, Kunst und Kultur sowie Kleidung – nachhaltiger und gesundheitsfördernd gestaltet werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei integrierte Lösungen, die mehrere Vorteile miteinander verbinden, zum Beispiel lebenswerte, an den Klimawandel angepasste Quartiere und Städte durch den gezielten Ausbau blau-grüner Infrastrukturen. Analysiert wird aber auch beispielsweise, mit welchen umweltbezogenen Wechselwirkungen gesundheitstechnologische, pharmazeutische und medizintechnische Entwicklungen verbunden sind. Gemeinsam mit Politik, Kommunen, Unternehmen und den Menschen vor Ort entwickeln die Forschenden Lösungen für einen gesunden Alltag, der unser Klima schützt und niemanden zurücklässt.

Natur als Gesundheitsressource
Natur als Gesundheitsressource und Heilquelle: Eine Pause in der Natur mindert Stress, senkt das Herz-Kreislauf-Risiko und fördert das Wohlbefinden. Bewegung, Gemeinschaft und Erholung sind die drei Grundpfeiler einer ganzheitlichen Gesundheit.
Wie Forschung und Praxis die nachhaltige Transformation vorantreiben

Ein zentraler Schlüssel für eine zukunftsfähige gesunde Gesellschaft liegt in der integrierten Stadtentwicklung (Health in all Policies). Um diese zu erreichen, spielen Reallabore mit Blick auf Innovation eine wichtige Rolle: Wenn Kommunen und Regionen Klimaschutz, Klimaanpassung und Gesundheitsförderung zusammendenken, entstehen echte Synergien. Begrünte, verschattete Räume, eine gestärkte aktive Mobilität (begünstigt durch attraktive Fußwege und Radverkehrsinfrastrukturen), Quartiere der kurzen Wege schützen das Klima und fördern gleichzeitig das Wohlbefinden der Menschen vor Ort. Um solche Ansätze aus der Theorie in die Praxis zu übertragen, setzt das Wuppertal Institut dies in transdisziplinären Reallaboren um – also Forschungsräume, in denen Wissenschaft und kommunale Praxis gemeinsam erproben, wie etwa gesunde, klimaresiliente und sozial gerechte Lebenswelten konkret aussehen können.

Das Projekt InnovationsCommunity Urban Health (ICUH) befasst sich mit der Schaffung gesunder und gerechter Lebensverhältnisse in Städten und widmet sich insbesondere der Überwindung des "Implementation Gap" zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ihrer praktischen Umsetzung. "T hoch 3 – Zwischen Tradition, Teilhabe und Transformation", das Kleingärten als inklusive Begegnungs- und Gesundheitsorte zur Förderung von Teilhabe und Hitzeresilienz erschließt. Gemeinsam mit der BARMER werden im Projekt URBAN SusHealth Strategien untersucht, die Gesundheitsförderung, Prävention und Klimaanpassung und gesundheitliche Chancengleichheit in Kommunen systematisch verknüpfen. Zusammen mit der AOK Rheinland/Hamburg entstehen im Projekt "Zukunft in Bewegung" Ansätze für eine bewegungsfördernde und nachhaltige Alltagsmobilität von Kindern. Das Projekt SalusTransform erforscht, wie Stadtentwicklung Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz verbinden kann. Ziel des Projekts ist es, daraus konkrete Ansätze für nachhaltige und gesundheitsfördernde Kommunen abzuleiten. Im Projekt ProGis leiteten die Forschenden eine Indikatorik ab (ProGis-Index), mit der Kommunen sozial-ökologische Problemlagen kleinräumig identifizieren und Maßnahmen für eine nachhaltige und gesunde Stadtentwicklung gezielt erarbeiten und priorisieren können. Im Nachfolgeprojekt ProGis 2.0 wird der Index zu einem praxisnahen Unterstützungssystem für Kommunen weiterentwickelt. Darüber hinaus erarbeitet das Projekt WISIONS Transitions gemeinsam mit Partner*innen in Nepal und Nigeria Anpassungslösungen, um Lebensgrundlagen in besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen zu stärken und auf eine resiliente Basis zu stellen.

Auch das Gesundheitssystem selbst und seine Beteiligten spielen eine entscheidende Rolle. Nach dem Prinzip "Wohlbefinden und Prävention statt Nachsorge" engagieren sich Krankenkassen und Versicherungen verstärkt für eine klimaresiliente und gerechte Gesellschaft. In Zusammenarbeit mit Kommunen und weiteren Partner*innen erarbeiten die Forschenden Maßnahmen, die auf einen doppelten Nutzen für Mensch und Umwelt abzielen. Dazu gehören Initiativen zur nachhaltigen Ernährung, aktiven Mobilität, der Aufbau klimasensibler Gesundheitskompetenz sowie nachhaltige Strukturen in der Quartiersentwicklung und Versorgung.

Vom ressourcenschonenden Versorgungssystem zur systematischen Wirkungsmessung

Eine nachhaltige Transformation setzt voraus, dass die Versorgungssysteme grundlegend ressourcenschonend neu ausgerichtet werden – von der Ernährung über das Wohnen und die Mobilität bis hin zur Gesundheitsversorgung. In Kooperation mit Unternehmen wie BARMER, AOK und Krankenhäusern untersuchen die Wissenschaftler*innen des Instituts beispielsweise, wie Produkte und Dienstleistungen so gestaltet werden können, dass sie den Ressourcenverbrauch senken und zugleich Gesundheit und Wohlbefinden steigern. Beispielsweise zeigen nachhaltig gestaltete Kantinenangebote für eine pflanzenbasierte Ernährung, wie Ressourcenschonung und Gesundheitsförderung Hand in Hand gehen.

Im Projekt EBEM-KAT erfassen das Wuppertal Institut und das Universitätsklinikum Düsseldorf systematisch klimarelevante Emissionen in der Augenheilkunde – mit dem Ziel, sie langfristig zu reduzieren und nachhaltige Strukturen im klinischen Alltag zu verankern. Mit der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. (KGNW) hat das Wuppertal Institut darüber hinaus das Zielbild Klimaneutrales Krankenhaus entwickelt, das Krankenhäusern umsetzungsorientierte Hinweise zur Klimafolgenanpassung sowie für Klimaschutz- und Ressourceneffizienzmaßnahmen gibt. Circular.Care.Solingen untersucht, wie sich Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen durch nachhaltige Beschaffung, verbessertes Abfallmanagement und wissenschaftlich begleitete Pilotprojekte praktisch umsetzen lässt. Ein weiteres Beispiel sind Mobilitätskonzepte für Unternehmen und Kommunen, die den Umstieg auf das Fahrrad oder Fußwege erleichtern und so Emissionen senken sowie die körperliche Fitness stärken. Auf diese Weise werden in einem systemischen Forschungsansatz die Konzepte von Planetary Health (der universellen Gesundheit von Mensch und Erde), Biodiversität und nachhaltiger Stadtentwicklung miteinander verbunden.

Damit solche Maßnahmen langfristig greifen, müssen ihre Effekte messbar und steuerbar sein. Ein zentraler methodischer Baustein der Institutsarbeit sind daher Wirkpotenzialanalysen. Diese Verfahren ermöglichen es, die komplexe Dynamik gesundheitlicher, sozialer und ökologischer Effekte sowie deren Wechselwirkungen strukturiert zu erfassen und zu analysieren. Das schafft eine verlässliche Grundlage für Entscheider*innen: Synergien lassen sich so gezielt aufgreifen, Zielkonflikte werden frühzeitig sichtbar und fundierte Weichenstellungen für eine integrierte Entwicklung beispielsweise auf der kommunalen oder Quartiersebene werden möglich.

Carolin Baedeker

Die Zukunft unserer Gesundheit liegt in der integrierten Gestaltung klimaresilienter, sozial gerechter Lebenswelten. Indem Kommunen, Wirtschaft und Versorgungssysteme den Grundsatz Planetary Health verankern, verwandeln wir ökologische und soziale Herausforderungen in nachhaltige Transformationsprozesse.

Dr. Carolin Baedeker
Stellv. Abteilungsleiterin und Co-Leiterin des Forschungsbereichs Innovationslabore

Themen

Aus den vielfältigen Forschungsarbeiten zum Thema Kreislaufwirtschaft finden sich folgende Bereiche:

NewsTermine

Hier finden Sie aktuelle Hinweise auf Forschungsergebnisse und -aktivitäten zum Thema Gesundheit sowie Veranstaltungen zum Thema, in denen das Wuppertal Institut aktiv ist.

Projekte

Forschung zum Thema Gesundheit findet im nationalen und internationalen Kontext statt. Im Folgenden sehen Sie ausgewählte Beispiele, alle Projekte finden Sie hier.

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